Afrikabilder

Eine differenzierte Betrachtung in der Schule nutzt allen Beteiligten

© Sigrid Steininger

Zeugnis einer früheren Vorstellung von Afrika ist die plastische Darstellung des Kontinentes in Menschengestalt am Gebäude des Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Naturhistorischen Museums in Wien. Deutlich erkennbar sind die Attribute der ägyptischen Hochkultur. Afrikabilder sind in Österreich jedoch durch eine Geschichte geprägt, die immer wieder mit Rassismus verbunden ist. Ein differenziertes Afrikabild in der Schule zu vermitteln, durch das Stereotype aufgebrochen und hinterfragt werden, stellt daher eine Herausforderung dar. Auch wenn sich das Bild, welches in Österreich von Afrika und Menschen afrikanischer Abstammung besteht, im Laufe des letzten Jahrhunderts bereits zum Positiven verändert hat und teilweise auch ein begrifflicher Wandel vollzogen wurde, so beherrschen dennoch häufig Klischees den Diskurs. Der Vielfalt des afrikanischen Kontinents und seiner Menschen wird nur selten Rechnung getragen.

 

Als Grundlage für Unterdrückung, Bereicherung und Ausbeutung dienten lange Zeit  Vorstellungen europäischer oder „weißer“ zivilisatorischer Überlegenheit. Damit verbunden war das in Europa weit verbreitete Bild der „wilden und rückständigen Schwarzen“. Das Wissen um frühe Hochkulturen und Errungenschaften abseits von Ägypten und Karthago wurde dabei außer Acht gelassen.

Im deutschsprachigen Raum wurde vom NS-Regime, unter Berufung auf eine wissenschaftlich nicht haltbare Rassenlehre, eine bis dahin unbekannte industrielle Mordmaschinerie in Gang gesetzt, die sich bis nach Afrika ausbreitete und der zahlreiche Afrikanerinnen und Afrikaner zum Opfer fielen.

Viele afrikanische Staaten erlangten ab den 1960er Jahren formal ihre Unabhängigkeit. Abhängigkeiten blieben jedoch häufig bestehen und prägen das Verhältnis zu Europa bis heute. Dort setzte eine schrittweise Demokratisierung in vielen Ländern und Gesellschaftsbereichen ein. Gleichheit vor dem Gesetz, unabhängig von Herkunft und Hautfarbe, sowie ein Verbot von Diskriminierungen wurden den Bürgern verfassungsmäßig garantiert. Auch in Afrika gab es zahlreiche Demokratisierungsbewegungen, die mehr oder weniger von Erfolg geprägt waren. In einzelnen Fällen wirkten Interventionen westlicher Akteure dabei mit, undemokratische Strukturen zu erhalten, jedoch wurden auch friedenserhaltende Maßnahmen gesetzt. Österreich leistete seinen ersten UN-Auslandseinsatz 1960 im Kongo. Gegen Ende desselben Jahrzehnts wütete in Nigeria der Biafra-Krieg. Durch das Fernsehen erreichten erschütternde Bilder eine breite Öffentlichkeit in Europa. Lange Zeit warben NGOs vorrangig mit Fotos von armen, verwahrlosten und hungrigen Menschen um Spenden. Die dadurch erzeugten Vorstellungen eines „unterentwickelten Krisenkontinents“ voller Gewalt, Korruption, Krieg und Hunger sind in den Köpfen vieler Menschen haften geblieben. Nicht zuletzt deshalb, weil häufig ein Gegennarrativ fehlt, das auch die Vielfalt, Entwicklung und Schönheit des afrikanischen Kontinents aufzeigt und das Verbindende vor das Trennende stellt.

In vielen Darstellungen wird ein homogenes Bild von Afrika vermittelt; regionale, kulturelle und politische Unterschiede werden kaum betont. Nicht selten wird daher von Afrika gesprochen, als würde es sich dabei um „ein Land“ und nicht den zweitgrößten Kontinent mit mehreren hundert Sprachen und einer mannigfaltigen Geschichte handeln.

In der öffentlichen Wahrnehmung stehen häufig einzelne Bevölkerungsgruppen wie die Massai oder Tuareg im Fokus, deren traditionelle Lebensweise sehr stark vom österreichischen und auch afrikanischen urbanen Alltag abweicht. Durch diese Betonung des Exotischen und Fremden wird der Eindruck erweckt, als gäbe es  keine städtische Mittel- und Oberschicht und als würde die Mehrheit der Afrikaner und Afrikanerinnen ohne technischen Fortschritt leben. Diese Darstellungen erschweren eine Identifikation und verstärken gleichzeitig rassistische Bilder. 

Da Migration und Flucht aus Afrika in Österreich eine vergleichsweise geringe Rolle spielen (im Jahr 2019 lebten rund 55.000 Menschen afrikanischer Herkunft in Österreich), sind die Möglichkeiten durch Begegnung und Austausch Klischees und Vorurteile aufzubrechen, begrenzt. Wenn auch viel in antirassistische Aufklärungsarbeit investiert wurde und mittlerweile viele Menschen sensibilisiert sind, halten sich Vorurteile und Konstrukte weiterhin hartnäckig, häufig wohl auch unbewusst. Um diesen Bildern zu begegnen, sollten bereits Schüler und Schülerinnen zur kritischen Selbstreflexion befähigt werden. Eine der zahlreichen Aufgaben von Schule ist es nämlich, sich bewusst mit den dahinterliegenden Mechanismen zu beschäftigen und Schülerinnen und Schülern ein möglichst differenziertes Bild zu vermitteln.

