Moonflower Murders

Autor HOROWITZ, Anthony

Verlag London: Century 2020

Vorwarnung: Zuerst mag man sich wundern: So ein dickes Buch und nur 357 Seiten! Aber dann merkt man, dass da noch ein Buch im Buch steckt (weitere 224 Seiten); dennoch: All das ist schnell gelesen, weil Horowitz einfach ein Meister seines Fachs (seiner Fächer) ist.

Wir begegnen Susan Ryeland, die ihren ersten Auftritt in „The Magpie Murders“ hatte. Sie hat sich vom Verlagswesen verabschiedet und betreibt mit ihrem Freund Andreas ein kleines Hotel (Polydorus) in Agios Nikolaos (wo das schnuckelige Hotel in Echt sein könnte, erschließt sich mir nicht ganz, soweit ich Agios Nikolaos kenne). Dort taucht das vermögende Hotelbesitzer-Ehepaar Treherne auf, das in Suffolk das Moonflower betreibt. Tochter Cecily (verheiratet, ein Kind) ist verschwunden; Tochter Lisa hält wenig von der Idee, Susan zu engagieren, nach Cecily zu suchen; der einzige Hinweis ist, dass Susan den Roman „Atticus Pünd Takes the Case“ verlegt hat: Im Moonflower wurde vor acht Jahren ein gewisser Frank Perris ermordet, ein Rumäne wurde dafür verurteilt. Nun aber behauptet Cecily, nach der Lektüre des Pünd-Romans, den wahren Mörder zu kennen; bald darauf verschwindet sie.

Susan macht die klassischen Interviews des klassischen Krimis und stößt dabei auf Ungereimtheit nach Ungereimtheit. Dann, nach Seite 227, liest sie endlich auch das Buch, das von Alan Conway, einem unsympathischen (und nunmehr toten) Schriftsteller verfasst wurde (im Übrigen: es gibt neun Pünd-Romane). Genau diesen Roman bekommen wir auch serviert; der entpuppt sich als ein Glanzstück des Golden Age of Detective Fiction, in dem sogar noch ein anderer Pünd-Roman nacherzählt wird. Nach Lektüre des Romans wird es für Susan immer gefährlicher, bis es zum Poirot-inspirierten Finale kommt.

Wie gesagt: Horowitz ist ein Meister des Genres, ein Pastiche-Könner der Sonderklasse. Die falschen Spuren, die Gefahr, der Mord im Hotel, die große Auflösung im Agatha Christie Stil, das alles ist ein großartiges Spiel, verfremdet durch eine höchst unterhaltsame Meta-Ebene. Was wir bekommen, sind fast zweieinhalb Romane und damit ein Labyrinth, das sich mit großer Lesefreude durchwandern lässt.

pp. 357 + pp. 224

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
01.10.2020
Link
https://www.schule.at/portale/rezensionen/detail/horowitz-anthony.html
Kostenpflichtig
nein