Konsum im digitalen Zeitalter

Der digitale Wandel verändert nicht nur unsere Arbeitswelt, sondern beeinflusst auch unser Konsumverhalten. Vor allem Kinder und Jugendliche werden oft unbemerkt, wie etwa durch Influencer zum Kaufen animiert. Die digitale Schuldenfalle trifft aber auch immer mehr Erwachsene.

Nicht das Taschengeld regelt den Konsum, sondern das gemeinsame Lernen

Im Rahmen des 40-jährigen Jubiläums widmete die Schuldnerhilfe Oberösterreich ihre 5. Fachtagung dem Konsum im digitalen Zeitalter. Dabei wurde der Frage nachgegangen, welche Herausforderungen den KonsumentInnen von heute erwarten und was Finanzbildung jungen Menschen künftig bieten muss.

Als Professor für Wirtschaftspsychologie an der Privatuniversität Schloss Seeburg, beschäftigt sich Dr. Gunnar Mau etwa mit dem Kaufverhalten und den Kaufentscheidungen von Kindern. In seinem Vortrag bei der Fachtagung gab er einen Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse in diesem Bereich. Laut Dr. Mau stehen Kinder und Jugendliche heutzutage vor subtil vermittelten Werbungen: Gut gemeinte Ratschläge etwa werden als Werbemittel genutzt, Produkte und Dienstleistungen so beworben, dass sie junge Menschen gezielt zum Kauf verleiten. Außerdem sei es nicht die Höhe des Taschengeldes, welches das Kaufverhalten der Kinder beeinflusst, sondern vielmehr das gemeinsame Lernen beim Einkaufen mit den Eltern. "Kinder sind immer mit dabei, sie sehen aus dem Automaten kommt immer Geld, Eltern, die viel Wert auf Bio-Produkte legen, vermitteln dem Kind automatisch: Du darfst nur Bio kaufen!", meint Dr. Mau. Eindeutige Ergebnisse lieferte etwa auch ein Test über Gefahrenetiketts auf Produkten. So haben etwa für Kinder und Jugendliche attraktive Marken, die Fähigkeit jeden platzierten Warnhinweis zu "überschreiben". "Kann sich das Kind mit der Marke identifizieren, wird diese trotz Warnungen gekauft.", so Mau.

In seinem Vortrag: "Zwischen Lego und Visa: Welche Kompetenzen brauchen Kinder und Jugendliche als KonsumentInnen in einer digitalisierten Konsumwelt?" behandelte er deshalb auch die Frage ob und wie Kindern geholfen werden kann, bewusste Kaufentscheidungen zu treffen.

Dr. Gunnar Mau: Welche Kaufkompetenzen brauchen Kinder und Jugendliche im digitalen Zeitalter?


Virtuell vs. Real: die Gesellschaft im Zwiespalt

Ab wann wird die Realität eigentlich zur virtuellen Realität und wer sollte die Sinne für ein selbstbestimmtes Leben dazwischen schärfen? Ist es der Staat, die Gesellschaft oder Einzelakteure wie Lehrkräfte und Eltern? Dieser Frage ging Moraltheologe und Ethikprofessor DDr. Severin Renoldner in seinem Vortrag zum digitalen Konsum und Handel nach. Seiner Meinung nach scheint die Politik hier ratlos zu sein "sie verspricht mehr Breitbandinternet, mehr IT an Schulen, aber kaum Hilfe für Menschen, die schon mit einem ÖBB-Fahrkartenautomaten überfordert sind.", so DDr. Renoldner. Für ihn ist die digitale Welt ambivalent, auf der einen Seite bietet das Internet in einem sehr leichten fast schon spielerischen Raum "Shopping" an, auf der anderen Seite steht die reale Wirklichkeit und genau dieses Zusammenspiel muss von den Kindern und Jugendlichen heutzutage verstanden werden, weist DDr. Renoldner hin. "Kinder und Jugendliche müssen lernen, dass ein Kauf, eine Bestellung im Internet reale Folgen hat. Dieses Verständnis, die völlige Geistesspaltung zwischen dem Virtuellen und der Realität, das muss in der Schule erfolgen.", argumentiert der Ethikprofessor und Moraltheologe. Seiner Meinung nach wird künftig das Internetshopping zwar weiter wachsen, dennoch ist sich Renoldner sicher, dass dadurch der "analoge" Markt nicht vertrieben wird und uns im Gegenteil, eine Rückkehr der kleinen Lokalmärkte in den Gemeinden bevorsteht.

DDr. Severin Renoldner: Ethische Fragen zum digitalen Konsum und Handel