Für eine Hand voll Dollar

Gerckes Roman gilt als Kinderkrimi, der den echten Krimis um nichts nachsteht, ein Urteil, das es zu relativieren gilt.
Red Bull (13) wächst im Schwarzenviertel von Washington D.C. auf; sein bester Freund ist John, von Red Bulls Mutter als 'weißer Abschaum' bezeichnet. Und dann ist da noch der ...

Gerckes Roman gilt als Kinderkrimi, der den echten Krimis um nichts nachsteht, ein Urteil, das es zu relativieren gilt.

Red Bull (13) wächst im Schwarzenviertel von Washington D.C. auf; sein bester Freund ist John, von Red Bulls Mutter als 'weißer Abschaum' bezeichnet. Und dann ist da noch der blinde Großvater, der Rosa Parks gekannt hat und in einer Vergangenheit (und Hoffnung) lebt, dass auch die Schwarzen ihren Platz an der Sonne erobern könnten.

John ist Drogendealern 200 Dollar schuldig - und wenn er nicht bezahlt, ist er (so gut wie) tot. Beim Wettlauf mit der Zeit beschließen die beiden Jungen eines der Starbucks Kaffeehäuser auszurauben, in denen Red Bulls Mutter als Putzfrau arbeitet. Klar, dass dies nicht gut gehen kann...

Gerckes Buch ist weniger Krimi als Sittenbild mit einem etwas aufgepfropften, gewalttätigen Schluss, der genauso gut den Anfang einer Erzählung bilden könnte. Der Überfall wird mit einer Dummheit ausgeführt, die durch nichts im Vorhergegangenen gerechtfertigt ist.

Was wir aber aus diesem Buch mitnehmen, ist ein Sozialbild, das uns Gercke in kurzen Monologen vermittelt: einerseits durch den Großvater Sam, der in der Bürgerrechtsbewegung lebt, die Mutter, die sich anzupassen versucht, die beiden Jungen, die beide ohne (Zukunfts)Perspektiven aufwachsen. Als solches mag das Buch lesenswert sein, als Krimi bietet sich Besseres an.
(GF15/6-1999)

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Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
01.07.2001
Link
https://www.schule.at/portale/rezensionen/julit-deutsch/detail/fuer-eine-hand-voll-dollar.html
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