Safer Internet Day - Interview mit Katharina Maierl

Heuer findet bereits zum 17. Mal der internationale Safer Internet Day unter dem Motto "Together for a better internet" statt. An diesem Tag dreht sich alles um den sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien.

Der jährliche Aktionstag wird von der Europäischen Kommission im Rahmen des Safer Internet-Programms organisiert und über 130 Länder beteiligen sich weltweit daran. Wir haben den Safer Internet Day zum Anlass genommen, um mit Katharina Maierl, MA über ihre Tätigkeit als Saferinternet-Trainerin zu sprechen. Sie erzählt über ihre Erfahrungen und gewährt uns einen Blick in die Zukunft.


Katharina Maierl, MA ist Erziehungswissenschaftlerin, Medienpädagogin und seit 2016 für die EU-Initiative saferinternet.at tätig. Sie ist Lehrende am Masterstudiengang KWM "Medienpädagogik" und wissenschaftliche Projektmitarbeiterin an der Fachhochschule Hagenberg. Beim Forschungsprojekt "Chancengleichheit für die digitale Zukunft" setzt sie sich mit Medienkompetenz von sozial benachteiligten Jugendlichen auseinander. Zudem ist Frau Maierl Sexualpädagogin in Ausbildung und macht zukünftig Präventions-Workshops für den Verein PIA.


Sie sind seit einigen Jahren Saferinternet-Trainerin und bieten Workshops für Kinder, Jugendliche, Eltern, Lehrpersonen, MultiplikatorInnen und SeniorInnen an. Wie laufen die Saferinternet-Workshops ab?

Üblicherweise erhalten wir einen Veranstaltungswunsch über das Anfrageformular von Saferinternet.at und diese Anfrage wird dann an uns TrainerInnen in den jeweiligen Bundesländern weitergeleitet. Ich nehme dann mit dem Auftraggeber meist telefonisch Kontakt auf, um mehr über die Wünsche und Vorstellungen zu erfahren. Wir klären dann, an welche Zielgruppe sich die Veranstaltung richten soll, wie viele teilnehmen werden, die Kosten und welche Themen oder konkrete Vorfälle erarbeitet werden sollen.

Ich erstelle mir dann einen möglichen Ablauf und suche zum Thema passende Übungen. Beim Workshop ist es mir wichtig, dass die TeilnehmerInnen ihre "Geschichten" und Erlebnisse erzählen können. Zum einen bekomme ich einen Überblick, womit sie konfrontiert sind und was sie nutzen und ich kann gezielt darauf eingehen. Zum anderen habe ich den Eindruck, dass vor allem Kinder im Grundschulalter das Bedürfnis haben, über ihre Erfahrungen zu reden. Vermutlich liegt es auch daran, dass sie oftmals mit FreundInnen oder Peers über Medienerfahrungen reden und nun im Workshop die Möglichkeit haben, auch mit Erwachsenen zu reden und Dinge zu erzählen, die sie ungern ihren Eltern sagen würden.

Am Ende des Workshops erhalten die TeilnehmerInnen noch Flyer und Informationsmaterial für zu Hause.

Was sind aktuelle Herausforderungen, mit denen Kinder und Jugendliche bei der Mediennutzung konfrontiert sind?

Die Herausforderungen sind vielfältig. Kinder beschäftigt häufig der Umgang mit sozialen Netzwerken. Wir klären z.B. Fragen zu den Privatsphäre-Einstellungen, das Recht am eigenen Bild und sichere Passwörter. Gruselige Kettenbriefe und Videos sind auch oft Thema und was sie tun können, damit sie sich nicht mehr fürchten. Wir sprechen auch häufig über digitale Spiele wie Fortnite und Minecraft und welche persönlichen Daten ohne Bedenken preisgegeben werden können.

Für Jugendliche ist oftmals das Rechtliche interessant: z.B. bei problematischen Inhalten, Sexualität und Medien, ab wann z.B. Sexting erlaubt ist, Cybergrooming, Pornografie. Immer wieder Thema sind auch Klassen-WhatsApp-Gruppen und das gemeinsame Erarbeiten von Gruppenregeln, sowie Selbstdarstellung im Netz, Privatsphäre-Einstellungen, Zeitmanagement und Online-Shopping.

Welche Tipps können Eltern/Lehrkräften Kindern und Jugendlichen geben?

