Lesen macht gesund. Die Heilkraft der Bibliotherapie

Das Buch ist eine Einladung in die fasszinierende Welt des Lesens und seiner Heilkraft.

Heimes S

Lesen macht gesund.  Die Heilkraft der Biblotherapie

Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht

2017

 

 

 

 

 

Zum Inhalt

 

Zu Beginn trifft die Autorin eine pragmatische Definition:  Bibliotherapie ist jene Therapieform, die von der Idee ausgeht, dass Lesen eine heilsame Wirkung  hat. Die Autorin ist Ärztin, Poesietherapeutin, Künstlerin und Professorin für Journalistik. Sie leitet das von ihr gegründete Institut für Kreatives und Therapeutisches Schreiben..Lesen macht auf viele Arten "gesund"– was die Autorin selbst eindrucksvoll unter Beweis stellt: Lesen fördert das Sozialverhalten autistischer Kinder, hilft bei Schlafstörungen, hilft bei der Verarbeitung des Verlusts nahestehender Menschen. Die instruktive Bibliotherapie zeigt Erfahrungen anderer Menschen auf und, was man von ihnen lernen kann. Lesen erschafft mit Fantasie und Kreativität innere Welten; Lesen erlaubt einen zeitweiligen Rückzug; Lesen gibt Orientierung und Halt; Lesen lädt ein zur Identifikation und hat Modelleffekt. Lesen bringt eine Auseinandersetzung mit Lebensentwürfen, es tröstet und ermutigt. Und noch mehr Wirkungen zählt die Autorin nicht nur auf, sondern webt in ihre Darstellung eine Fülle von Buchhinweisen ein – von ihr selbst eingebracht oder von einer beträchtlichen Anzahl von Autorinnen und Autoren, die zumeist auch ihre Gedanken über die Wirkprinzipien des Lesens mitteilen.
Die Lektüre dieses Buches der Bücher ruft eine nostalgische Rührung beim Rezensenten hervor: Exakt vor 3 Jahrzehnten hat der Rezensent das Buch „Lesen hilft leben“ veröffentlicht. Er hat dabei Gedanken geäußert, die mit Heimes´ Überlegungen gut harmonieren, insbesondere aber die Wirkdimensionen des Lesens beschreiben, z.B. „Bedrückende Erlebnisse können krank machen, wenn sie überwältigen und "sprachlos" machen, weil man nicht weiß, wie man die massiven Eindrücke ausdrücken, mitteilen kann. Lesen kann hier helfen, insbesondere durch das Iso-Prinzip – die Heilung durch Gleichartiges. Wenn nämlich in einem Buch oder Text Personen geschildert werden, denen es ähnlich ergeht wie dem Lesenden, dann ermöglicht das Lesen eine Identifizierung- auch mit der geschilderten Problembewältigung. Zumindest kommt es zu einer Entlastung (die Überwindung der Sprachlosigkeit), Dynamisierung (Verdrängtes, Abgekapseltes, "Eingefrorenes" kommt wieder in Fluss), Kompetenzsteigerung (es wird im Text ein Beispiel für die Problembewältigung gegeben) und Ermutigung zum konkreten Handeln (Überstieg von der rezeptiven zur produktiven Phase).
 

Ein außerordentlich wichtiger Hinweis der Autorin ist die Verschränkung des Lesens mit der erzählerischen Grundstruktur und Grundhaltung des Menschen und seiner Kultur. „Wir alle leben in Geschichten“ meint die Autorin.

„Lesen macht gesund“  ist aber nicht nur wegen des Reichtums an Einsatzgebieten ein sehr bescheidener Titel, sondern auch wegen seiner präventiven Wirkung. Der Rezensent formulierte dies so: "Schule als Vorbereitung für das Leben muss aber auch Strategien für kommende Belastungen und deren konstruktive Bewältigung liefern. Die vorbeugende Beschäftigung mit Literatur, Lesen als Lebensschulung und erlebnisgeleitete Prävention nenne ich Biblioprophylaxe.
 

Es ist der Autorin gelungen, für das Buch und das Lesen in seinen vielfältigen Aspekten zu begeistern, es ist, als ob man lange Zeit einen Schatz gesucht hat und dann entdeckt, dass er zu Hause vergraben war. Wir alle besitzen Bücher, jede/r von uns hat seine/ihre Lesebiografie, d.h. die Erlebnisse und Erfahrungen bei den Exkursionen in die faszinierende, geheimnisvolle, lehrreiche, heilende, ermutigende Welt des Lesens. Das Buch von Heimes ist Fährtenbuch und Handanweisung für ein Survival im Dschungel der digitalisierten Information und virtuellen Weltkonstruktion.

 

 

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
02.10.2017
Link
https://www.schule.at/bildung/rezensionen/existenz-entwicklung-tod/detail/lesen-macht-gesund-die-heilkraft-der-bibliotherapie.html
Kostenpflichtig
nein