Neuroethik

Das Buch ist eine überzeugende, verständliche, ausgewogene, informative Auseinandersetzung mit Themen zwischen Neurowissenschaft und Philosophie! Es ist einem nahezu unlimitierten Leserkreis zu empfehlen!

Buchtitel: Neuroethik
Reihe: UTB Profile
AutorInnen: Hildt E.
Verlag: E.Reinhardt
Erschienen: 2012

Zum Inhalt

Die Autorin hat ein ausgewogenes Verhältnis zur Neurowissenschaft und zur Philosophie (speziell: Ethik). Sie studierte - laut Internetrecherche - Biochemie und kam schon während des Studiums mit Fragen der Ethik in Kontakt.

Die wohltuend  balancierte Einstellung zu "Materie" und "Geist" führt zu einem Gefühl fairer Argumentation in allen Themenbereichen, die die erst 10 Jahre junge interdisziplinäre Neuroethik aufgreift. Während sich die Medizinethik mit Fragen befasst, wie sich  Handeln in der Medizin an ethischen Maßstäben ausrichten kann; und während die Bioethik das richtige Handeln im Umgang mit der belebten Natur und mit theoretischen praktischen Erkenntnissen der Biomedizin aufgreift, sind die philosophischen Aspekte, ethischen Implikationen und gesellschaftlichen Auswirkungen der aktuellen Entwicklungen in der Neurowissenschaft das Gebiet der Neuroethik. Die Fragestellungen der Ethics of Neuroscience umfassen Risikoabwägungen bei verschiedenen Behandlungsoptionen, den angemessenen Umgang mit Patienten, die verantwortungsbewusste Handhabung des Datenschutzes, die informierte Einwilligung des Patienten zu einer medizinischen Behandlung u. v. a. m.  Über diese Ebene der ethischen Fragen von hoher praktischer Relevanz erheben sich die Massive philosophisch-ethischer Reflexion von Willensfreiheit,  dem Zusammenspiel von Geist und Gehirn, von Determination, Verantwortlichkeit, personaler Identität, Entscheidungsfindung im Gehirn, Repräsentation von Werten im Gehirn, sowie die Rolle des Gehirns für das Selbstverständnis. Diese Themen werden in den Kapiteln 2, 3 und 4 behandelt, nachdem einleitend das Werden der Neuroethik skizziert wird. Kapitel 4 bringt außerdem eine interessante, originelle Betrachtung, inwieweit das Gleichbleiben oder die Veränderung Einfluss auf die personale Identität und Authentizität haben: Eine Sichtweise betont die Erhaltung des Gegebenen als Notwendigkeit für die Aufrechterhaltung der Identität, die somit entweder gänzlich vorhanden oder nicht vorhanden ist. Demgegenüber geht eine andere Perspektive von individuellen Persönlichkeitscharakteristika aus, die mehr oder weniger über die Zeit hinweg vorhanden sein können oder abhandenkommen oder durch neue ersetzt werden. Wenn überwiegend andere Charakteristika als vorher vorhanden sind, kann von einer veränderten Persönlichkeit gesprochen werden, im Extrem von einer anderen Identität - zahlreiche ethische Implikationen ergeben sich daraus. Kapitel 5 und 6 thematisieren die Einflussnahme auf das Gehirn durch Medikamente, Operationen, technische Verfahren und Geräte. Den Abschluss bilden im Kapitel 7 differenzierte Überlegungen, wie das Bestreben nach Verbesserung von Eigenschaften und Fähigkeiten bei Gesunden ethisch zu beurteilen ist: Hier tun sich zahlreiche Fragen auf, z.B.: Wer soll in den Genuss dieses Neuroenhancements  kommen,  wer wünscht diese Förderung, was bedeuten diese Maßnahmen für die Selbstdefinition und Autonomie des Menschen? Wird gefördert oder nur der allgemeine Leistungsdruck erhöht?

Das Buch ist eine überzeugende, verständliche, ausgewogene, informative Auseinandersetzung mit Themen zwischen Neurowissenschaft und Philosophie! Es ist einem  nahezu unlimitierten Leserkreis zu empfehlen!

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
22.01.2014
Link
https://www.schule.at/bildung/rezensionen/detail/neuroethik.html
Kostenpflichtig
nein