Jugend auf Drogen? Oder alles halb so schlimm?

An der FH Campus Linz fand die Tagung statt
An der FH Campus Linz fand die Tagung statt

Wie siehts aus bei Österreichs Jugendlichen in Sachen Substanzkonsum - seien es legale oder illegale Drogen? Würde die Legalisierung von Cannabis Sinn machen? Ist Österreichs Drogenpolitik zu halbherzig und inkonsequent? Diese Fragen stellte man sich auf der Tagung "Jugend auf Drogen?".

Jugendlicher Substanzkonsum zwischen Verharmlosung und Dämonisierung


"Jugend auf Drogen!" - so der Titel der Veranstaltung vom Institut Suchtprävention und dem Verein I.S.I., bei der es um den Substanzkonsum Jugendlicher gegangen ist. Es herrschen viele Mythen um Drogen, um deren Konsum und Besitz und um deren Wirkung. "Wir sind in der Jugendarbeit tätig und wenn man dies macht, stößt man unweigerlich auf dieses Thema", so Lothar Jochade vom Verein I.S.I. Er beobachtet, dass die Bedeutung von Substanzkonsum in bestimmten Bereichen stark zunimmt und ist überzeugt, dass man sich diesem Thema stellen müsse. Auf der Tagung stellte man sich dem Thema auf vielfältige Weise: Es wurden die gesetzlichen Rahmenbedingungen diskutiert, die Frage über den Sinn von Legalisierung aufgeworfen, wie schädlich Cannabis wirklich ist und in welcher Verbindung die Jugendkultur mit dem Substanzkonsum steht. Heikles Thema war zudem die Drogenpolitik Österreichs - hier würde man sich eine klarere und einheitlichere Regelung wünschen.

Bild: © Thinkstock/iStock/OpenRangeStock

Dr. Bernd Werse: Jugendkultur und Substanzgebrauch


Dr. Bernd Werse vom Zentrum für Drogenforschung (Goethe-Universität Frankfurt) thematisiert in seinem Vortrag die Bedeutung von Cannabis in der Jugendkultur. Cannabis entwickelte sich vom "Kraut der Armen", über die Droge für verschiedenste Musikrichtungen (insbesondere Reggae) bis hin zum Ausdruck symbolischer jugendlicher Rebellion. Werse präsentiert zudem das Monitoring-System Drogentrends (MoSyD), das die Drogengebrauchsentwicklung in Frankfurt im Laufe der Jahre erhob. 1.019 15- bis 18-Jährige wurden zu ihrem Zigaretten-, Alkohol-, Cannabis- und "Legal Highs"-Konsum sowie zum Konsum harter Drogen befragt. Hier ist ein gewisser Trend von legalen zu illegalen Drogen festzustellen.

Abschließend geht Bernd Werse noch auf eine Online-Befragung zu Legal Highs ein.

Dr. Hans-Günther Meyer-Thompson: Hanf/Cannabis: Schadenspotentiale und Schadensminderung


"Es gibt kaum eine psychoaktive Substanz, die so umstritten ist, wie Hanf. Es ist ein fast religiöser Streit, der darum entbrannt ist und das nicht erst seit heute, sondern schon seit 30 - 40 Jahren. [...] Die Bandbreite der Kommentare der Einordnung reicht von "Vorhof zur Hölle" bis "heiliges Kraut"", so Dr. Hans-Günther Meyer-Thompson von der Asklepios Klinik Hamburg (Abt. Abhängigkeitserkrankungen). Im Vortrag geht Meyer-Thompson auf die gewünschten und unerwünschten Wirkungen von Cannabis ein und zeigt Möglichkeiten zur Minderung der Konsumrisiken ein.

Der Suchtexperte betont, dass auch wenn Hanf im Schädlichkeitsranking von Substanzen hinter Alkohol, Heroin, Crack, Kokain, Methamphetamin, Kokain, Tabak und Amphetamin steht, Hanf nicht harmlos ist.

Gerhard Jäger: Cannabis - Substanzkunde & Safer Use


Gerhard Jäger ist Drogenberater beim Drogenberatungszentrum Z6 in Innsbruck und klärt in seinem Vortrag über die möglichst sichere Nutzung von Cannabis auf. Ihm geht es um Safer Use: Um unangenehme Nebenwirkungen zu vermeiden ist das Drug-Set-Setting zu beachten:

DRUG: Welche Cannabissorte, THC-Gehalt, Dosierung, ...

