Social Bots - Meinungsroboter im Vormarsch

(c) Thinkstock/iStock/wutwhanfoto
(c) Thinkstock/iStock/wutwhanfoto

Sie liken, twittern, texten und kommentieren in sozialen Medien. Sie geben sich als Menschen aus, sind aber Softwareroboter, die automatisch aktiv sind.

Sie können sogar als Chatbots fungieren und mit BenutzerInnen in Echtzeit kommunizieren. Es klingt wie ein Zukunftsszenario, ist aber schon längst Realität. Sogenannte "Social Bots" sind Softwareroboter, die mit Fake Accounts und real wirkenden Profilen vorzugsweise in sozialen Medien interagieren. Die über Social Bots verbreiteten Nachrichten wirken täuschend echt. Ein einzelner Social Bot kann in sozialen Netzwerken im Prinzip Tag und Nacht tausendfach auf andere Beiträge reagieren. Das kann natürlich ein tolles Marketinginstrument sein, wenn es darum geht, mit vielen Nutzern sozialer Netzwerke in kurzer Zeit zu interagieren, Beiträge zu erstellen oder Follower mit Neuigkeiten zu versorgen. 

Durch diese Interaktion entsteht für den Algorithmus eines sozialen Netzwerks der Eindruck, dass ein bestimmtes Thema besonders relevant ist und wird in die Feeds der Nutzer gepusht. Die Nutzer bekommen dann bevorzugt ähnliche Inhalte angezeigt.

Stimmungsmache im Internet

Damit ist auch klar, dass Social Bots als Instrumente zur Meinungsmache und Verzerrung von Debatten eingesetzt werden können.
Menschen mit Social Bots zu täuschen, gelingt mittlerweile immer besser. Die Bots können grammatisch sinnvolle Sätze bilden. Da kann es oft schon ausreichen, den Bot bestimmte Aussagen schreiben zu lassen, zum Beispiel eine Parole. Darauf reagieren dann die Menschen und es ergibt sich möglicherweise sogar eine Diskussion, bei der aber nur eine Maschine der Auslöser war.

Propaganda-Roboter im Wahlkampf

Bedenklich wird es, wenn Social Bots gezielt zur automatischen Propaganda missbraucht werden. In den USA ist das längst passiert, Social Bots wurden sowohl bei Hillary Clinton als auch bei Donald Trump auf Facebook und Twitter zu Hilfe genommen. Nach einer Studie der Universität Oxford ist jeder dritte Follower der beiden Politiker in Wahrheit kein echter Mensch sondern eine Maschine.

Gefährlich dabei ist, dass sich durch das Verfälschen oder Verstärken von Meinungen viele Menschen indirekt beeinflussen lassen. Man schließt sich eben oft der Meinung an, die tendenziell die meiste Zustimmung erhält. In Österreich ist es aus gutem Grund verboten, am Tag der Nationalratswahl schon vor Schließung der Wahllokale irgendwelche Wahlprognosen oder erste Auszählungen zu publizieren. Es könnten damit die Wahlergebnisse beeinflusst werden. Im Falle von Social Bots würde man das aber gar nicht erkennen, weil es nicht die Meinung von echten Menschen spiegelt.

Das Programmieren von Bots ist einfach

Einen Bot zu programmieren ist im Grunde nicht schwer, die Herausforderung dabei ist aber, den Bot glaubhaft zu implementieren. Eben so, dass es den Eindruck macht, es handle sich um einen echten Menschen, der reale Interessen verfolgt. Es gibt mittlerweile schon zahlreiche Tutorials im Internet, die auch für Laien das Programmieren von Bots vereinfachen sollen. Die BotsHackathon Vienna 2016 widmete sich dem Thema Bot-Entwicklung in Österreich. Bei der Veranstaltung konnten Bots gemeinsam mit Experten erstellt werden - explizit auch für Laien.
Eine österreichische Umsetzung eines Social Bots wäre zum Beispiel "Record Bird". Die Software liest auf Facebook oder Spotify die gelikten Musikkünstler aus und informiert den User dann über Neuveröffentlichungen dieser Künstler. Durch simple Fragen an den Bot wie z.B. "What´s new in hip hop this week" oder "Anything new by U2?" erhält man dann gezielte Antworten (zum Beispiel im Facebook Messenger). Es entsteht dabei tatsächlich der Eindruck, mit einem Menschen zu chatten. Bei Record Bird stellt sich der "Bot" aber anfangs vor und so wird von Beginn an klar gestellt, dass man mit einem Roboter interagiert.

Wie erkennt man Social Bots?

Social Bots zu entlarven, ist sehr schwer, da sie immer komplexer programmiert werden. Wer hinter den Bots steckt und sie steuert, ist oft auch nur schwer nachvollziehbar. Es gibt jedoch einige Dinge, auf die Sie achten können, wenn Sie sich unsicher sind, ob Sie es mit einem Roboter im Internet zu tun haben:

  • Achten Sie auf die Profilbeschreibung (steht keine Information dabei oder sind die Angaben Nonsens?)
  • Der Account schreibt in sehr kurzer Zeit sehr viele Nachrichten
  • Es werden ständig dieselben und zeitgleich mehrere Kommentare/Beiträge gepostet
  • Achten Sie auf die Reaktion des Accounts auf Kontextfragen (im Dialog lassen sich Bots noch am wahrscheinlichsten enttarnen)
  • Verwenden Sie Online-Tools wie "Bot or Not?", hier kann die Wahrscheinlichkeit abgerufen werden, ob es sich bei einem Twitter-Profil um ein Programm oder eine echte Person handelt.

Social Bots in Zukunft

Künstliche Intelligenzen und Computeralgorithmen sind Teil der Gesellschaft und werden im digitalen Zeitalter nicht mehr verschwinden. Während die Programmierung dieser Roboter immer komplexer und intelligenter wird, werden aber auch entsprechende Erkennungstools optimiert und besser.

Daher gilt: Ein kritischer Umgang und eine gewisse Grundskepsis gegenüber jeder Information im Internet ist wichtig! Die Verantwortung liegt bei jedem/jeder einzelnen Nutzer/in!

Weiterführende Links:
www.saferinternet.at (Social Bots - Wenn der Computer eine Meinung hat)
www.werdedigital.at (Dossier Social Bots)