Too big to know.

Das Wissen neu denken, denn Fakten sind keine Fakten mehr, die Experten sitzen überall und die schlaueste Person im Raum ist der Raum.

Buchtitel: Too Big to Know
AutorInnen: David Weinberger 
Verlag:  BASIC BOOKS 
Erschienen: 2012

 

Zum Inhalt

Dem Rezensenten fiel, als er das Buch von Weinberger durchblätterte, die Metapher mit einer Ausstellung ein. Der  Rezensent  geht durch die Räume, auf der Suche nach Ausstellungsstücken, deren Schönheit, Zweckmäßigkeit, Robustheit, Umfänglichkeit direkt be"greif"bar sind. Im Verlauf des Ausstellungsbesuches werden diese Objekte immer seltener, statt dessen werden lebendig wabbernde Netze mit wechselnden Lichtpunkten an die Wand projiziert . Der Besucher ist  zunächst verwirrt "Was wird denn hier überhaupt dargestellt?" Und stellt etwas später verwundert fest, dass ihm die Netze, Schleifen, Knoten .., plausibler erscheinen, immer vertrauter und zugleich immer  interessanter werden.

Diese Einstellungsänderung schafft der als Internet-Philosoph,  ja sogar als Internet-Guru apostrophierte Autor, indem er ruhig das alte Wissen mit dem neuen Wissen vergleicht, wobei er nicht argumentiert, sondern einfach Fakten präsentiert. Z.B. die stetig anwachsende Wissensfülle. Oder die Dynamik von Internet-Recherchen.

Trotz Schwerverständlichkeit und Vielfalt postmoderner Philosophie, können dennoch verbindende Gedanken formuliert werden. Die Internetnutzung geht von zentralen Annahmen aus, die der Autor kurz (S112f) beschreibt:  Alles Wissen und alle Erfahrung  ist Interpretation.  Es gibt Realität, aber wir sehen sie immer aus einer Perspektive. Interpretation ist immer eine soziale Handlung, sie wird entsprechend der jeweiligen Fokussierung unterschiedliche Facette auszeigen. Keine Perspektive ist besser als eine andere. Niemand ist im Besitz der Wahrheit. Interpretationen sind in Diskursen verortet.  Man muss sich das bewusst machen, dass die Worte und Handlungen von unausgesprochenen Regeln und Erwartungen bestimmt werden. Die Bedeutungen erschließen sich erst aus dem Kontext. Innerhalb eines Diskurses werden bestimmte Interpretationen bevorzugt. Das Weltverständnis innerhalb einer bestimmten Kultur (Diskurs)lenkt die Interpretationen. Ein besonders anschauliches wichtiges Kapitel setzt sich mit dem Vergleich von Buchform und Netzform auseinander (Seite 129 - 143): Zwar begünstigt die Produktion von  Büchern in der alten Printform  das Durchdenken, längere Zeit Verbleiben bei einem wichtigen Gedankengang, aber "Die Physik des Buchs macht Bücherschreiben zum Soloprojekt" (S 128). Hingegen erlaube die Netzform ein öffentliches Denken. Dieses öffentliche Denken in Netzform ermöglicht, dass der Autor mit seinen Texten auf seine Leser eingeht. Die Leser selbst sind intellektuell und emotional stärker involviert, weil Teilnehmer am "Gespräch". In kurzer Zeit bilden sich um Ideen, Projekte, Fragen unterschiedliche Netze von großem Ausmaß. Weinberger weiß freilich auch um die Gefahren der Netzform: Im Geflecht ist die Trennlinie zwischen Wissen und Interpretation nicht mehr eindeutig zu ziehen. Auch die Frage, wer ein Projekt initiiert, eine Idee als Erster eingebracht hat, ist manchmal schwer beantwortbar. Das neue Wissen ist zu groß für Theorien, meint der Autor (S148f), die tatsächliche Komplexität geht über die Modelle hinaus. Dennoch helfen Computersimulationen. Das neue Wisse hat  flache Hierarchien, ist offen für Unterschiede, frei zugänglich.  Die neue Form des Umgangs mit dem Wissen ist daher gefordert.

Der Autor plädiert dafür, sich mit den neuen Wissenszugängen zu befassen. Nicht um die Wahrheit zu besitzen , sondern der Wahrheit über das Wissen näher zu kommen! Das Buch besitzt  Kapitelüberschriften  wie:" Die Wissensflut"," ein Fass ohne Boden"," ein Jahrmarkt der Eitelkeiten". Man kann sich an dieser Strukturierung nicht "anhalten". Das will der Autor auch nicht. Er regt vielmehr einen Umdenkprozess an!

 

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
15.02.2013
Link
https://www.schule.at/bildung/rezensionen/detail/too-big-to-know.html
Kostenpflichtig
nein