Traumberuf YouTuber ausgeträumt?

© Zinkevych/iStock/Getty Images Plus
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Viele Kinder und Jugendliche träumen davon, als YouTube-Star berühmt, erfolgreich und reich zu werden. Ihre Vorbilder PewDiePie, Gronkh, Dagi Bee & Co. zeigen es vor - scheinbar mühelos posieren sie vor der Kamera.

Sie erzählen über ihr Leben bzw. ihr Hobby, machen Witze, spielen Games oder geben die neuesten Beauty-Trends preis. Unternehmen scheinen gerne bereit zu sein, diese YouTuber mit den neuesten Produkten zu versorgen, zudem kann über die Abonnenten-Zahl im YouTube-Kanal noch Geld mittels Werbeanzeigen verdient werden.

Ständiger Druck, Neues und Kreatives zu erzählen...

Das, was so leicht und erstrebenswert aussieht, hat schon so manche Videoproduzenten körperlich und seelisch an seine Grenzen gebracht. Immer mehr YouTuber klagen über Stress und Burn-out sowie auch Depressionen. Warum das so ist? Videoplattformen sind schnelllebig – wenn man nicht regelmäßig neue Videos postet, gerät man schnell in Vergessenheit oder die Abonnenten wandern zu anderen Kanälen ab.

Der ständige Druck, Neues und Kreatives zu publizieren, trägt dazu bei, dass sich viele gestresst fühlen. Chronische Müdigkeit, das Gefühl unglücklich zu sein und keine Energie mehr zu haben, sind typische Anzeichen von Burn-out.

Keine AnhängerInnen verlieren, Videos in der Suchmaschine nach vorne bringen...

So berichtet der amerikanische Influencer Bobby Burns in einem YouTube-Video über seinen Zusammenbruch. Er war aufgrund des hohen Veröffentlichungsdrucks mit den von ihm erstellten Filmen nicht mehr zufrieden, weil sie nicht mehr viel mit ihm zu tun hatten. Sein Leben habe sich nur noch um YouTube gedreht, über einen Zeitraum von 1,5 Jahren konnte er keine Pause machen, um seine AnhängerInnen nicht zu verlieren. Daraus entwickelten sich Depressionen und Panikattacken.

Ein anderer YouTuber – Matt Lees vom YouTube Channel Cool Ghosts – berichtete sogar über Tage, an denen er 20 Stunden damit beschäftigt war, seine Videos in der Suchmaschine YouTube nach vorne zu bringen und seine Fans an der Stange zu halten.

YouTubes Algorithmus bevorzugt Kanäle, wo regelmäßig neue Videos upgeloadet werden, was dazu führt, dass es weniger um Qualität als um die Menge an Filmen geht. Ninja, ein erfolgreicher Twitch-Streamer, veröffentlichte in einem Tweet, dass er ungefähr 40.000 AbonnentInnen verlor, weil er 48 Stunden lang nichts online gestellt hatte.

"YouTuber" sein hat etwas von seinem Glanz verloren

(c) fizkes/iStock/Getty Images Plus

Neben den hohen Erwartungen des Publikums geben viele YouTuberInnen auch der Plattform selbst die Schuld, da die Regeln verschärft wurden und für Werbung weniger an die Influencer ausbezahlt wird. Einige YouTuberInnen berichteten, dass sie dadurch um mehr als ein Drittel weniger an Werbeeinnehmen hatten. Zudem sind sie weniger auf der Startseite von YouTube zu finden – eine weitere Einschränkung, vor allem, wenn es um das Gewinnen neuer AbonnentInnen geht.

Erfolgreiche Video-ProduzentInnen verbringen viel Zeit damit, ihre Postings genau zu planen und sogar eine Art Drehbuch dafür zu schreiben. Zudem müssen Requisiten und Produkte für das Shooting besorgt werden. Nach dem Filmen wird noch Zeit benötigt, um die Videos nachzubearbeiten und zu schneiden. Ist man bekannter, kommt auch noch der Kontakt mit den Fans über diverse soziale Medien, mit der Presse und mit Sponsoren dazu. Zu all diesem Druck kommen dann noch die Hasspostings, mit denen sich YouTuber häufig auseinandersetzen müssen. Seit viele YouTube Stars offen über ihr Burn-out sprechen, hat dieser Traumberuf auf jeden Fall etwas von seinem Glanz verloren.

Arbeitsanregungen und Quiz

Folgende Arbeitsanregungen für die Sekundarstufe I und II enthalten konkrete Arbeitsaufgaben, wie das Thema im Unterricht angegangen werden könnte:

Zum Quiz

Hier erhalten Sie dazupassende playmit Quizfragen zum Überprüfen des Wissens:
Ein Beispiel einer playmit Quiz-Frage zum Thema "Traumberuf YouTuber":

Wofür ist der österreichische YouTuber Michael Buchinger bekannt?

  • Besprechungen von aktuellen Games und Filmen
  • waghalsige Stunts und Experimente
  • Alltagsgeschichten und Ranglisten von Dingen, die ihn nerven

 

Gastbeitrag von Dr. Sonja Gabriel, Hochschulprofessorin für Medienpädagogik und Mediendidaktik an der KPH Wien/Krems, arbeitet in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von PädagogInnen sowie in der Forschung rund um digitale Medien zum Lehren und Lernen.


Jeden 1. Mittwoch: Digitalisierung in der Praxis

schule.at und Playmit präsentieren jeden 1. Mittwoch im Monat einen Beitrag zu Praxisbeispielen aus dem Alltag mit Arbeitsanregungen für die Sekundarstufe I und II.

Weitere Unterstützung bei der Umsetzung der verbindlichen Übung Digitale Grundbildung bieten die Playmit Lehrbücher für SchülerInnen sowie das Lehrerheft.


 

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