SET: Warum konsumiere ich? Persönlichkeit, Alter, Geschlecht, ...

SETTING: In welcher Umgebung und mit wem kiffe ich?

Im Z6 gibt es die Möglickeit des "Drug Checkings" - das heißt, Konsumenten können ihre Drogen (nur synthetische) auf Reinheit und Inhalt prüfen. Ziel ist es nicht, Drogen zu verhamlosen, sondern Risiken zu minimieren und Aufklärungsarbeit zu leisten.

Dr. Alois Birklbauer: Cannabis & Co: Wie sieht die rechtliche Situation aus?


Mag. Dr. Alois Birklbauer vom Institut für Strafrechtswissenschaften (JKU Linz) geht in seinem Vortrag auf die strafrechtlichen Aspekte vom Konsum illegaler Substanzen, Schwerpunkt Cannabis und Neue Psychoaktive Substanzen (NPS), ein.

"Das Grundprinzip aktueller Drogenpolitik ist die Kriminalisierung im Interesse der Gesundheit", so Birklbauer, aber es gelte nicht für jede Substanz dieselbe Regel.

Der Jurist gibt einen guten Einblick, was erlaubt ist, was verboten ist und welche Strafe oder Therapie bei Nichteinhaltung droht. "Was fällt alles unter Tathandlungen bei Suchtgiften? Erwerben, besitzen, erzeugen, befördern, einführen, ausführen, einem Anderen anbieten, überlassen oder verschaffen. Was nicht darunter fällt ist der Konsum! Es ist in Österreich zulässig Suchtgift zu konsumieren, wir werden dafür nicht bestraft. [...] Das Problem ist, wie wollen Sie es konsumieren, ohne es vorher zu besitzen?", erläutert Birklbauer so manche interessante Ausprägung des Suchtmittelgesetzes.

Thomas Schwarzenbrunner: Suchtmittelgesetz 2016: Ablauf, Risikobeurteilung & Chancen


Thomas Schwarzenbrunner von der Landesdrogenkoordination Oberösterreich geht auf die gesundheitsbehördlichen Aspekte im Suchtmittelgesetz (SMG) ein. Wie ist das Vorgehen beim Drogenkonsum im Sinne des Suchtmittelgesetzes? Bei einem Verstoß gegen das SMG meldet die Schule, das Bundesheer oder die jeweilige Behörde das Vergehen an die Gesundheitsbehörde, auch die Polizei selbst macht diese Meldung. Die Gesundheitsbehörde muss den Verstoß zeitnah mittel Amtsarzt begutachten und entscheiden, ob gesundheitsbezogene Maßnahmen erforderlich sind oder nicht. Wie diese Beurteilung zu Stande kommt und welche Aspekte miteinfließen, erfahren Sie im Vortrag.

Umgang mit drogenkonsumierenden Jugendlichen aus der Berufspraxis


Welche Anlaufstellen gibt es für Jugendliche in Sachen Drogenkonsum? Was tun Beratungsstellen und wie können sie Jugendliche unterstützen? Welche Präventionsarbeit kann geleistet werden, damit das Problem nicht dann erst behandelt wird, wenn es schon "brennt".

Es diskutierten Regina Gappmaier (Point - Beratungsstelle für Suchtfragen, Linz), Stefanie Ostermann, (Verein I.S.I. - Initiative für soziale Integration, Linz) Gerhard Jäger, (Drogenarbeit Z6, Innsbruck) und Mag.(FH) Andreas Reiter (Institut Suchtprävention, Linz) unter der Moderation von Lothar Jochade (Verein I.S.I.).

 

Bild: © Thinkstock/iStock/AnthonyEnns

Alle weiteren Infos über die Tagung und zur Suchtprävention finden Sie auf den Homepages des Instituts Suchtprävention und dem Verein I.S.I..

Medien zum Thema Drogen für Ihren Unterricht

Wir haben für Sie ein Medienpaket, mit dem Sie das Thema Drogen im Unterricht aufgreifen können.

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