Jugend heute: Grenzenlose Freiheit oder doch ein Leben im Hamsterrad?

© iStock/ Getty Images Plus/ DMEPhotography
© iStock/ Getty Images Plus/ DMEPhotography

Psychische Erkrankungen kommen häufiger vor, als man vielleicht denken möchte. Ob jetzt Depressionen, Essstörungen, selbstverletzendes Verhalten oder Suizidgedanken: Immer mehr Jugendliche sind betroffen.

Doch welche Probleme haben junge Menschen, wie sehen deren Lebenswelten aus und welchen Herausforderungen müssen sich Erziehungsberechtigte in Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen stellen?

Welche Probleme sind „normal“?

Erwachsen werden ist - wie vieles andere im Leben - kein leichtes Unterfangen. In der Übergangsphase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter machen Jugendliche wesentliche mentale und soziale Entwicklungsschritte durch. Dinge wie Identität, Selbstwert, Emotionsregulation, Verantwortlichkeit und Autonomie müssen erst entwickelt werden. Durch den Ablösungsprozess zu den Beziehungsberechtigten entstehen somit automatisch Probleme und Konflikte. Laut Psychologin Bettina Neumayer von der blue.box pro mente OÖ  sind Veränderungen im Verhalten für das Jugendalter typisch. Die zentrale Frage lautet immer: Welches Verhalten ist „normal“ und welches krisenhaft? Symptome, die ernst genommen werden müssen, sind etwa der Gebrauch von Drogen für Emotionsregulation, promiskuitive sexuelle Beziehungen oder der komplette Mangel an Beziehungen, Schulverweigerung, das Fehlen jeglicher Interessen, Suizidgedanken, Angst sowie die Unfähigkeit, das Leben zu genießen.

Umgang mit Problemen im Jugendalter

Doch wie sollen sich Erziehungsberechtigte verhalten, wenn sie merken: Meinem Kind geht es nicht gut? Wichtig ist laut Neumayer in jedem Fall die Unterstützung und das generelle Bestreben, Hilfe anzubieten. Jugendliche brauchen Bezugspersonen, die Interesse an ihnen und ihren Bedürfnissen zeigen. Eltern sollten ihre Kinder dabei achten und respektieren, aber zugleich auch Achtung und Respekt für sich selbst einfordern.  Auch sei es wichtig, Konflikte nicht zu scheuen und gemeinsam an effektiven Problemlösungsstrategien zu arbeiten. Ein gutes Umfeld biete aber auch Grenzen, so Neumayer.  Jugendliche müssen sehen, dass ihr Handeln Konsequenzen nach sich zieht, das Verhalten von Bezugspersonen müsse von Verlässlichkeit und Vorhersagbarkeit geprägt sein.


Sorgen und Herausforderungen: Was geht in den Köpfen der Jugendlichen vor?

Diese Verlässlichkeit sei wichtig in Zeiten des persönlichen Wandels. Denn die heutige Jugend hat viel zu jonglieren. Man navigiert zwischen Lifestyle, Erfolgsorientierung und Krise, so Jugendkulturexpertin Beate Grossegger. Einerseits hätten die jungen Leute ihren eigenen Kopf und konkrete Vorstellungen, wie ihr Berufs- und Privatleben aussehen soll, andererseits sei die Lebenssinnfrage oft von einer „Augen zu und durch“ - Haltung geprägt. Hinzu kommt, geprägt durch die derzeitige Leistungsgeneration, ein enormer Wettbewerbszwang und Erfolgsdruck. Denn nur wer sich dem Wettbewerb stellt und der Solidargemeinschaft nicht auf der Tasche liegt, gilt als sozial.

Digitaler Stress macht krank

Durch die verstärkte Nutzung von Handys und sozialen Medien ist die Jugend von heute so erreichbar wie keine Generation davor. Es ist gar nicht so lange her, da haben diese Technologien noch für uns gearbeitet:  Wir konnten Freunde, Familie und Arbeitgeber jederzeit informieren, wenn wir uns verspätet haben und spontan Termine vereinbaren. Jetzt scheint es verstärkt so, als habe die Menschheit durcheinander gebracht, wer hier der Dienstleister ist. Kaum ploppt eine Nachricht am Display auf, unterbrechen viele, was sie gerade tun und greifen nach dem Handy, so Grossegger. Die permanente Erreichbarkeit bleibt jedenfalls nicht ohne Folgen. Die Jugendlichen von heute seien in ständiger Alarmbereitschaft und das produziere Stress. Das ständige Online sein sowie das permanente Checken der sozialen Medien kann starke Unruhe, Panikgefühle und im schlimmsten Fall sogar Depressionen auslösen.


Lernen, Hilfe anzunehmen- Hilfsangebote für junge Menschen in Oberösterreich

Das Bewusstsein für psychische Erkrankungen und Probleme steigt, wichtig ist daher auch das diagnostische und therapeutische Angebot für Jugendliche. Hilfe finden Betroffene unter anderem bei der 24-Stunden Hotline der Krisenhilfe 0043 732 2177 und unter
https://www.pmooe.at/kontakt/

www.krisenhilfeooe.at
 

Pro Mente Austria: https://www.promenteaustria.at/de/home

„Die heutige Jugend ist nicht besser oder schlechter als die Generation zuvor. Sie ist einfach nur anders.“ - Jugendkulturexpertin Beate Großegger.