Der tunesische Torwart

Nein, es geht nicht um einen Mitschüler, der aus Tunesien eingewandert ist und sich nur integrieren kann, weil in der norwegischen Jugendfußballmannschaft Großartiges leistet; der tunesische Torwart ist ein Sammelbild, das Symbolcharakter hat – fast so sehr wie die alte Elvis-Platte, die der Gro ...

Nein, es geht nicht um einen Mitschüler, der aus Tunesien eingewandert ist und sich nur integrieren kann, weil in der norwegischen Jugendfußballmannschaft Großartiges leistet; der tunesische Torwart ist ein Sammelbild, das Symbolcharakter hat – fast so sehr wie die alte Elvis-Platte, die der Großvater des Ich-Erzählers Jo wie einen Schatz hütet. Den tunesischen Torwart für seine Sammlung haben heißt, sie eigentlich abschließen zu können oder zumindest einen entscheidenden Schritt weiter gekommen zu sein.

Jo hätte gern diesen Schritt getan, aber da gibt es auch noch viele andere Schritte, die zu tun sind. Soll er nun zum Fußballtraining in der neuen Schule, obwohl er eine Klammer und Plattfüße hat und obwohl ihn der Schul-Bully Daumen, der dort das Sagen hat, regelmäßig verprügelt? Sein Freund Einar drängt ihn jedenfalls dazu. Und soll er Bettina aus Kopenhagen schreiben, die er beim Sommerurlaub kennen gelernt hat und die ihn ganz toll fand? Und wer hat eigentlich Opas Schallplatte gestohlen? Daumen? Oder doch jemand, der sie vielleicht mehr braucht als sein Opa? Wie oft kann man flüchten und wann muss man endlich einmal standhalten?

Auf viele dieser Fragen erhalten wir in dem Buch eine (mögliche) Antwort, und was ein wenig fahrig beginnt, entpuppt sich am Schluss als eine gut konstruierte Geschichte, die keine filmreifen Lösungen, aber doch genug Hoffnung bietet.

Die Autorinnen und Autoren aus dem Norden scheinen schon ein besonderes Geschick für Jugendbücher zu haben, die die rechte Mischung aus Humor, Wehmut und Trauer, Neugierde und Offenheit (auch im Erzählerischen) haben; und dabei vermitteln viele von ihnen den Eindruck, einigermaßen realistisch zu schreiben und nicht Jugendbuch-Konventionen zu verfallen, selbst wenn die Geschichte durchaus konventionell klingen mag. Im Übrigen kommt genug Fußball vor, um auch ein paar Weniger-oft-Leser neugierig zu machen; und ob das Porträt eines sympathischen Jungen tatsächlich gelungen ist, das können sowohl Leserinnen ebenso wie Leser entscheiden.

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
13.06.2005
Link
https://www.schule.at/portale/rezensionen/julit-deutsch/detail/der-tunesische-torwart.html
Kostenpflichtig
nein