Unbestritten ist, dass Afrika als heterogener Nachbarkontinent in einer von Globalisierung und steigenden interkontinentalen Verflechtungen geprägten Welt im Rahmen einer zeitgemäßen Bildungslaufbahn mehrfach im Unterricht vorkommen muss. Die Art und Weise, wie dies geschieht, ist hinsichtlich der Wahrnehmung von Menschen mit afrikanischem Migrationshintergrund und damit für ein friedvolles und respektvolles Miteinander von Bedeutung. Die Auseinandersetzung mit afrikanischer Literatur oder Kunst könnte bspw. ein Weg sein, um Afrikaner/innen eine Stimme zu geben und sie als moderne und aktive Menschen zu zeigen, die keineswegs ohnmächtig sind. Neben der bewussten Darstellung von positiven Seiten, sollte auch großer Wert auf die Verwendung von Begrifflichkeiten gelegt werden.

Eine differenzierte Darstellung ist eine grundlegende Voraussetzung dafür, einen Realitätssinn im globalen Kontext zu entwickeln, um darauf aufbauend im eigenen Interesse tragfähige Entscheidungen zu treffen und stereotypenbefreite Haltungen zu entwickeln. Das folgende Dossier soll dazu einige Anregungen bereitstellen.

 

Hintergrundinformationen

Ein umfassender Fundus an relevanten Materialien ist auf der Homepage der Deutschen Bundeszentrale für Politische Bildung (www.bpb.de) zu finden. Über die Suchfunktion können Fakten zu einzelnen Staaten und Regionen Afrikas und Artikel zu Entwicklung, Kolonialismus, Diaspora, Rassismus und dessen Ursachen sowie aktueller Sichtweisen und Deutungen dazu abgerufen werden.

MO, Magazin für Menschenrechte Nr. 57, herausgegeben von SOS Mitmensch widmet ein Heft dem Thema Afrika rising – ein Kontinent im Aufbruch.

In der Mai/Juni-Ausgabe des Südwind-Magazins eröffnet ein Dossier mit dem Titel Ein anderes Afrika denken aktuelle Zugänge zum Thema Afrika.

 

Unterrichtsmaterialien und -ideen

Afrika und Europa – eine wechselvolle und ungleiche Beziehung: Zur Behandlung im Unterricht speziell in der Sekundarstufe I zugeschnittene Ausgabe der Informationen zur Politischen Bildung.

Zentrum Polis stellt im Rahmen der Angebote und Praxismaterialien zum Fernunterricht ein Unterrichtsbeispiel zum Themenkreis Black lives matter/Rassismus/Bürgerrechtsbewegung zur Verfügung und im Rahmen des Projekts Erster Wiener Protestwanderweg ein Kapitel zum Fall Marcus Omofuma.  

Lernen von Afrika: Zeitungsartikel und konkrete Unterrichtsmaterialien zum Thema Afrikabilder des Vereins Baobab in Kooperation mit dem Standard ab der 8. Schulstufe.

Gemeinsam für Afrika: Eine Plattform unterstützt von Internationalen und Deutschen Organisationen mit unterschiedlichen Angeboten.

Mit offenen Karten ist ein geopolitisches Magazin des TV-Senders ARTE. Anhand von Landkarten werden politische, wirtschaftliche, soziale und ökonomische Zusammenhänge erklärt, die Ursache von internationalen Konflikten sein können. Einige der Folgen beschäftigen sich auch mit Afrika als Kontinent, einzelnen afrikanischen Regionen oder Ländern. Aktuelle Ausstrahlungen finden Sie auf der Homepage von ARTE (in mehreren Sprachen), viele ältere, aber dennoch für den Unterricht interessante Folgen sind über Youtube abrufbar.

 

Workshop-Angebote

Südwind hat ein umfassendes Angebot zu den Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen für unterschiedliche Altersgruppen.

Ebenso bietet Jugend eine Welt Workshops zu global relevanten Themen an. 

 

Zugang zur afrikanischen Öffentlichkeit in Österreich

Afrika TV ist eine Sendereihe, die auf dem nicht-kommerziellen von der Stadt Wien geförderten Sender OKTO on demand abrufbar ist und Themen rund um Afrika aufgreift.

Chiala, ein Verein mit Sitz in Graz, der sich auf Kultur-, und Beratungsarbeit mit und für AfrikanerInnen spezialisiert hat, bietet Workshops und andere Formate für Schulen an.

Die Black Community OÖ betreibt in Form eines Vereines ein Informationsportal, welches aktuelle Informationen über Veranstaltungen, kulturelle Angebote, Musik-, Sprachkurse und weitere „Afrikanische Angebote“ in Oberösterreich bereitstellt.

Der Facebook-Auftritt des Magazins Freshzine gewährt Einblicke in den "Black Austrian Lifestyle".