Proleme mit Handschreiben in der Schule nehmen zu

cc www.pixabay.com/sharpemtbr
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Eine Umfrage unter Lehreren, die vom Deutschen Lehrerverband (DL) in Zusammenarbeit mit dem Schreibmotorik Institut in Heroldsberg durchgeführt wurde, macht deutlich, dass Schüler immer häufiger Probleme mit dem Handschreiben haben.

Wie gravierend sind die Probleme mit dem Handschreiben in der Schule? Und was lässt sich dagegen tun? Diesen Fragen geht jene Untersuchung nach, die zwischen Dezember 2014 und März 2015 Lehrkäften aus deutschen Grundschulen und weiterführenden Schulen online vorgelegt wurde. Mit etwa 2.000 Beteiligten ist es die erste Studie ihrer Art in Deutschland und erstmals lassen sich damit qualifizierte Aussagen zur Entwicklung der Handschrift von Schülern treffen.

Handschrift verschlechtert sich

79% der befragten Lehrkräfte geben an, dass sich die Handschrift der Schüler im Schnitt verschlechtet hat. Sogar 83% der Grundschullehrer meinen, dass sich die Kompetenzen, die Schüler als Voraussetzung für die Entwicklung der Handschrift mitbringen, in den vergangenen Jahren verschlechtert haben. Nach Einschätzung der an der Umfrage beteiligten Lehrpersonen haben die Hälfte der Jungen und ein Drittel der Mädchen Probleme mit der Handschrift.

Grob- und Feinmotorik fördern

DL-Präsident Josef Kraus fordert daher, dass Thema Handschreiben verstärkt in den Blick zu nehmen: "Wir benötigen mehr Förderung der Grob- und Feinmotorik schon in den Kindertagesstätten und dann in den Grundschulen." Auch der Schreibmotorikforscher Dr. Christian Marquardt, erläutert mit Blick auf die eindeutigen Ergebnisse der Umfrage: "Wir sehen vermehrt Probleme bei den motorischen Grundkompetenzen der Kinder. Aber auch Probleme, wenn es später darum geht, schneller und flüssiger zu schreiben. Schreibenlernen ist Bewegungslernen, und hier brauchen viele Kinder mehr Unterstützung." Josef Kraus kritisiert, dass dem Schreiben und der sprachlichen Bildung immer weniger Bedeutung zugemessen wird. Als Beispiele nannte er den reduzierten Grundwortschatz, die Arbeit mit Lückentexten und Multiple-Choice-Tests. Auch aus Lehrersicht ist eine schlechte Feinmotorik die häufigste Ursache für Probleme mit der Handschrift in der Grundschule:

  • Schlechte Feinmotorik (84%)
  • Zu wenig Übung zu Hause (61%)
  • Fortschreitende Digitalisierung der Kommunikation (53%)

In weiterführenden Schulen wurden folgende Ursachen genannt:

  • Wenig Interesse der Schüler an handschriftlichem Schreiben (69%)
  • Fortschreitende Digitalisierung der Kommunikation (69%)
  • Zu wenig Übung zu Hause (65%)

Zusammenhang zwischen Leistung und Güte der Handschrift

Kraus betonte, dass es tendenziell einen Zusammenhang zwischen Lernleistung von Schülern und der Güte ihrer Handschrift gebe. "Wer gut und versiert schreibt, der prägt sich Geschriebenes besser und konzentrierter ein, er ist intensiver bei der Sache, er schreibt bewusster, setzt sich intensiver mit dem Inhalt und dem Gehalt des Geschriebenen auseinander", so Kraus. Auch für Lehrer geht es bei der Handschrift um Bildungschancen; nur 0,7% sehen keinen Zusammenhang wischen Handschrift und den schulischen Leistungen des Schülers.

Probleme werden in weiterführender Schule deutlich

Während in der Grundschule noch 58% der Lehrer mit der Entwicklung der Handschrift "sehr zufrieden", "zufrieden" sind oder sie "befriedigend" nennen, so sind dies in der weiterführenden Schule nur noch 22%. Viele Schüler leiden auch darunter. So beobachtet mehr als die Hälfte der Lehrkräfte, dass höchstens 38% der Schüler 30 Minuten oder länger beschwerdefrei schreiben können.

Es braucht spezielle Gegenmaßnahmen

Als Gegenmaßnahmen fordern jeweils 74% der Grundschullehrkräfte ein "Spezielles motorisches Schreibtraining" sowie "Mehr Zeit zur Förderung im Unterricht". An weiterführenden Schulen sind es 61% bzw. 67%.

Ihre Meinung


Wolfgang
05.04.2015 / 16:44
Das seit vielen Jahren praktizierte Ausfüllen und Kreuzerlmachen vorgefertigter Arbeitsblätter mag ja zum Teil seinen Zweck erfüllen. Lückentexte alleine sind aber zu wenig. Das Schreiben und Lesen von ganzen Sätzen fördert nicht nur das Sinnerfassende, es regt auch die Konzentration, das Denken und die Logik an. Wie sehr diese Fähigkeiten abhanden kommen, merke ich sehr deutlich bei den Neuanfängern in der Unterstufe (9.Schulstufe), die kaum mehr ganze Sätze schreiben können. Die Gegenmaßnahme "Spezielles motorisches Schreibtraining" wäre obsolet, würde man -auch- wieder mit Ansagen und GANZEN Aufsätzen operieren.

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