Kaltes Schweigen

Wahl hat hier meines Erachtens eine neue Zauberformel gefunden – und die Schlagzeile am Klappentext beweist es: "Der neue Wallander im Jugendbuch" steht da; und richtig: Kommissar Fors, den wir schon in "Der Unsichtbare" (2001) kennen gelernt haben, hat den selbstzweifl ...

Wahl hat hier meines Erachtens eine neue Zauberformel gefunden – und die Schlagzeile am Klappentext beweist es: "Der neue Wallander im Jugendbuch" steht da; und richtig: Kommissar Fors, den wir schon in "Der Unsichtbare" (2001) kennen gelernt haben, hat den selbstzweiflerischen und resignativen Ton sowie die hartnäckige und verständnisvolle Aufklärungsarbeit mit seinem berühmten Kollegen gemein. Diesmal wird ein junger Einwanderer, Ahmed Sirr, umgebracht. Die Nachforschungen ergeben, dass er kein liebenswerter Zeitgenosse war: Drogendealer mit Monopolanspruch an seiner Schule, gewalttätig und erpresserisch.
Fors und seine Kollegin Gunilla recherchieren penibel und bringen am Ende heraus, dass es sich eher um einen Unfall als eine kaltblütige Tat gehandelt hat. Tragischerweise wird aber auch Gunillas neue Karriere bei der Kriminalpolizei abrupt beendet.
Wahl verbindet sehr geschickt Ausländerthematik, allgemeine politische Befindlichkeit und konkreten Kriminalfall. Wie Mankell steht er in der Tradition von Sjöwall und Wahlöö, wie Mankell scheut er sich nicht vor politischen Aussagen. ("Berlusconi ist ein Verbrecher.") Und wie Mankell greift er immer wieder das Thema Nationalsozialismus und neuer Rechtsradikalismus auf.
Leser/-innen von "Der Unsichtbare" (s. Archiv) werden noch mehr Figuren wieder erkennen, aber wer uns hoffentlich auch noch für weitere Bücher bleiben wird, ist Fors. Warum das Buch partout ein Jugendbuch sein muss, ist mir nicht ganz klar. Nur weil einige Jugendliche vorkommen?

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
01.07.2001
Link
https://www.schule.at/portale/rezensionen/julit-deutsch/kriminalitaet/detail/kaltes-schweigen.html
Kostenpflichtig
nein