Multidimensionale Familientherapie

Das Buch zeigt bereits in seinen drei Vorworten durch Erfahrung gestütztes Selbstbewusstsein, was den Ansatz der Multidimensionalen Familientherapie (MDFT) und seine Effektivität betrifft.

Buchtitel: Multidimensionale Familientherapie - Jugendliche bei Drogenmissbrauch und Verhaltensproblemen wirksam behandeln
AutorInnen: Spohr B, Gantner A, Bobbink J A u Liddle A H
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
Erschienen: 2011

Zum Inhalt

"Die Multidimensionale Familientherapie (MDFT) ist ein evidenzbasiertes Behandlungssystem für Jugendliche, die mit Substanzmissbrauch und Verhaltensproblemen zu kämpfen haben", schreibt der Begründer der Methode, Howard Liddle, in seinem Vorwort (S 9). In diesem Vorwort und in der Einführung wird das Kürzel INCANT- Studie als bekannt vorausgesetzt. Der Rezensent recherchierte, dass es sich dabei um eine Studie betreffend INternational CAnnabis Need of Treatment handelt. Die MDFT wurde, was in den Vorworten nicht ohne Stolz mitgeteilt wird, in dieser von fünf europäischen Ländern durchgeführten Studie auf ihre Effektivität im Vergleich zu anderen Behandlungsformen untersucht.

Das Verfahren kombiniert, wie Jochen Schweitzer in seinem Vorwort prägnant ausführt ( er ist, was man aus dem Literaturverzeichnis erfährt, Autor eines Lehrbuchs über systemische Therapie und Beratung) , ökosystemische Ansätze mit Ansätzen aus der Gemeinwesenarbeit, dem Streetwork, der Gruppentherapie und Krisenintervention. Die Interventionen liegen auf einer Kybernetik 1. Ordnung, d.h. auf der direkt handelnden und weniger änderungsreflexiven, selbstreferentiellen Ebene. Für die MDFT, so Schweitzer, ist wie bei ähnlichen Verfahren typisch, " dass sie in einem relativ kurzen Zeitraum... in hoher Dichte mit den Jugendlichen und ihren Familien arbeiten" (S 9). Die Behandlung orientiert sich an entwicklungspsychologischen Erkenntnissen und bezieht auch das Wissen um Risikofaktoren ein.

Das Buch besteht aus vier Teilen. Teil A schildert die MDFT im Überblick, ihre Entstehung, ihre Interventionen auf vier Ebenen (Jugendliche, Eltern, Familie, außerfamiliäres Umfeld) und u.a. auch dieTherapiephasen (Moti vierung und Aufbau des therapeutischen Arbeitsbündnisses) sowie Nachweiswe der Wirksamkeit der MDFT. Teil B schildert theoretische Grundlagen (z.B. das ökologische Modell, das systemische Verständnis von dysfunktionalem Verhalten, weiter genaue Angaben über die vier Ansatzdimensionen). Teil C liefert Grundlagen der therapeutischen Arbeit (Leitlilnien, Therapieprinzipien, Basiskompetenzen, Strutur und Rahmen des therapeutischen Prozesses usw.). Teil D illustriert die theoretischen Grundlagen mit Fallbeispielen im gesamen Verlauf.

Das Buch überzeugt durch seine Engagiertheit und Strukturiertheit, durch ganz dichte und doch didaktisch gut aufgebaute und nachvollziehbare Anweisungen, Tabellen, Abbildungen, Daten und Fakten, ob es sich nun umEmpfehlungen für die Zielsetzung mit Jugendlichen handelt oder um Hinweise, wie man "enactment" (direkte Erfahrung einer alternativen Realität - statt nur darüber zu reden) initiiert.

Das Buch wirkt nicht nur plausibel in seiner Effektivität durch das dichte Interventionsnetz, das aufgespannt wird, sondern könnte in wesentlichen Aussagen gerade wegen seiner hervorragenden Didaktik für Präventionsarbeit an Schulen Verwendung finden.

Die Autoren und die Leser dieses Buches werden eingeladen, gedanklich in diese Richtung zu expandieren. Es lohnt sich!

Meta-Daten

Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
02.02.2012
Link
https://www.schule.at/bildung/rezensionen/detail/multidimensionale-familientherapie.html
Kostenpflichtig
nein