Salmon

Autor KURLANSKY, Mark

Verlag London: Oneworld 2020

Wäre ich nicht “freier Leser in Wien“, würde ich mit Vergnügen ein „food historian“ sein und z.B. ein Buch über den Fisch im Stillleben schreiben. So aber, als freier Leser, begnüge ich mich damit, Bücher über Essen und Nahrungsmittel zu lesen.

Kurlansky hat uns schon mit Werken über den Kabeljau, das Salz, die Milch verwöhnt, nun folgt eines über den auf vielerlei Ebenen wichtigen Lachs, nicht nur als Nahrungsmittel bedeutsam. Es ist nämlich der Lachs, der als bedeutsamer Indikator für die Qualität unseres Ökosystems dient – und da schaut es traurig aus.

Kurlansky betont, dass sein Buch nicht die Überfischung zum Thema hat, sondern das komplexe Gesamtgefüge, das dafür sorgt, dass zahlreiche Lachsarten vom Verschwinden bedroht sind bzw. vom Rückgang des ungeheuren Lachsreichtums vor der Industrialisierung. Natürlich hat hemmungsloses Fischen (und Wildern, v.a. in Russland) die Bestände dezimiert, aber auch die Holzindustrie und der Dammbau haben ganz wesentlich in das Gefüge der Natur eingegriffen. Und auch wenn man sich heute bemüht, das Ökosystem in Teilen wiederherzustellen, merkt man, dass eben die Balance fehlt. Da gibt es einen Fluss mit idealen Lachsbedingungen – aber es fehlen die Insekten. Aber wo Lewis und Clarke noch über den Fischreichtum im Columbia River staunen konnten, da haben Dammbauten längst den Fischreichtum verändert. Wo einst Native Americans für den Eigenbedarf fischten, wurde ihnen das Fischereirecht weggenommen oder beschnitten, damit sich die sich überlegen glaubenden Eroberer den eigenen Geschäften widmen konnten. Und selbst auf der fischreichen Kamchatka Halbinsel in Russland wird man der Wilderer nicht Herr, auch wenn man sich noch so sehr bemüht.

All das erfahren wir im Detail, das ein oder andere Rezept garniert das Buch, dass wir Wildfang auf den Teller bekommen, ist so gut wie unwahrscheinlich, dass wir die Welt ruinieren, ist ja sattsam bekannt.

Lachs ist ein besonderer Fisch, weil er sowohl im Salz- wie auch im Süßwasser lebt; das macht ihn stark und anfällig zugleich. Und wir lernen bei der Lektüre viele neue Wörter, so auch etwa „anadromous“; ein anadromer Fisch ist ein Fisch, der vom Meer zum Laichen in die Flüsse aufsteigt.

Kurlansky zieht Bilanz: “If we can save the planet,” schreibt er, “the salmon will be all right." Eine gewaltige Aufgabe!

P. S. Für eine literarische Umsetzung eines Lachs-Krieges: Éric Plamondon: „Taqawan“.

pp. 324 

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Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
01.11.2020
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