Personzentrierte Psychotherapie und Beratung

Viel Neues aus der Gesprächspsychotherpaie

Personzentrierte Psychotherapie und Beratung

Finke J (2019): Personzentrierte Psychotherapie und Beratung. Störungstheorie Beziehungskonzepte Therapietechniken. München: Ernst Reinhardt,

 

Vorweg: Finke legt hier ein Buch vor, das eine Fülle dialektischer Polaritäten bewusst macht , aber auch die Möglichkeiten ihrer Synthese  aufzeigt. Z.B. zwischen dem naturwissenschaftlichen, Objektivität anstrebenden therapeutenzentrierten Therapie-Stil und der polaren intuitiven  klientenzentrierten Geisteshaltung. Der Ausgleich ist hier in der gegenseitigen, einander berücksichtigenden und eingrenzenden Einstellung zu sehen, die man durch ein Yin-Yang-Symbol (schwarzer  Punkt in weißem Feld und weißer Punkt in schwarzem Feld) gut darstellern  könnte.

Eine andere Spannung ist die zwischen zwei  therapeutischen Beziehungskonzepten: dem Alter-Ego-Konzept und dem Dialog-Konzept. Das Alter-Ego-Konzept  versucht derjenige Therapeut zu realisieren,  der ein  perfektes Double des Patienten bieten möchte. Der Patient sieht sich in einem Spiegel, der alles unverfälscht wiedergibt.  Damit der Therapeut diese Spiegelfunktion realisieren kann, muss er sich in den Patienten einfühlen können, Empathie entwickeln. Beim Dialog-Konzept geht es hingegen darum, dass dem Patienten die Welt im Dialogpartner begegnet, das Anderssein erfahren werden kann. Um diese Funktion verwirklichen zu können, braucht der Patient die Erfahrung der Echtheit, Kongruenz, Transparenz des Therapeuten.. Fink plädiert für eine Höhergewichtung des Alter-Ego-Konzeptes, d.h. die Selbstbegegnung. Beim stärkeren Einsatz des Dialog-Modus sieht e r die Gefahr einer zunehmenden Angleichung an die alltägliche Kommunikation: Es gibt noch etliche Spannungsfelder, z.B. die Spannung zwischen Therapietechnik und unmittelbarer Begegnung; oder das Problem,  Non-Direktivität und Lenkung auf einen Nenner zu bringen.

 Was Fink zusätzlich zu originellen Zugängen zur Klientenzentrierten Psychotherapie anbietet, ist z.B. ist z.B. seine Abstufung von der Theorie zum Konzept zur Technik, z.B. im Rahmen der Theorie der Gesprächspsychotherapie ist es der Verlauf von Kernmerkmalen (den grundsätzlichen Haltungen des Therapeuten wie Echtheit, Akzeptanz, Einfühlung) zu den Beziehungskonzepten-Alter Ego  und Dialog, bis hin zu spezifischen Handlungsmustern. Damit ist etwas ganz Wichtiges geleistet, nämlich die Aufhebung eines Jahrzehnte  währenden Missverständnisses, das in der Frage gipfelt:“ Akzeptieren, wertschätzen,  echt sein, das müssen wir ja im ganzen Leben, ist das schon Therapie?“  Nein! Die Kernmerkmale müssen erst konkretisiert, operationalisiert  werden, um therapeutisch eingesetzt werden zu können. Deshalb gibt es auch eine ausführliche therapiepraktische Vermittlung derKernmerkmale. Interessant ist auch die positive Einstellung von Fink zur Diagnose. Ebenso die Berücksichtigung der Störungsspezifität der Behandlung. Außer den vielen Anregungen, die das Buch noch aufweist, seien zwei Ergänzungen angebracht:  das Focusing (der Ausbau erlebniszentrierter Methode), und die Hinzunahme existentieller Themen (hier könnte man die Heideggerschen  Existenzialien einbauen) – beide Ansätze sind im Buch schon kurz dargestellt . Darüber hinaus gibt es die starke Betonung der Ehrlichkeit in der Provokativen Psychotherapie von Farrelly, und die pädagogische, beratungszentrierte Form nach Thomas Gordon. Beide Ansätze sind nicht angeführt.

Man kann ohne weiteres konstatieren, dass sich die Gesprächspsychotherapie lebhaft weiter entwickelt. Das Buch bringt viele lehrreiche  Gesprächsausschnitte, die das jeweils Gemeinte  hervorragend  veranschaulichen.  Es ist  eine wertvolle Unterlage für die Therapie, die Beratung und  für alle, die  die vielen Facetten der therapeutischen Gesprächsführung bewusst einsetzen wollen!    

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
22.11.2019
Link
https://www.schule.at/bildung/rezensionen/detail/das-arthrose-selbsthilfe-buch.html
Kostenpflichtig
nein