Ergebnisse Bildungsstandards: Lesen macht Probleme

(c) Thinkstock/iStock/stock-eye
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17 % der SchülerInnen in der 8. Schulstufe in Österreich haben beim Lesen einfacher Texte Probleme. Das zeigen die am 28. März 2017 präsentierten Ergebnisse der Bildungsstandardtestungen im Fach Deutsch unter 73.000 SchülerInnen.

Im Frühjahr 2016 wurden die SchülerInnen der vierten Klasse NMS, HS und AHS-Unterstufe zwei Stunden lang in den Kompetenzbereichen Lesen, Schreiben, Sprachbewusstsein und Zuhören (Stichprobenerhebung unter rund 2.800 SchülerInnen) getestet.

Insgesamt hat die Hälfte der SchülerInnen beim Lesen die Bildungsstandards erreicht, weitere 7 % schneiden sogar exzellent ab. Allerdings erreicht jeder Sechste das erforderliche Niveau nicht, die betroffenen SchülerInnen (12.700) haben Mühe mit den einfachsten Leseaufgaben und sind dadurch laut BIFIE in ihrer weiteren persönlichen und schulischen Entwicklung "ernsthaft gefährdet".
28 % erreichen die Standards nur teilweise.

Bildung der Eltern hat starken Einfluss

Die Bildung der Eltern hat sogar mehr Einfluss als Migrationsstatus und Erstsprache. Während unter Akademikerkindern nur 9 % die Bildungsstandards nicht erreichen, sind es unter SchülerInnen mit gering gebildeten Eltern 38 %.
35 % der Jugendlichen mit Migrationshintergrund erreichen die Bildungsstandards im Lesen nicht - das ist ein drei Mal so hoher Anteil an Risikolesern wie unter Lesern ohne Migrationshintergrund. Es sind aber in absoluten Zahlen immer noch deutlich mehr SchülerInnen ohne Migrationshintergrund Risikoleser.

Extreme Unterschiede nach Schultypen

SchülerInnen mit schwacher Leseleistung sitzen fast ausschließlich in den HS und NMS - fast ein Viertel erreicht dort nicht die Bildungsstandards. An den AHS sind es nur 2 Prozent. Das entspricht in etwa auch den Leistungsunterschieden vom Ende der VS: Während jeder Fünfte beim Übergang in NMS oder HS Leseprobleme hat, sind es unter den AHS-Anwärtern 3 Prozent.

Mädchen haben beim Lesen die Nase vorne - zwei Drittel erreichen oder übertreffen die Bildungsstandards, bei den Burschen sind es 49 Prozent. 21 % der Buben sind Risikoleser, bei den Mädchen sind es 12 %.

Ein Viertel ist schwach in Deutsch

Insgesamt haben 45 Prozent der Jugendlichen in allen 4 getesteten Bereichen die Bildungsstandards erreicht oder übertroffen, zwei Dritteln gelingt das in 3 Bereichen. Ein Viertel erreicht die Standards nicht oder nur teilweise.

Beim Schreiben haben die meisten SchülerInnen Probleme beim Ausdruck (Wortschatz, abwechslungsreiche Satzgestaltung,...), nur 54 Prozent erreichen oder übertreffen hier die Lernziele. Mehr als drei Viertel übertreffen die Ziele in den Kategorien Sprachbewusstsein, Zuhören und Sprechen. Nur ein Prozent erreicht beim Sprechen nicht die geforderten Kompetenzen. Das ist für bifie-Chefin Claudia Schreiner ein Indiz, dass die Sprachförderungsmaßnahmen "im Bereich der mündlichen Kommunikation bereits Wirkung zeigen".

Unterschiede nach Bundesländern gering

Trotz der sehr unterschiedlichen Zusammensetzung der SchülerInnen sind die Unterschiede nach Bundesländern relativ gering und entsprechen dem Leistungsunterschied von weniger als einem Schuljahr: Im Burgenland, in Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, der Steiermark und Tirol werden die Standards von 46 oder 47 Prozent in allen 4 Bereichen erreicht oder übertroffen. Weniger sind es nur in Kärnten (42 %), Vorarlberg und Wien (je 40 %). Je 7 bis 8 Prozent erreichen die Standards in allen Bundesländern nicht, nur in Wien haben 15 Prozent in mehreren Deutsch-Bereichen Mängel.

Weitere Informationen

Die Ergebnisse liegen seit 28. März 2017 den SchulleiterInnen, LehrerInnen und SchülerInnen bis hin zu pädagogischen und politischen EntscheidungsträgerInnen über eine Onlineplattform vor und bieten eine wichtige Basis für Qualitätsentwicklung am Schulstandort. Mehr als 4000 LehrerInnen und knapp 1400 SchulleiterInnen erhalten Feedback über die Kompetenz der SchülerInnen ihrer Schule bzw. Klasse im Fach Deutsch.

Detaillierte Ergebnisse zur Standardüberprüfung D8 sowie Bundes- und Landesergebnisberichte

Quellen:
Bundesinstitut Bildungsforschung (bifie)
APA Bildung