Kontextoptimierung im Unterricht

WÀhrend die Spracherwerbsstörungen betreffend die Aussprache und im lexikalisch-semantischen Bereich schon relativ bald therapiert werden können, machen sich die grammatischen Schwierigkeiten im Schulalter immer störender bemerkbar. H.-J. Motsch hat das Konzept der "Kotextoptimierung"...

Buchtitel: Kontextoptimierung im Unterricht. Praxisbausteine fĂŒr die Förderung grammatischer FĂ€higkeiten.
Autorinnen: Berg M
Verlag: Reinhardt
Erschienen: 2011

...entwickelt, siehe dazu: Motsch H-J (2010) Kontextoptimierung. Evidenzbasierte Intervention bei grammatischen Störungen in Therapie und Unterricht. 3. ĂŒberarbeitete Auflage. Unter Mitarbeit von Berg M. MĂŒnchen, Basel: E Reinhardt.

Zu diesem Buch gibt es bereits eine Rezension auf www.schule.at. In diesem grundlegenden Werk werden die wichtigsten Erwerbsschritte grammatischer FĂ€higkeiten dargestellt (EinwortĂ€ußerung, ZweiwortĂ€ußerung, MehrwortĂ€ußerung, beginnende Verb- Zweitstellung, Verb- Zweitstellungs- und Subjekt- Verb- Kontroll- Regel und schließlich Kasusmarkierungen und Produktion erster NebensĂ€tze mit Verb- Endstellung) und die sprachlichen ModalitĂ€ten (Rekonstruieren, Dekodieren grammatischer Strukturen, Reflektieren als metalinguistisches Bezugnehmen auf die Sprache) skizziert. Motsch geht auf unterschiedliche Therapiemethoden ein, wobei etwa der entwicklungsproximale Ansatz oder die linguistische Inputtherapie relativ nahe dem Kontextoptimierungsansatz zu sein scheinen, der Autor sein Konzept aber letztlich durch eine individuell abgestimmte, sehr sprachbewusste inputoptimierende Vorgehensweise von den benachbarten Konzepten abhebt. Motsch sieht in der Kontextoptimierung ein Konzept, das drei wesentliche Prinzipien anwendet: die Ursachenorientierung, die Ressourcenorientierung und schließlich den ModalitĂ€tenwechsel, d.h. ein schwingendes Abwechseln rezeptiver, produktiver und reflektierender Phasen).

Margit Berg hat bereits an diesem Grundlagenwerk mitgearbeitet. Zu Beginn stellt die Autorin die Grundlagen dar, den Grammatikerwerb, das Therapiekonzept der Kontextoptimierung (hier schĂ€rft die Autorin das Profil der Kontextoptimierung nochmals durch den Vergleich mit dem Konzept der SatzmusterĂŒbungen, "Pattern Practice", bzw. durch den Vergleich mit dem entwicklungsproximalen Ansatz - Kinder gelangen nicht durch Imitieren, sondern durch Entdeckungen zur Grammatik) und den therapieintegrierenden Unterricht ( ein HerzstĂŒck der Kontextoptimierung ist die Gestaltung des Unterrichts auf eine Weise, die den Grammatikerwerb ergĂ€nzend zu einer spezifischen Therapie fördert. Wie akribisch dabei vorgegangen wird, lĂ€sst sich am Beispiel der "Lehrersprache" demonstrieren (S 43 -45): Förderlich ist es, wenn Lehrer ein reduziertes Sprechtempo einsetzen, sprachbegleitende Gesten verwenden, herausgehoben artikulieren, durch "fraktionierendes Sprechen die einzelnen Wörter in einem Satz segmentieren helfen. Ein anderes Beispiel fĂŒr die OptimierungsbemĂŒhungen stellen auf Seite 59 die Tabelle 1 (Vorbereitung einer Unterrichtseinheit fĂŒr sprachbehinderte Kinder mit Sachanalyse, Bedingungsanalyse, didaktischer Analyse, Lernziele, methodischer Analyse, Strukturskizze) und auf Seite 60f die Tabelle 2 dar (Strukturskizze fĂŒr die Vorbereitung einer Unterrichtseinheit fĂŒr sprachbehinderte Kinder mit den Phasen: Einstieg, Erarbeitung, Festigung, Anwendung, Abschluss; und mit der Aufgliederung der Phasen nach SchĂŒler-Lehrerverhalten, didaktischem Kommentar, sonderpĂ€dagogischen Aspekten und Medieneinsatz). Das HauptstĂŒck (zwei Drittel des Umfangs) besteht aber aus Praxisbausteinen. Hier wird anschaulich gezeigt, wie man motorisch betonte Spiele und Regelspiele, sowie Sprachspiele an verschiedene Zielstrukturen (Akkusativmarkierung, Dativmarkierung, Subjekt-Verb-Kongruenz, Verbzweitstellung im Hauptsatz, komplexe Syntax - KausalsĂ€tze, RelativsĂ€tze, KonditionalsĂ€tze) anpassen kann.

Es wird veranschaulicht, wie man MĂ€rchen- und BilderbĂŒcher, Lieder und Gedichte fĂŒr diese Zielstrukturen formen kann. Schließlich werden acht Unterrichtseinheiten (Obst, Wasser, Vögel im Winter, Mittelalterliche Burg, Jahreskreis und Jahreskalender, Farben, Wald, ZĂ€hne) vorgestellt. Unter www.reinhardt-verlag.de gibt es Kopiervorlagen als Download.

Die Autorin fĂŒhrt im Ausblick des Buches die Ziele der Sprachförderung, abseits vom Kompetenzerwerb an: Wecken und Ausbau der Sprechfreude, bewusster Umgang mit der Sprache, soziale Kompetenzen, die fĂŒr die Kommunikation wesentlich sind.

Das Buch informiert und motiviert! Und beeindruckt durch die Mischung von Detailliertheit und gleichzeitiger Stimulanz!

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
25.10.2011
Link
https://www.schule.at/portale/psychologie-und-philosophie/news/detail/kontextoptimierung-im-unterricht.html
Kostenpflichtig
nein