Psychologische Diagnostik

Bei der 5. Auflage des Werkes wurde die Quell-Literatur mit Erscheinungsjahr vor 2000 einer kritischen Prüfung hinsichtlich aktueller Gültigkeit und Relevanz unterzogen, um zwar Bewährtes zu bewahren, aber auch Erweiterungen durch Neues zu ermöglichen.

Buchtitel: Psychologische Diagnostik
AutorInnen: Schmidt-Atzert L u Amelang M
Verlag: Springer
Erschienen: 2012

Zum Inhalt

Ein weiteres Anliegen der neuen Auflage war die Berücksichtigung der Bachelor-Ausbildung. Auch die Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit wurde angestrebt: die Rückmeldungen der Fachkollegen und Studierenden über Stärken und Schwächen wurden berücksichtigt.

Der Covertext weist auf das Erfolgsrezept des Buches hin: Theoretische Fundierung, Bezug zu konkreten Fragestellungen und berufspraktische Konsequenzen. Weiter wird die didaktische Aufbereitung gelobt (Merksätze, Beispielkästen, Exkurse, Prüfungsfragen) und ebenso die Möglichkeit für kostenlose downloads (Lernmaterialien, Vortragsfolien), weiter die Praxisnähe zu den Anwendungsfächern und die durch Befragung von Studierenden verbesserte Lesbarkeit dieser Arbeitsgrundlage für Studium, Prüfung und Praxis. - Der Blick in das Buch zeigt: Das Buch hält, was es verspricht!

Die 11 Kapitel des Buches umfassen Einleitung, Grundlagen diagnostischer Verfahren, diagnostische Verfahren, Durchführung einer diagnostischen Untersuchung, den diagnostischen Prozess, Zuordnungs- und Klassifikationsstrategien, Probleme und Differenzierungen von Prognosen, die weiteren drei Kapitel dienen den Anwendungsbereichen Arbeits-. Betriebs- und Organisationspsychologie, Pädagogische Psychologie und Klinische Psychologie. Das darauf folgende Schlusskapitel widmet sich der neuropsychologischen, rechtspsychologischen und verkehrspsychologischen Diagnostik. Der Anhang führt mathematische Formeln zur Prüfung bzw. Feststellung wichtiger Testkriterien an.

Ob es sich um objektive Testverfahren, oder um ein assessment-Verfahren, um Verhaltensbeobachtung oder um aus psychotherapeutischen Konzepten abgeleitete Testverfahren handelt, das Buch gibt klare, nicht überboardende und dennoch tiefergehende Antwort. Es informiert über die 40 wichtigsten Testverfahren und darüber, wie es zu einem diagnostischen Urteil kommt, erläutert aber auch, wann man aufgrund unklarer Auftragserteilung oder wegen anderer Bedingungen die Diagnose nicht durchführen sollte u. v. a. m.

Eine kleine Anmerkung sei erlaubt: Obwohl das Buch an vielen Stellen den Zusammenhang zwischen inhaltlichem Konzept und diagnostischer Methodik erörtert, würde sich das Unterkapitel Diagnostik von Teilleistungsstörungen für die Demonstration des Wertes alternativer Konzeptüberlegungen lohnen. Die im ICD-10 angeführten Störungen der Lese- und Rechtschreibstörung, der isolierten Rechtschreibstörung und der Rechenstörung sind wohl unter der Mikroperspektive (intrapsychisch) der Teilleistungsstörungen untersuchbar; aber auch der mesoperspektivische Zugang (interpersonal) dieser Störungen als Passungsproblem zwischen schulischen(gesellschaftlichen) Anforderungen und schülerbezogenen (individuellen) Leistungsbedingungen würde sich lohnen; und schließlich wäre die Makroperspektive der nicht ohne Grund so genannten "Kultur"techniken aufschlussreich ( die Reizüberflutung der Multimedienwelt, die Digitalisierung des Erlebens und die Virtualisierung des Erfahrungsbezugs u. v. a. m.).

Was der Rezensent ebenfalls für eine wertvolle Ergänzung hielte (und zumindest im Buch nicht entdeckt hat), wären die in der angewandten Psychologie nicht minder als in der Medizin wichtigen differentialdiagnostischen Überlegungen inklusive der Angabe von Ausschlusskriterien oder von Prämissen wie z.B. "zero defect" bei Entscheidungen, die drastische Konsequenzen haben können. Oder der Zusammenhang von alpha-Fehler (irrtümliche Effektannahme ) und beta-Fehler (irrtümliche Zufallsannahme) bei Selektionsentscheidungen.

Dafür liefert aber das 2. Kapitel über die Grundlagen diagnostischer Verfahren eine beeindruckende Fülle von Informationen (theoretische Basis, Konstruktionsprinzipien, Gütekriterien), z.B. auch ganz spezifische Fragestellungen wie die Frage, ob man für eine Verhaltensdiagnostik auf Eigenschaften verzichten kann; oder wie und ob gruppenstatistische Ergebnisse auf Einzelfälle übertragen werden können.

"Diagnostik: hinschauen, entscheiden, handeln!" Sagt das Buch. "Lesen und profitieren!" ergänzt der Rezensent.

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
27.03.2012
Link
https://www.schule.at/bildung/rezensionen/detail/psychologische-diagnostik.html
Kostenpflichtig
nein