Frauenspuren an der Technischen Universität

An der Technischen Universität Wien mussten sich Frauen Stück für Stück ihren Platz erkämpfen, wie ein Blick in die Geschichte auf Frauenspuren zeigt.

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908 gab es die erste Gasthörerin an der Technischen Universität (TU) Wien und setzte damit die erste von vielen "Frauenspuren" in diesem männlich dominierten Feld. Die TU Wien, an deren Spitze mit Sabine Seidler seit vergangenem Herbst erstmals seit der Gründung 1815 eine Frau steht, hat anlässlich des Frauentags (8. März) eine neue Internetseite präsentiert, auf der man den "Frauenspuren" an der TU Wien aus mehr als 90 Jahren nachspüren kann. Seit damals ist der Frauenanteil von 0,4 auf 25 Prozent gestiegen.

An der Technischen Universität Wien mussten sich Frauen Stück für Stück ihren Platz erkämpfen, wie ein Blick in die Geschichte auf www.frauenspuren.at zeigt: Zwar gab es dort bereits 1918 vereinzelt Assistentinnen, obwohl Frauen in Österreich erst 1919 ein reguläres Technik-Studium beginnen durften - freilich unter der Voraussetzung, dass sich dadurch kein Platzmangel und damit eine "Schädigung und Beeinträchtigung" der männlichen Studenten ergab. Diese Assistentinnen wurden allerdings oft nur eingestellt, weil es keine geeigneten männlichen Bewerber gab und nur sehr wenige konnten dauerhaft bleiben.

Erste Habilitation 1940

Die erste Habilitation einer Frau erfolgte an der TU Wien 1940, die erste Ernennung einer Frau zur a.o. Professorin 1974, die erste ordentliche Professorin wurde überhaupt erst 1996 berufen. Der Frauenanteil blieb - mit Ausnahme der Kriegsjahre 1943-1945 - bis in die 1970er Jahre unter zehn Prozent, wobei die meisten an den Fakultäten für Architektur und für Technische Chemie zu finden waren und ihr Anteil in den eigentlichen ingenieurwissenschaftlichen Fächern verschwindend gering blieb.

"Dennoch: Viele von ihnen haben ihr Studium erfolgreich abgeschlossen und respektable Karrieren im Berufsleben erreicht", heißt es auf der Homepage. Dort kommt in einem historischen Interview etwa die Biochemikerin Margarete Janke-Garzuly zu Wort, die 1923 als erste Frau an der TU Wien den Doktortitel erhielt und sich 1940 - ebenfalls als erste Frau - dort habilitierte.

Vielfalt aufzeigen

Unter dem Titel "Frauenspuren heute" werden alle Professorinnen und Nachwuchsforscherinnen der TU Wien vor den Vorhang gebeten, auf der Seite gibt es außerdem Video-Interviews und eine Liste jener Frauen, die an der TU Wien am "Mentorinnen"-Projekt mitgewirkt haben. Ziel der Seite sei es, die Vielfalt technischer Berufe und Forschungsfelder aufzuzeigen, heißt es in den Presseunterlagen zur Präsentation der Seite.

"Das Zeigen von Rollenbildern ist enorm wichtig, um Frauen zu zeigen, dass es sich lohnt, die Herausforderung eines technischen Studiums oder Berufs anzunehmen", wird Rektorin Seidler zitiert, und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (S) versteht die Seite als "ganz klare Botschaft an Mädchen und junge Frauen": "Jedes Fach steht auch offen, ihr könnt überall Erfolg haben".

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Deutsch
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Veröffentlicht am
02.04.2012
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https://www.schule.at/portale/gender-und-bildung/detail/frauenspuren.html?parentuid=110196&cHash=f5e349148b2270b9c897c7aaa1b45d4e
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