Fachliches Lernen geht in allen Gegenständen nicht ohne Sprache

(c) Thinkstock/iStock/Palto
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Wenn SchülerInnen im Unterricht sprachliche Probleme haben, wirken sich diese nicht nur auf ihre Leistungen im Deutschunterricht aus, sondern auch auf ihren Erfolg in anderen Fächern, ungeachtet dessen, ob Deutsch ihre Erst- oder Zweitsprache ist.

SchülerInnen müssen sich fachgerecht ausdrücken können, wenn sie z. B. ein Fachreferat halten, eine Rechenoperation erklären oder ein Versuchsprotokoll schreiben sollen.

Aufgabe aller PädagogInnen ist es, bildungssprachliche Kompetenzen in allen Gegenständen schrittweise aufzubauen, damit SchülerInnen zwischen Alltags- und Bildungssprache unterscheiden und sich schriftsprachlich gut auszudrücken lernen.

Die Ursachen für sprachliche Schwierigkeiten sind mehrdimensional (spracharmes Umfeld zuhause, fehlende Lesekompetenz, fehlende schriftsprachliche Kompetenzen in der Erstsprache, zu wenig Schreibaufträge und sprachaktivierende Methoden im Fachunterricht, …).

Um Sprache im Dienste des Faches zu fördern, ist es notwendig, die sprachlichen Schwierigkeiten der SchülerInnen zu erkennen und zu bearbeiten - für Nicht-SprachlehrerInnen eine Herausforderung. Helfen kann in diesem Fall, sich bei Deutsch- und DaZ-KollegInnen Rat zu holen und sich im Schulteam auszutauschen.

Besonders in naturwissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Gegenständen ist die Aneignung von Bildungssprache nicht immer einfach; es liegt an den Merkmalen der deutschen Bildungssprache.

E-Lecture "Sprachsensibler Unterricht: Bessere Leistung - mehr Chancen"

Was unter sprachsensiblem Unterricht und mit dem Begriff „Bildungssprache“ gemeint ist, führt Carla Carnevale in der e-lecture „Sprachsensibler Unterricht: Bessere Leistung – mehr Chancen“ näher aus.

Wenn SchülerInnen in die Lage gebracht werden, sich sowohl inhaltlich als auch sprachlich in den Gegenständen weiterzuentwickeln, haben sie gute Chancen für ihr späteres berufliches Weiterkommen. Was sie dazu brauchen, sind sprachbewusste PädagogInnen in einer sprachsensiblen Schule, in der sprachliche Bildung zu einem durchgängigen Unterrichtsprinzip und zum Credo aller wird.

Klein beginnen -  Mögliche Schwerpunkte einer Schule

  • Durchgängiges sprachsensibles Verhalten: Alle PädagogInnen sehen sich als Sprachvorbilder und achten im Unterricht bewusst auf ihr sprachliches Verhalten (Klarheit, Transparenz, Standardsprache, reiches Sprachinput, Handlungen sprachlich begleiten, Unterschiede zwischen Bildungssprache und Alltagssprache explizit mit den SchülerInnen besprechen …).
  • Aufgabenstellungen, Arbeitsblätter und Schulbücher werden durchgesehen und ggf. mit sprachsensiblen Methoden und Scaffolds (Lernhilfen, z. B. Worterklärungen, klare Aufgaben-stellungen mit Operatoren am Anfang) ergänzt.
  • Schriftliche Aufgaben werden auch in stark mündlich geprägten Fächern erteilt.
  • Projekte zur Förderung des Leseverstehens oder der Schreibkompetenz werden auf andere Fächer ausgeweitet > Lesen (oder Schreiben) im Fach.
  • Methoden zur Wortschatzarbeit werden eingesetzt.
  • In Klassen mit hoher sprachlicher Heterogenität wird der Fachunterricht mit dem DaZ- und Deutschunterricht sowie ggf. mit dem muttersprachlichen Unterricht abgestimmt.

Die Germanistin Carla Carnevale leitet am Österreichischen Sprachen-Kompetenz-Zentrum (ÖSZ) im Auftrag des Bildungsministeriums Entwicklungsprojekte zum „Sprachsensiblen Unterricht“, in denen Praxismaterialien und Fortbildungskonzepte entstanden und entstehen, die den Aufbau bildungssprachlicher Kompetenzen in der Unterrichtssprache Deutsch in allen Gegenständen von der Volksschule bis zur Reifeprüfung zum Thema haben.

www.sprachsensiblerunterricht.at