Straining: Eine subtile Art von Mobbing

Der Autor ist Gerichtspsychologe und -gutachter, sowie Arbeitspsychologe. Er hat das Straining-Konzept entwickelt. Straining, d.h. Belastung, Anspannung, Druck,ist eine eigene Form gesundheitsschädigender Einflüsse, nicht zu verwechseln mit Mobbing, Stalking, Stress durch die Arbeit.

Buchtitel:  Straining: Eine subtile Art von Mobbing.

Autor: Ege H

Verlag: Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht

Erschienen: 2014

Zum Inhalt

Straining ist ein erzwungener Stress, der keine Vielzahl feindseliger Akte erfordert (wie  Mobbing), sondern sich z.B. durch aktive Passivität (absichtliches, provokantes Ignorieren von berufsbezogenen Kontaktwünschen) auszeichnet. Der wachsende und zunehmend  das Wohlbefinden beeinträchtigende  Stress wird subtil hervor gerufen durch indirekte Maßnahmen wie arrangierte Isolation, Versetzungen, Qualitätsverringerung der Arbeitsaufgaben, quantitative Überforderung etc.). Wegen der betonten Unterschiedlichkeit  zwischen Straining und Mobbing sollte der Titel eher lauten: "Straining- nur eine subtile Art von Mobbing?" Der Untertitel als Behauptung läuft der Argumentation im Buch zuwider.

Der Psychiater Allen J. Frances hat davor gewarnt, sich zu sehr über die "Entdeckung" einer neuen Krankheit zu freuen, mit einem Federstrich würde eine große Zahl neuer Leidender geschaffen.  Andererseits weist Ege darauf hin, dass es viele Personen gibt, die in Folge Strainings Demütigung empfinden, Angstgefühle aufweisen, Beziehungsverarmung erleiden u.s.w., die aber mit den Kriterien für Mobbing nicht erfasst werden. Ege belegt eindrücklich, dass die Hinzunahme des Konzepts des Strainings dazu hilft, Ungerechtigkeiten zu vermeiden (etwa dadurch, dass in Ermangelung des Erfüllens von Mobbingkriterien nun alle Problemursachen im Opfer selbst verortet werden).

Ege hat bereits für seine Beiträge zur Klärung des Vorliegens von Mobbing ein System von sieben Parametern geschaffen. Diese eignen sich auch, klare Unterschiede zwischen Stalking, Mobbing, Straining etc. festzustellen.   Die sieben Parameter sind: Ort (beim Straining liegt der Fokus auf  dem Arbeitsplatz), Häufigkeit (beim Straining sind die Folgen permanent), Dauer (beim Straining besteht die Problematik seit mindestens 6 Monaten), Art der Handlung ( beim Straining z.B. systematische Isolierung), Ungleichheit zwischen den Antagonisten (das Straining-Opfer befindet sich in einer dauernd unterlegenen Position), Verlauf nach Phasen und Verfolgungsabsicht (z.B. wird versucht. das Opfer dazu zu bringen, zu kündigen).

In fünf Kapiteln mit vielen Fallbeispielen breitet der Autor sein Konzept aus: Er beschreibt, definiert Straining und wendet seine Parameter-Methode an, die Idee dabei ist: Definitionen können durch verschiedene Deutungen Unsicherheiten aufweisen, die Parameter dagegen sind "digitalisiert", die Parameter-Aussagen sind mit Ja oder Nein zu beantworten, damit fallen Unsicherheiten weg - allerdings stehen die Kriterien manchmal auf konventionellen Beinen wie etwa die Festlegung der Mindestdauer von 6 Monaten. Im weiteren vergleicht der Autor anhand seiner Parameter Straining und Mobbing, Straining und Stalking, Straining und weitere Problemsituationen am Arbeitsplatz (sexuelle Belästigung, Stress, Burnout, Glass Ceiling - eine Art Karriereblockade-, Arbeitssucht. Interessant ist das Eskalationsmodell der Arbeitsplatzkonflikte auf Seite 186, das vom Stress, Straining, Mobbing bis zum Stalking eine kontinuierlich zunehmende Verfolgungsqualität  aufweist (man hat zunehmend das Gefühl, dass einem permanent jemand im Nacken sitzt): Wenn die Straining-Strategie nicht "greift" werden mit Mobbing oder dann sogar Stalking schwerere Geschütze aufgefahren.

Eine kleine Anmerkung: die Umschlagbildgestaltung zeigt ein verbranntes Streichholz. Nun ist es Bestimmung eines Streichholzes, angezündet zu werden. D.h. wenn die Hölzchen funktionieren, gesellen sich weitere verbrannte Exemplare zu dem einen schwarzen am Umschlagbild. Will der Umschlag-Gestalter auf ein unweigerliches Burnout hinweisen,  wenn man im Beruf tut, was von einem erwartet wird?

Das Buch ist auf jeden Fall ein Gewinn, mit einem Schlag erkennt man etliche vom Straining Betroffene - und diese fühlen sich bestätigt in ihrem Stresserleben! Betroffene und Therapeuten können den vormals nicht so eindeutig fassbaren Phänomenen nun einen Namen zuordnen. Der Leser erlebt durch die Lektüre  Klärung und Verständniserweiterung: Man erhält mit dem Parameter-Vergleich ein Werkzeug zur Feststellung und eindeutigen Unterscheidung der verschiedenen Formen von Arbeitsplatz-Konflikten!

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
13.11.2014
Link
https://www.schule.at/bildung/rezensionen/detail/straining-eine-subtile-art-von-mobbing.html
Kostenpflichtig
nein