Make Russia Great Again

Autor BUCKLEY, Christopher

Verlag New York: Simon and Schuster 2020

So geht Politsatire!
Buckley, Autor von “Thank You for Smoking” und zahlreichen anderen unterhaltsamen Romanen (s. Archiv), hat die definitive Satire über die (erste) Trump-Ära geschrieben.

Erzählt wird sie von Herbert K. Nutterman, der im Gefängnis sitzt und der der 7. ‚chief of staff’ in nur vier Jahren war; Herb war vorher zuständig fürs Catering bei Trump, nun aber ist er Trumps ‚favorite Jew‘ und muss sich mit einer doppelten Krise herumschlagen. Zum einen ist Putin als Präsident abgewählt, die Macht soll an den Kommunisten Anatoli Zitkin gehen. Wie Nutterman herausfindet, liegt das an einem amerikanischen Computerprogramm, „Placid Reflux“, das in die russischen Wahlen eingreift, als Vergeltung für den Eingriff der Russen 2016.

Zum anderen droht der Oligarch und Putin-Freund Oleg Pishinsky, der Trump von einem Schönheitswettbewerb aus dem Jahre 2013 kennt, Videos zu veröffentlichen. Trump hat sich mehr als intensiv um jede der 18 Bewerberinnen gekümmert, was ihm aber, als die ersten Videos gezeigt werden, bei seinen Anhängern, vor allem bei den Evangelikalen und den Zuschauern von Fox-News, nicht schadet („Make America Hard Again“).

Von den zahlreichen anderen Charakteren bleibt hervorzuheben: Seamus Colonnity, Chef von Fox News, Trump ergeben bis zum Lächerlichen, Katie Borgia-O’Reilly, die es schafft „going low to new heights“, Vizepräsident Pants und South Carolina Squigg Lee Biskitt (von Trump „Buttplug“ genannt). In einem immer absurder werdenden Reigen von gegenseitigen Beschuldigungen (und einer Einladung an Putin ins Weiße Haus) droht Oleg, der angeblich Novichok (Oil of Oleg) besitzt, Trump in einen Mord hineinzuziehen; als Putin auch den 2. Wahlgang verliert, droht die Krise zu eskalieren, aber letztendlich gelingt es doch, die Kommunisten abzuwehren und es heißt: Make Russia Great Again. Amerika aber darf sich auf eine zweite Amtszeit einstellen…

Okay, kompliziertes Plot beiseite: Was Buckley meisterhaft macht: Trump in den Zeilen leben zu lassen. Man weiß nie, sind die Tweets echt oder gut erfunden (meist gut erfunden), die launische, erratische, kleinkindhafte Figur, die wir erleben, ist der leibhaftige Trump. Wer das Buch liest, würde ihn nicht einmal als Faschingsnarr wählen – aber leider wird seine Anhängerschaft nie und nimmer diesen Roman lesen. Höchstens den Schluss, der sie auf eine Trumpokratie einschwört. Für uns, die Millionen in der Blase, ist es ein wahres Vergnügen. Bald wissen wir, wie es wirklich weitergeht…

pp. 274

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Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
01.09.2020
Link
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