  • Persönliches geheim halten (Überprüfe deine Datenschutzeinstellungen!) - Hier geht es zu den Privatsphäre-Leitfäden
  • Überlege gut, was du online stellst und wem du was schickst
  • Auf Urheberrecht und Recht am eigenen Bild achten
  • Das Internet vergisst nie (Fotos/Videos können in anderen Kontexten wieder auftauchen)
  • Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu (das gilt auch für die Online-Welt)
  • Gegen Cybermobbing aktiv werden (digitale Zivilcourage: melden, dagegenreden…)
  • Nicht alles im Internet ist wahr! (Quellenkritik, Recherche)
  • Umsonst gibt’s nichts! (Daten sind das neue "Geld")
  • Soziale Netzwerke werden auch von potenziellen ArbeitgeberInnen genutzt (sich regelmäßig "googeln" ist daher sinnvoll)
  • Digitale Geräte schützen (sichere Passwörter und Virenschutz, Vorsicht vor Spam, Belästigung, Betrug)
  • Apps sicher nutzen
  • Vorsicht bei Sexting (Gesetz beachten)


Link-Tipps von Katharina Maierl


Thema des Safer Internet Days ist "Together for a better internet!". Was trägt zu einer besseren/sicheren Internetnutzung bei?

Ich sehe die Empathiebildung als sehr wesentlich an - nicht nur in der Offline- auch in der Online-Welt. Es braucht digitale Zivilcourage, also den Mut, aktiv gegen Hass im Netz und Cybermobbing vorzugehen. Für Medienkompetenz bedarf es auch sozialer Kompetenz und Reflexion.

Wichtig ist meiner Meinung nach auch, über alternative Angebote nachzudenken. Angebote, die unsere Privatsphäre respektieren, denn diese wird in Zukunft immer wichtiger. Man kann zum Beispiel von WhatsApp auf Signal, Telegram oder Viber wechseln, statt Google Maps auch einmal Magic Earth probieren oder von Google Chrome auf Brave umsteigen.

Ich weise immer wieder darauf hin, dass Medien an sich neutral sind, es liegt an uns, was wir daraus machen, welche Medien wir nutzen und wie wir sie nutzen. Die Haltung gegenüber Medien hat einen großen Einfluss auf die Aneignung der Medienkompetenz. 

Welche Themen gewinnen in Zukunft, Ihrer Meinung nach, an Bedeutung?

Spontan fallen mir vier Themen ein, die uns noch intensiver beschäftigen werden: "Klimaschutz und Medien", "Digital Detox", "Influencer-Marketing" und "Sexualität und Medien".

Die eigene Mediennutzung hinsichtlich Klimaschutz zu hinterfragen, steht zwar noch in den Anfängen, wird aber bereits gemacht. Streaming verursacht auch CO2-Ausstoß und eine klimaschonende Mediennutzung wird uns sicher noch beschäftigen. Generell werden wir uns in Zukunft immer mehr mit dem Ausmaß der Nutzung und auch mit bewusster medienfreier Zeit auseinandersetzen müssen (zwei Tipps: am Smartphone Benachrichtigungen im Banner ausstellen und im Schlafzimmer keine digitalen Medien). Ähnlich ist es mit YouTuber & Co. Die Influencer-Szene und das Körperbild, das in Medien vermittelt wird, üben einen großen Einfluss auf Kinder und Jugendliche aus. Mit diesem Phänomen müssen wir uns auseinandersetzen. Auch für "Sexualität und Medien" braucht es "gute" Aufklärungsseiten, Informationen zu Pornografie, Cybergrooming und "Safer" Sexting.

Wenn Sie nicht gerade einen Saferinternet-Workshop vorbereiten, mit welchen Themen würden Sie sich gerne intensiver beschäftigen?

In Zukunft möchte ich mich mehr mit "Menschenrechte und Digitalisierung" auseinandersetzen. Vor allem Hass im Netz und Fake News zwingen uns dazu. Heranwachsende stoßen immer wieder auf ungefilterte Informationen und menschenrechtsverletzende Inhalte. Vor ein paar Jahren habe ich bereits einen Workshop zum Thema "Human Rights 2.0" angeboten und durchgeführt.
Aber auch Sexualität, Körperbild, Selbstdarstellung in Zusammenhang mit Medien werden mögliche zukünftige Themenschwerpunkte.



Buch-Tipps von Katharina Maierl

  • Übermacht im Netz
    Warum wir für ein gerechtes Internet kämpfen müssen
    Autorin: Ingrid Brodnig
  • Informiert euch!:
    Wie du auf dem Laufenden bleibst, ohne manipuliert zu werden
    AutorIn: Nina Horaczek und Sebastian Wiese

    Interesse an Saferinternet-Workshops?

    Medienpädagogische Workshops können über Saferinternet.at in ganz Österreich gebucht werden.


    Wir sagen Katharina Maierl ein herzliches DANKE für das Interview. Danke für den Einblick in die Arbeit als Saferinternet-Trainerin!

    Wer einen Workshop mit Frau Maierl als Trainerin buchen möchte, kann direkt unter saferinternet.maierl@gmail.com anfragen (speziell für OÖ). 


     

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