Ressourcen aktivieren mit dem Unbewussten

In der Startseite der Internetpräsentation des Zürcher Ressourcen Modells steht zu lesen: „Das Zürcher Ressourcen Modell «ZRM®» ist ein Selbstmanagement-Training und wurde von Dr. Frank Krause und Dr. Maja Storch für die Universität Zürich entwickelt. Es wird laufend durch wissenschaftliche...

Buchtitel: Ressourcen aktivieren mit dem Unbewussten. Manual und ZRM-Bildkartei.
Autorinnen: Krause F u Storch M
Verlag: Huber
Erschienen: 2011

...Begleitung auf seine nachhaltige Wirkung hin überprüft.“ Obwohl die beiden Autoren ihr Werk in Bezug zu dem von ihnen entwickelte Zürcher Ressourcenmodell (ZRM) setzen, ist dieses (eine Zusammenstellung jungianisch-psychoanalytischer, psychodramatischer und anderer Quellen und von den Autoren als psycho-edukatives Selbstmanagement-Training aufgefasst) nicht Voraussetzung für die breite Anwendung!

Die beiden Autoren verstehen das zu rezensierende Werk als Tool im „Zweierpack“, es enthält nämlich einerseits das Manual für die Arbeit mit der ZRM-Bildkartei mit im Teil I theoretischen Notizen und im Teil II praktischen Anregungen und Hinweisen. Und es enthält andererseits 64 Bildmotive im A4 Format, die starke positive Gefühle hervorrufen können.

Der Einsatz von Bildkarten ist nicht neu: Ob es nun Bilder mit Motiven aus der darstellenden Kunst sind, oder, ob es Ausschnitte aus Illustrierten sind, ev. auch eigene Fotos - immer lässt sich das Bildmaterial als materielle Metapher einsetzen, z.B. für die Beschreibung momentaner Lebensgefühle oder für erlebte Situationen. Die praktischen Hinweise sind eine große Hilfe für Therapeuten, die zum ersten Mal mit Bildkarten arbeiten.

Vier Diskussionsanstöße seien gestattet, betreffend das Unbewusste, die positiven Bildmotive, die Entspannungsanleitung und die Rolle der Körpersignale (Marker).1) Dass Bildmotive sich als hervorragendes Projektionsmaterial eignen, ist bekannt. Das ZRM arbeitet mit einer Abfolge von unbewussten Bedürfnissen, die in bewusste Motive gewandelt werden, die dann Intentionen bewirken und schließlich nach einer Handlungsvorbereitung in die Aktionen münden. Ob aber die Assoziationen und Deutungen immer in die Tiefen des Unbewussten tauchen (müssen – wie der Buchtitel nahelegt? Die neurobiologischen Erkenntnisse über viele wichtige, unbewusst ablaufende Prozesse im Menschen und zwischen Menschen sind beeindruckend, aber zur Lösung von Problemen genügt es oft, die laterale Intelligenz (de Bono nannte dies so) anzuregen, über den momentanen engen Kreis von Bewältigungsmöglichkeiten hinaus zu denken und das im Sinne der Aufmerksamkeitsbeschränkung notwendigerweise Ausgeblendete wieder einzubeziehen. Bei der Problemlösung ist einfache Eleganz oft gefragter als (behauptete) Radikalität.

2) Dass das Bildmaterial auf ausschließlich positive Bildmotive beschränkt wurde, ist sicherlich eine begründete und auch der Sicherheit dienende Fokussierung. Kann aber ausgeschlossen werden, dass ein Mensch mit schwierigen Lebenserfahrungen nun konfrontiert mit einer paradiesischen Welt das eigene Elend, Defizit, Versäumnis umso stärker bewusst bekommt und z.B. eine depressive Reaktion entwickelt? Andererseits: Wie wichtig dieser Schattenbereich ist, zeigt sich ja darin, dass die Autorin, jungianische Psychotherapeutin, Seminare zum Schatten nach C. G. Jung abhält. Wäre also auch der Einsatz von Problemmotiven überlegenswert?

3) Kann die kurze Entspannungsanleitung im Anhang des Manuals ausschließen, dass Menschen dennoch bereits in tiefere Zonen des Bewusstseins gleiten? Es hat sich bewährt, den Körper wieder zu tonisieren durch Räkeln, Strecken, tiefes Atmen - und erst dann wieder die Augen zu öffnen und die vielen optischen Reize "hereinzulassen". Im Manual erfolgt nämlich das Augenöffnen direkt aus der Entspannung.

Weiter ist wichtig, dass die in der Anleitung gegebenen Sätze zum Ein- und Ausatmen keinen Rhythmus "vorschreiben" (was sie ohnehin nicht tun, aber so missverstanden werden könnten), sondern es jedem individuell überlassen, wie er oder sie das Tempo wählt.

4) Ein Diskussionsanstoß noch: Wenn das Unbewusste aus neuronalen Vernetzungen besteht und die somatischen Marker (Körpersignale) einen Hinweis auf diese Musterschaltungen geben, dann ist das Rekurrieren darauf nicht unbedingt eine Garantie für die optimale Lösung - die manchmal geradezu im Loslösen von allen Schablonen besteht.

Nichtsdestotrotz handelt es sich bei der Bildmotiv-Sammlung um recht anregende, schöne und intensive positive Stimuli. Die Betonung der Positivität (trotz Diskussionsanstoß 2) ist ein angenehmer Kontrast zu den uns überschwemmenden negativen Bildberichten in den Medien; sie entspricht auch dem neueren Trend, nicht nur die Krankheitsgeschichte und Problemperspektive zu fokussieren, sondern eine Erfolgsgeschichte zu verfassen, eine Ressourcenperspektive einzunehmen. Die Bilddatei kann in den unterschiedlichsten pädagogischen, beratungsbezogenen, aber auch psychotherapeutischen Situationen eingesetzt werden.

Das Manual zeichnet sich durch maßvolle Ratschläge im Umgang mit dem Bildmaterial aus, die sich an den jeweiligen Kompetenzen des Anwenders orientieren. Es werden viele Anregungen gegeben, z.B. für verschiedene Settings wie Einzelcoaching, Großgruppenarbeit oder Einsatz des Internets.

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
13.10.2011
Link
https://www.schule.at/bildung/rezensionen/detail/ressourcen-aktivieren-mit-dem-unbewussten.html
Kostenpflichtig
nein