Durch gesunde Kommunikation zum Lernerfolg

© BraunS/ E+/ gettyimages
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Unter dem Motto „Red mit!“ fand auch heuer wieder der Dialog Gesunde Schule statt. Kernthema war die gesunde Kommunikation in der Schule, denn die Kultur einer Schule spiegelt sich auch und vor allem in deren Sprache wieder.

Unterricht ist immer Kommunikation

"Man kann nicht nicht kommunizieren“, sagte schon der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick. Denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man auch nicht nicht kommunizieren.

Ein Lehrer kommuniziert etwa ob er wirkliche Begeisterung für ein Thema hat oder nicht. Doch selbst der beste und charismatischste Vortrag garantiert nicht, dass der Input auch gelernt wird.

Doch wie gelangen die Lerninhalte auch tatsächlich in die Köpfe der SchülerInnen und bleiben dort? Kurzfristig kann natürlich auch unter Angst und auf Druck hin gelernt werden, jedoch ist solches Lernen nie nachhaltig und mit Verständnis. Um komplexe Sachverhalte und Lerninhalte wirklich zu verstehen braucht es die richtige Kommunikation. Nur wenn der Dialog zwischen LehrerInnen und SchülerInnen gelingt, bleibt der Lerninhalt erhalten.

„Ich-Bezüge“ herstellen

Es bedarf einer für viele Lehrende durchaus neuen Kommunikation, damit die SchülerInnen ihre Lernziele erreichen. Denn trotz zahlreicher Reformen sei der Schulunterricht laut Elisabeth Kossmeier von der PH OÖ, nach wie vor zu lehrerzentriert. Es sei immer noch der Pädagoge, der das Wissen versteckt und die SchülerInnen müssen es suchen, indem sie Fragen beantworten und Tests bestehen.
Laut Kossmeier müssen die SchülerInnen aber spüren, dass es im Unterricht um sie geht. Lehrende sollen sich deshalb verstärkt Aufgaben mit „Ich-Bezügen“ überlegen und die Schüler etwa fragen:
„Was denkst du zu diesem Thema?“, „Welche Lösung fällt dir dazu sein?“, „Welcher Satz in diesem Text scheint dir persönlich als wichtig und warum?“
Denn nur durch den persönlichen Bezug setzen sich SchülerInnen überhaupt erst mit den Lerninhalten auseinander, stellen Thesen auf und  bilden sich eine Meinung. Lernen sei laut Kossmeier ein höchst individueller Prozess, ein soziales „Konstrukt“ welches sich erst richtig entwickeln kann wenn die Kinder spüren  „ich interessiere mich dafür wie du denkst“.

Lernerfolg durch "Ich Bezüge"

Lernen heißt selber denken

Damit das zu vermittelnde Wissen in das System der Kinder kommt müssen sie eine Relevanz des  Erlernten für sich spüren. Das was in der Schule passiert, muss spürbar etwas mit dem Leben außerhalb der Schule zu tun haben. Wenn man z.B. das österreichische Steuersystem erklärt, sollte man den Schülern vorab die Frage beantworten lassen: „Warum soll ich über das österreichische Steuersystem Bescheid wissen?“

Kernidee: „Der Staat braucht Geld für das, was der ganzen Bevölkerung zugute kommt. In Form von Steuern zieht er dafür Gelder ein. Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, wer wie viel an den Staat abgeben soll/muss und wofür das Geld ausgegeben wird.“

Lernziele: Die SchülerInnen wissen Bescheid über unterschiedliche Steuern. Sie setzen sich mit unterschiedlichen Auffassungen, was Steuern betrifft, auseinander. Sie überlegen die Aufgabe der „Umverteilung“ und nehmen selber kritisch Stellung.

Unterstützend sind sogenannte Lernjournale, die helfen, das „ICH“ der SchülerInnen ins Spiel zu bringen. Den großen Vorteil sehen Experten in der Tatsache, dass alle SchülerInnen (Leistungsstarke wie Leistungsschwache) mit den Lerninhalten in Dialog treten müssen. Durch Fragen wie „Was denke ich?“, „Was weiß ich schon?“ „Was ist meine Meinung zu diesem Thema“ wird nicht nur das aktuelle Thema aufgegriffen, sondern auch im Detail analysiert, individuelle Konzepte erstellt und das Denken erweitert.

Überprüfen, was wichtig ist - nicht das, was leicht zu überprüfen ist

Beim Erreichen der Lernziele soll laut Kossmeier in erster Linie das KÖNNEN, nicht das WISSEN überprüft werden. Denn Wissen alleine mache noch nicht kompetent. Es brauche die Verknüpfung des Wissens und Könnens mit Einstellungen und Wertvorstellungen: Was habe ich da gelernt? Für wen ist dieses Wissen relevant? Und was hat es mit mir zu tun?
Es soll daher nicht nur nach "Richtig" oder "Falsch" beurteilt werden, sondern auch nach fachlich-inhaltlichen Leistungen (verstehen, erkennen, Problemlösungen), persönlichen Leistungen (Selbstkonzept entwickeln, Werthaltungen aufbauen), sozialkommunikativen Leistungen (zuhören, diskutieren, argumentieren, kooperieren), sowie methodisch-strategischen Leistungen (planen, organisieren, nachschlagen).

Buchtipp:
Ratschläge, wie man das lernende Ich in den Mittelpunkt stellt, finden Pädagogen in folgendem Praxishandbuch von Elisabeth Kossmeier (herausgegeben von der PH OÖ): "Einzelnen gerecht werden: Chancen und Herausforderungen für einen Unterricht in heterogenen Klassen", Linz 2009, 3. Auflage

Der Dialog Gesunde Schule ist eine Veranstaltungsreihe des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger in Kooperation mit den Service Stellen gesunde Schule der Gebietskrankenkassen. Die diesjährige Veranstaltung fand am 8. Oktober 2019 an der JKU Linz statt.