The Sarah Book

Autor McCLANAHAN, Scott

Verlag New York: Tyrant Books 2017

Mit gehöriger Verspätung weise ich auf das Buch hin, nun da Clemens Setz es ins Deutsche übertragen hat. McClanahans Autofiktion befindet sich bereits in der dritten Auflage und wird von vielen Seiten gepriesen.

Bukowski wird als schreibverwandt apostrophiert, desgleichen Kesey, Vonnegut, Woodrell und Brautigan. Das verdankt er nicht zuletzt seinem simplen, schnörkellosen, bisweilen leicht repetitiven Stil, der die Banalität des Alltags (inklusive dessen Skurrilität) gut einfängt. Will man nach der Woodrell-Lektüre in die Ozarks fahren, so lockt McClanahan in die Appalachen. Und wer auf den amerikanischen Alltag neugierig ist, der wird hier mit chicken wings, Mountain Dew und Walmart gut bedient.

Am Parkplatz eines Walmarts nächtigt auch der Protagonist McClanahan, nachdem ihn seine Frau Sarah hinausgeworfen hat und die Scheidung einreichen will. McClanahan unterrichtet, ist aber gleichzeitig ein schwerer Alkoholiker, voll von Selbstmitleid und absurden Ideen. Das Buch beginnt entsprechend: „I was the best drunk driver in the world.“ Besoffen saust er herum, merkt erst später, dass die beiden Kinder noch im Wagen sitzen, fühlt sich trotzdem ‚on top of the world‘, etc.

Im Grunde aber wird eine ‚failed love story‘ erzählt, das langsame Verlöschen der Liebe, eine Serie von Fehleinschätzungen und traurigen Klein-Ereignissen. Die Geschichte ist wie der blinde Hund, den das Paar adoptiert und der kaum gehen kann. So auch schleppt sich ihre Beziehung dahin, vor dem Hintergrund eines marginalisierten Landstrichs, wo man bestenfalls “emperor of soda” oder their “king of beef jerky” sein kann.

Das hat in seiner Länge Beliebigkeitscharakter, aber als Einblick in ein einigermaßen trostloses Amerika und eine einigermaßen trostlose Beziehung, eingefangen in lakonische Sprache, ist das Buch durchaus lesenswert.

pp. 253

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
01.09.2020
Link
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nein