Start für Ethikunterricht ab dem Schuljahr 2020/21

(c) Jacob Wackerhausen/E+/Getty Images Plus
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Seit gestern ist es beschlossen: Mit dem Schuljahr 2020/21 wird Ethikunterricht, der bisher nur als Schulversuch lief, an AHS-Oberstufen und Polytechnischen Schulen zum regulären Unterrichtsfach.

Der Ethikunterricht soll jedoch nur für jene SchülerInnen verpflichtend sein, die keinen Religionsunterricht besuchen (weil sie keiner Konfession angehören oder sich vom Religionsunterricht abgemeldet haben). Am Dienstag präsentierte die Bundesregierung die Details.

Ethikunterricht wird derzeit an 211 AHS und BMHS als Schulversuch angeboten. Bildungsminister Heinz Faßmann will den neuen Ethikunterricht nicht als "Strafunterricht" für jene verstehen, die bisher statt Religion eine Freistunde hatten. Es sei wichtig, ein "gemeinsames ethisches Verständnis zu fördern, sozusagen Sport und Bewegung für den Geist", so Faßmann.

Auf längere Sicht soll ein eigenes Lehramtsstudium für Ethik an den Universitäten etabliert und der Ethikunterricht auf alle Schulstufen ausgedehnt werden.

Fortbildung der Lehrkräfte

Um den Ethikunterricht flächendecken ausrollen zu können, braucht es an der Oberstufe 1.300 LehrerInnen, die für das neue Fach qualifiziert werden. Diese Fortbildung können ReligionslehrerInnen aber auch PädagogInnen anderer Fächer machen. Sie soll im Umfang von 30 ECTS (ein Semester) an den Pädagogischen Hochschulen starten, weitere 30 ECTS sind berufbegleitend geplant.

Inhalte des Ethikunterrichts

Inhaltlich fokussiert der neue Ethikunterricht auf den respektvollen und toleranten Umgang sowie gewaltfreie Konfliktlösung, das Verhältnis der SchülerInnen zur Welt (Gerechtigkeit, Bedeutung von Technologien, Nachhaltigkeit,...), einen Überblick über das Trennende und Verbindende der Weltreligionen sowie philosophische Strömungen und Menschenbilder.

Meinungen

Die SPÖ, die Liste JETZT (früher Liste Pilz) und die Industriellenvereinigung (IV) fordern eine Ausweitung des Ethikunterrichts auf alle SchülerInnen. Es bestünde Gefahr, dass ein Parallelprogramm mit Religionsunterricht für die einen und Ethikunterricht für die anderen entstehe, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid fordert eine Einführung des Ethikunterrichts bereits ab zehn Jahren für alle, damit sich auch Lehrlinge mit ethischen Fragen auseinandersetzen können. Die Plattform "ethikfueralle.at"  von der "Initiative Religion ist Privatsache" macht sich für einen Ethikunterricht ab der ersten Schulstufe stark. Fritz Enzenhofer, Obmann der Christlichen Lehrerschaft Österreich (CLÖ), begrüßt die geplante Einführung, denn "alle Schüler ab einem gewissen Alter sollten sich mit ethischen, moralischen und Wertefragen auseinandersetzen. Im Religionsunterricht erfolgt diese Wertevermittlung schon jetzt und "künftig könne man sich auch durch Abmeldung nicht mehr davon dispensieren lassen".

Ethikunterricht in Europa

Der Ethikunterricht ist an Europas Schulen ganz unterschiedlich organisiert. Laut Heinz Ivkovits (KPH Wien/Krems) gibt es drei Grundmodelle: Die SchülerInnen erhalten Ethikunterricht, wenn sie das Fach Religion nicht besuchen, die SchülerInnen besuchen Ethik als Pflichtfach (so ist es z.B. in Schweden und Norwegen) oder die SchülerInnen müssen sich zwischen Religion und Ethik entscheiden (z.B. in Belgien, Portugal, Finnland). Das Thema ist laut Ivkovits sehr komplex und wird auch lokal höchst unterschiedlich geregelt.

Quelle: APA Bildung