Zusammenleben 4.0 - Das "Herdentier" Mensch

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Schon in der Evolutionsgeschichte gibt es Hinweise, welche die Wichtigkeit einer Gruppe beim Menschen aufzeigen. So verdanken wir etwa laut der Verhaltensbiologin Dr. Elisabeth Oberzaucher vieles unserer heutigen Intelligenz der Gruppenzusammengehörigkeit.

Die Evolutionsbiologin und bekanntes Mitglied der Kabarettgruppe „Science Busters" referierte im Rahmen des Zukunftssympiosums der Zukunftsakademie Oberösterreich über das zwischenmenschliche Zusammenleben und dessen Wichtigkeit in der digitalen Zeit:

Dr. Elisabeth Oberzaucher: Von der Savanne zu Snapchat: Zusammenleben 4.0


Hilfsbereitschaft ist genetisch

Auch wenn unser Zusammenleben heutzutage oft leider einer Streitkultur gleicht, so kooperieren und helfen wir uns dennoch täglich gegenseitig. Angefangen beim geteilten Wissen bis hin zum gemeinsamen Genuss von Musik erleichtern wir uns oft unbewusst beiderseits das Leben. Laut der Wiener Verhaltensbiologin Dr. Elisabeth Oberzaucher liegt das vor allem an den geteilten genetischen Informationen, also an der Tatsache, dass wir der gleichen „Gattung“ angehören. Zudem hat  die Umgebung der evolutionären Angepasstheit unser soziales Miteinander maßgeblich geprägt, meint Oberzaucher.


"Im Team fühlt man sich weniger gestresst und nur in der Gruppe können wir auch tatsächlich etwas umsetzen, was ein Einzelner nicht könnte!“

Wie sehr wir hilfsbereit gegenüber anderen sind, hängt dabei einerseits vom Verwandtschaftsgrad ab. „Je näher wir uns stehen, desto eher helfen wir", meint Science-Buster Mitglied Dr. Elisabeth Oberzaucher. Andererseits spielt aber auch die Wechselwirkung, welche eine Kooperation auslöst, eine zentrale Rolle bei der Hilfsbereitschaft. Unter anderem nennt Oberzaucher hier auch den sozialen Vergleich: „Wir schauen über den Gartenzaun und schauen was hat der Nachbar, was ich nicht habe! Also wir fühlen uns gegenüber anderen oft ein bisschen ärmer."

Die Globalisierung und die sozialen Medien verstärken zudem das Gefühl der Benachteiligung gegenüber Anderen. „In den sozialen Medien etwa zeigen wir uns immer von der besten Seite. Zuhause selber im Spiegel, sehen wir aber oft die Kehrseite, unsere "Abgründe", die wir nicht der Öffentlichkeit preisgeben.", so Oberzaucher.  Nicht zuletzt deshalb ist unser soziales Zusammenleben heutzutage viel komplexer als früher. Die wachsende Population und vor allem die vielfältigen Interaktionsmöglichkeiten, die sich durch die Digitalisierung ergeben, verkomplizieren unser soziales Gefüge maßgeblich.

Laut Forschern kann etwa unser Gehirn das Verhalten von maximal 150 Menschen verstehen, alles darüber hinaus ist eine Herausforderung. Die Urbanisierung und der stetige Bevölkerungszuwachs überfordern uns, das Deuten und "richtige" Verstehen unserer Mitmenschen fällt uns somit zunehmend schwer, Stichwort: Reizüberflutung. Die Erfindung von Kommunikationshilfsmitteln wie etwa den Emojis, sind dabei laut Science-Buster Mitglied und Verhaltensbiologin Dr. Elisabeth Oberzaucher wesentlich, um die globale Onlinekommunikation kontrollieren zu können. Die Verantwortung der Politik sowie der gesellschaftlichen Strukturen sieht Oberzaucher in der Organisation von einem harmonischen Miteinander großer Menschengruppen. „Das individuelle Interesse muss mit weltumspannenden Entwicklungen vereinbart werden.", plädiert Oberzaucher.