Der Journalisten-Report III

Das Buch liefert auf Grundlage umfassender Erhebungen Aussagen – Teil 1- zu Einstellungen und Selbstverständnis im Politikjournalismus, zu – Teil 2 - Recherchen und Arbeitsweisen und zum – Teil 3 - Verhältnis zwischen Medien und Politik. Im Anhang an diese drei Teile findet sich eine nähere...

Buchtitel: Der Journalisten-Report III. Politikjournalismus in Ă–sterreich
Autorinnen: Kaltenbrunner A, Karmasin M und Kraus D
Verlag: facultas wuv
Erschienen: 2010

...Beschreibung der Studie „Politikjournalismus in Österreich“. Das Vorwort skizziert die Inhalte des Buches. Im Folgenden werden einzelne Schlaglichter auf die Inhalte geworfen. Teil 1 zeigt den Politikjournalismus in Österreich im Spannungsfeld verschiedener Rollenauffassungen, insbesondere die Ambivalenzen zwischen dem Wunsch nach objektiver, neutraler Information, nach Kritik und Kontrolle, nach Vermittlung positiver Ideale und Ideen und nach Orientierung an den Interessen der Adressaten der Berichterstattung. Ein kleiner Beitrag im Anschluss stellt die Frage: „Wo hört Netzwerken auf, wo fängt Verhaberung an?“ Im Kontrast zu diesen persönlichen Beziehungen fragt ein weiterer Beitrag: Wie „europäisch“ sind Österreichs Journalisten und Journalistinnen? Die Antwort: Sie sind es in einem größeren Ausmaß als die ebenfalls befragten Abgeordneten und Arbeiternehmervertretungen. Im Einleitungskapitel von Teil 2 wird darauf hingewiesen, dass der investigative Journalismus erst später kam, am Anfang war der Journalismus geprägt vom Zeil der Weitergabe von Nachrichten. Kommentare gab es nur in Form von Analysen des Zeitgeschehens. Die fundierte Recherche ist aber sicher ein Herzstück des modernen Journalismus, wobei die neue Informationstechnologie das Recherchieren selbst zu neuen Chancen, aber auch Gefahren hinführt. Einerseits stellen die Kosten für die Informationsbeschaffung eine Schwelle dar (worauf der Beitrag „Handwerk zwischen Technik und Kostendruck“ hinweist), andererseits ist die Recherche über Suchdienste wie z.B. Wikipedia nicht vor der Übernahme von Falschmeldungen oder fehlerhaften Informationen gefeit. Dies zeigt der Beitrag „Wikipedia als Wegweiser“ auf eindringliche Weise. Die Ausführungen über die Selbstreferentialität sind eine faszinierende Demonstration des Konstruktivismus: Man erzählt sich gegenseitig die „Wahrheit“- nach kurzer Zeit ist die Verwebung der jeweiligen Nachricht in alle Netze so dicht, dass der Ursprung kaum mehr wahrzunehmen ist. Folge: Man zitiert sich gegenseitig als Verbürgung der Fundiertheit der Information. (Ob dieser Konsens das ist, was Habermas vorschwebte, mag bezweifelt werden). Teil 3 liefert interessante Aussagen zu Leitmotiven, Leitmedien im Politikjournalismus, zur Selbstwahrnehmung der Journalisten, zu Journalismus und Politik in den österreichischen Nationalratswahlkämpfen, wobei dem österreichischen Journalismus ein gewisser Autonomiegewinn zugestanden wird. Zur Ergänzung sei nur auf einige wichtige Aussagen des vorangegangenen zweiten Bandes des Journalistenreports hingewiesen ( Kaltenbrunner A, Karmasin M, Kraus D, Zimmermann A (2008): Der Journalisten-Report II. Österreichs Medienmacher und ihre Motive. Eine repräsentative Befragung. Wien: facultas.wuv.). Schon der erste Beitrag fragt, inwieweit sich der Journalismus mit seinen Entscheidungen gegenüber den Wirkungen des Normenkontexts der Mediensysteme, den Strukturkontexten der Medieninstitutionen, des Funktionskontextes der Medienaussage und des Rollenkontextes der Medienakteure mit seinen Einstellungen und Werthaltungen behaupten kann. Wie sind die verschiedenen Rollenbilder vertreten: der objektive Vermittler, der politische Kritiker, der Ratgeber, der Entertainer? Hier zeigt sich ein nachvollziehbarer Zusammenhang mit der Art des Mediums, mit der jeweiligen Ressortzugehörigkeit. Im Teil 3 geht es um Ethik und Moral. Der Journalismus ist eingebettet in formelle Normen (Regeln). informelle Normen (Sachzwänge) und dazwischen die (Berufs-)Moral (das Gewissen). Diese ist zwar auch aus einer bestimmten Sozialisation erklärbar, aber dennoch ist Moral als individuelle Haltung möglich – nicht nur aus den Realisierungsgegebenheiten ableitbar, sondern auch vom guten Willen des einzelnen. Ethische Regulative oder Statuten sind hier hilfreich. Ein Beispiel für die Konkretisierung ethischer Überlegungen liefert die Frage nach den Recherchemethoden und ihrer ethischen Beurteilung ( Überredung, Zuwendungen, unter falschem Namen recherchieren, mit Zuhilfenahme versteckter Aufzeichnungsgeräte).

Der Journalistenreport liefert ein färbiges Bild und einen faszinierenden Blickwechsel zur Beobachtung der Beobachter! Lesenswert!

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
30.08.2010
Link
https://www.schule.at/portale/psychologie-und-philosophie/news/detail/der-journalisten-report-iii.html
Kostenpflichtig
nein