Geschichten des Lebens neu gestalten

Wir sind alle Erzähler und haben ein Recht darauf!

Denborough D 

Geschichten des Lebens neu gestalten. Grundlagen und Praxis der narrativen Therapie. 

Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 

2017

 

 

 

 

 

 

Zum Inhalt

Der narrative Ansatz (die subjektive  Lebensgeschichte wird als Erzählung betrachtet) hat seine geistigen Wurzeln unter anderem in den lösungsorientierten Kurztherapien und in der  Hypnotherapie mit ihrem subtilen Einsatz von Wort und Rede. Der Autor wählt einen bedeutsamen Rahmen für die Legitimation der narrativen Selbstgestaltung: Es werden sieben Artikeln der narrativen Menschenrechte angeführt, z.B. ist es ein Menschenrecht,  die Erfahrungen und Probleme in eigenen Worten und Begriffen zu beschreiben.

Um einen Ausgangspunkt für die Erneuerung der Selbstbeschreibung zu finden, bringt der Autor  „den Lebensbaum“ als  integrative Darstellung der eigenen Person mit ihren Aspirationen und Beziehungen.  Die Metapher  ist in ihrer schillernden Komplexität erst nach und nach zugängig: Die Wurzeln stellen die kulturellen Kriterien, das Gewordensein vor, aber auch das Lieblingslied, den Lieblingsplatz, die Mitgliedschaft in einer Sportmannschaft oder in einem Verein – mit anderen Worten: alles, was interpretiert werden kann als Antwortbeispiel auf die Frage, woher wir kommen, was wir mitbringen. Der Stamm  umfasst die Fähigkeiten und Begabungen, aber auch Leistungen wie das Saubermachen oder Qualitäten wie Freundlichkeit – mit anderen Worten: unsere vielschichtige Präsenz.  Die Zweige stellen die Horizonte, Wünsche dar; die Blätter sind die Menschen, die uns wichtig sind, man kann allerdings auch Heldenfiguren hinein schreiben, oder Haustiere – es geht also um den zwischenmenschlichen Aspekt. Die Früchte sind das, was uns die vorherige Generationen hinterlässt,  die Blüten und Samen symbolisieren unser Vermächtnis an die nächste Generation.  Man kann nun Verbindungen zwischen den verschiedenen Beschreibungen und Nennungen suchen und herstellen, somit neue Erzählungen gestalten – was den Lebensbaum zu einem fruchtbaren Ansatz macht. (Die Lebensbaum-Metapher sollte am besten individuelle Zuordnungen zulassen). Zur Veranschaulichung  des Erzählvorganges werden Flächen gewählt, die reihenweise  Kreuze aufweisen.  Diese Kreuze stehen für Lebensereignisse. Man kann nun – nach pragmatischen Erwägungen - Kreuze auswählen, zur Markierung  einkreisen und die so hervorgehobenen  Ereignisse miteinander verbinden, sodass eine positive Geschichte erzählt werden kann. Das wichtige Konzept der Externalisierung besagt, dass das Problem nicht der Mensch ist, sondern das Problem  das Problem ist. Die Externalisierung ermöglicht eine Distanzierung und somit leichtere Umgangsweise mit dem Problem. Der Autor versinnbildlicht das durch eine Zeichnung eines Menschen, der einen schwarzen Kreis (das Problem) außerhalb seines Körpers aufweist.

Im ersten Teil des Buches gibt es grundsätzliche Überlegungen wie: Das richtige Publikum finden, es kann auch ein erdachtes sein; Begleiter auf dem Lebensweg finden oder auch  eine Metapher für die Erzählung verwenden, z.B. Teamarbeit, Vereinsmitgliedschaft, Sportmannschaft, das Leben als eine Reise zur Identität..Teil 2 des Buches widmet sich bestimmten Anlässen oder Einsätzen: Die Orientierung an der Normalität hinterfragen,  einen Verstorbenen wieder begrüßen, den letzten Lebensabschnitt gestalten, die eigene Lebensgeschichte in größere Zusammenhänge stellen.

Das Buch ist anregend geschrieben, Fragen wirft bei der Positiv-Betonung  der Umgang mit Leidvollem auf und mit Unbewusstem: In einer der vielen Fallgeschichten  bewirkt die Platzierung negativ erlebter Angehöriger Probleme,  sie werden dann in der Lebensbaum-Zeichnung  einem Komposthaufen zugeordnet. Das sollte nicht uninterpretiert bleiben. Dass besonders wichtige Erzählteile überlagert sein können, wäre ebenfalls zu berücksichtigen. 

Das Buch erweckt und fördert die Erzählfreude in ihren zwischenmenschlichen und heilsamen Effekten!

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
27.09.2017
Link
https://pup.schule.at/portale/psychologie-und-philosophie/news/detail/geschichten-des-lebens-neu-gestalten.html
Kostenpflichtig
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