Eine kurze Geschichte der Bubenarbeit

Vor knapp 40 Jahren, als die Ideen der 68er-Bewegung in die europäischen Wohnzimmer eindrangen, war die feministische Bewegung schon sehr stark. Sie entwarf Konzepte für emanzipatorische Mädchenarbeit und formulierte als Kritik am Patriarchat auch die Forderung nach reflektierter Bubenarbeit.

Nach einiger Zeit begannen einige Männer aus zumeist religiösem Umfeld sich der Geschlechterthematik anzunehmen. Im angloamerikanischen Raum übten kritische Männerforscher Herrschaftskritik an der männlichen Hegemonie. Allmählich verbreitete sich der Ansatz der Männeremanzipation, der aber im Vergleich zum Feminismus noch in den Kinderschuhen steckt. Nichtsdestotrotz bilden sich (mit viel weiblicher Unterstützung) immer mehr Gruppen, die sich mit Bubenförderung beschäftigen.

 

Der Lehrer und Bubenarbeiter Martin Henschl fasste 2002 in einem Arbeitspapier für das Projekt PAIS einige Strömungen zusammen:

 

Der antisexistische Ansatz (Heimvolkshochschule Alte Molkerei Frille, D):

Theorie: Das Selbstverständnis der eigenen Jungenarbeit ist eingebunden in den Zusammenhang gesellschaftlich wirksamer Macht- und Herrschaftsverhältnisse zwischen den Geschlechtern. Jungen sind Akteure und Betroffene des Geschlechterverhältnisses. Jungen haben Probleme, und ihr größtes ist, dass sie keine Probleme haben (dürfen). Grundlegend ist die Entwicklung eines Selbstbewusstseins, das nicht mehr auf die Unterdrückung anderer basiert.

Methode: Kognitive mit (Erlebnis) Ereigniselementen (z.B. Körperarbeit) kombiniert.

 

Der emanzipatorische Ansatz (Michael Schenk, Sozialpädagoge, D):

Theorie: Jungen und Männer sind Opfer einer männerorientierten Gesellschaft. Privilegien gibt es nur scheinbar, die männliche "Täterschaft" ist Teil der gesellschaftlichen Rollenfixierung, für die der einzelne Junge/Mann keine Schuld trägt. Es gibt keine Konfrontation mit sexistischem Verhalten. Körperlosigkeit ist das Kernproblem männlicher Zurichtung.

Methode: Körperarbeit

 

Der identitätsorientierte Ansatz (Reinhard Winter, D):

Theorie: Dieser Ansatz ist ein Mittelweg zwischen antisexistischem und emanzipatorischem Ansatz, dessen zentrales Ziel es ist, den Jungen (mehr) Selbstbezug zu vermitteln. Es geht um ganzheitliches Ausleben seiner Persönlichkeit. Den Jungen fehlt die stabile Identität. Sie definieren sich negativ über die Abrenzung zur Frau als Nicht-Nicht-Mann. Das Mann-Sein ist individuell zu bewältigen.

Methoden: Selbstthematisierung (z.B. biografischer Zugang); Einzelarbeit

 

Bubenarbeit, Burschenarbeit, Jungenarbeit, Knabenarbeit?

Etymologie der jungen Männlichkeit - Eine Diskussionsanregung

Im deutschsprachigen Raum gibt es viele Bezeichnungen für männliche Kinder. Weibliche Kinder werden schlicht und einfach Mädchen – abstammend vom Wort Magd" - genannt. In Deutschland wird von "Jungenarbeit" gesprochen, der Begriff "Junge" ist in Österreich allerdings nicht sehr gebräuchlich. In der Schweiz und hierzulande wird von Buben- oder Burschenarbeit gesprochen.

Über das Wort "Bub" wird gemunkelt, dass es ursprünglich vom kindlichen Lallwortversuch, das Wort "Bruder" auszusprechen, stammt.

Der "Bursche" war einst ein Bursenbewohner (studentisches Mitglied einer Gemeinschaft, die aus einer Kasse lebte; daher "Börse") und Offiziersdiener und besitzt heute auch die Konnotation mit einem Mitglied einer zumeist historisch vorbelasteten Studentenverbindung ("Burschenschaft").

Der "Bursch" wurde und wird auch als Schimpfwort verwendet.

Der "Knabe" hat seinen Ursprung im ritterbegleitenden "Knappen".

Weibliche Kinder werden bis 17, 18 Jahre als Mädchen bezeichnet, bevor sie als Frau angesprochen werden, während die Buben zu Burschen werden, in weiterer Folge zu jungen Männern. Es mag seltsam erscheinen, sich darüber Gedanken zu machen, aber in den Bezeichnungen liegen oft Wurzeln eines Verständnisses.

 

Im deutschsprachigen Raum gibt es mittlerweile viele Institutionen und Vereine, die sich mit Bubenarbeit a seinandersetzen. In Österreich bemühen sich regional aufgeteilt die Männerberatungsstellen um die Buben. Die Schweiz hat ein gut gefördertes, landesweites Netz zur Bubenarbeit. Vor allem aber in Deutschland hat sich; wie schon einst die Frauenbewegung, durch die Männerbewegung viel ereignet. Auch im staatlichen Bereich gibt es dortzulande viele Initiativen.

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Sprache
Deutsch
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Veröffentlicht am
23.02.2010
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