Soap oder Leben

Dass Wahl ein echtes und vielseitiges Schreibtalent ist, das ist ja nichts Neues; wie er es aber trotzdem immer wieder hinkriegt, Jugendromane der unterschiedlichsten Art zu schreiben, überrascht und erfreut doch jedes Mal aufs Neue.
Hjalmar (Jalle), fünfzehn, dicklich, Sohn eines Lokalpolitike ...

Dass Wahl ein echtes und vielseitiges Schreibtalent ist, das ist ja nichts Neues; wie er es aber trotzdem immer wieder hinkriegt, Jugendromane der unterschiedlichsten Art zu schreiben, überrascht und erfreut doch jedes Mal aufs Neue.

Hjalmar (Jalle), fünfzehn, dicklich, Sohn eines Lokalpolitikers, und Karl-Inge (Kino) sind Freunde und kinobesessen. Soll es ein Remake von „Ein Sommer mit Monika“ werden (damit sie die beiden Lenas ein bisschen aus der Nähe aufnehmen können) oder ein Film über einen Hund? Der Hundefilm geht schief (platt gewalzter Hund), mit den Mädchen klappt es auch nicht so recht. Was immer passiert – Kino und Jalle haben einen alten Film oder ein eigenes Filmprojekt im Kopf laufen. Die Obsessionsidylle wird durch zwei Vorfälle unterbrochen. Jytte zieht mit ihrer Mutter, einer Journalistin, in die schwedische Kommune, und Jalle und Jytte verlieben sich ineinander. Jyttes Mutter allerdings stellt gerade Jalles Vater an den Pranger, weil dieser angeblich öffentliche Gelder veruntreut hat. Für alle Beteiligten beginnt eine schwierige Zeit, an deren Ende die Jugendlichen erkennen: Sie selbst müssen ihr Leben leben, das der Eltern ist nicht ihre Verantwortung.

Wahl hat das Buch mit einer Vielzahl von äußerst witzigen, berührenden, ein bisschen verrückt, bedrohlichen Szenen gefüllt, und es ist eine wirklich ausgewogene Mischung herausgekommen, die sich tatsächlich verschlingen lässt. Dabei spart er, ungleich vielen andern Jugendbuchautorinnen und –autoren, die Sexualität nicht aus. Jyttes Vortrag über Selbstbefriedigung sollte sich in seiner Unverkrampftheit einmal in einem deutschsprachigen Jugendbuch finden; und die Sexwelt der Buben wird ebenfalls nicht nach bravem Muster abgehandelt. Natürlich merkt man, dass Wahl seinen Roman routiniert schreibt, mit allen Mustern der Verlängerung, des Spannungsaufbaus, des plötzlichen Wechsels. Aber die Filmobsession allein, die aus diesem Buch spricht, das Verschwimmen von echter Soap und echtem Leben, das allein ist schon eine Königsidee, die die Lektüre des Buches unbedingt lohnt. Großes Lob.

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
08.08.2005
Link
https://www.schule.at/portale/rezensionen/julit-deutsch/detail/soap-oder-leben.html
Kostenpflichtig
nein