René Bohne: Making Things Wearable

Im O‘ Reilly Verlag (sh. Buchreihen Make & Elektronik) sind drei bemerkenswerte Bücher mit dem Titel „Making Things…“ erschienen. „Making Things Wearable“ von René Bohne zeigt, wie man unkonventionelle Ideen durch das Einnähen von Elektronik in Kleidungsstücke und Accessoires verwirklichen kann.

René Bohne: Making Things Wearable. 242 Seiten mit zahlreichen farbigen Fotos und Abbildungen, 1. Auflage September 2012, ISBN 978-3-86899-191-8, Print-Ausgabe,  EURO 34,90, www.oreilly.de

Unter dem Titel „Making Things… „ sind außerdem im O‘ Reilly Verlag  erschienen:

  • Tom Igoe:  „Making Things Talk“ (Elektronische Dinge bauen, die sehen, hören, fühlen  - mit der realen Welt interagieren).
  • Dustyn Roberts: „Making Things Move“ (Dinge bauen, die sich mechanisch bzw. MC gesteuert bewegen)

Das Buch "Making Things Wearable" vermittelt auf einfache Weise den Umgang mit Elektronik- Bauteilen und das Verständnis für grundlegende Schaltpläne. Mess- und Steuerungsfunktionen übernimmt der Microcontroller LilyPad Arduino, der mit einem Durchmesser von nur 50 mm speziell fürs „Wearable Computing“ entwickelt wurde.  Die Kleidung wird dadurch „intelligent“ und kann nun als „Smart Fashion“ bezeichnet werden.

Die Verbindung von Technik und Textilien ist nicht neu. Elektrische Heizkissen gab es schon in den 1920er Jahren.  Gary W. Boone schuf 1971 bei TI (Texas Instruments) den TMS-0100, den erste Single-Chip-Mikrocontroller. Mikrocontroller sind heute in zahllosen technischen Geräten enthalten,  in Computer-Peripheriegeräten (Tastatur, Drucker, Scanner usw.), in Waschmaschinen, Heizungsteuerungen, Chipsystemen, in Kraftfahrzeugen (Steuergeräte für Motor, Kontrollinstrumente,  ABS, Airbag usw.). Der große Vorteil gegenüber festverdrahteten Schaltungen ist die Flexibilität für neue Aufgaben, somit eine kostengünstige Anpassung der Software-Befehle an neue Funktionen. Durch stete Verkleinerung von elektrischen und elektronischen Bauteilen ist es inzwischen möglich, Microcontroller in die Kleidung zu integrieren. So hat die Firma warmX GmbH bereits Unterwäsche entwickelt, deren Wärmeentwicklung mittels Mikrocontroller-Steuerung in drei Stufen geregelt werden kann. Der Markt für solche textile Produkte enthält ein großes Zukunftspotential  in verschiedenen Anwendungsbereichen wie Kommunikation, Sicherheit und Gesundheit.

Die Vorschläge von René Bohne konzentrieren sich auf die praktische Handhabung mit den kleinen LilyPad-Microcontroller-Platinen, die problemlos in und auf Kleidungsstücke nähbar sind. Handhabung und Programmierung sind auch ohne physikalisches Grundwissen möglich, sodass jeder selbst die „Kleidung von morgen“ herstellen kann.

Microcontroller, Stromversorgung, Sensoren und Aktoren werden mit leitfähigen Fäden händisch angenäht. Es gibt auch die Möglichkeit leitende Garne in der Unterfadenspule mit der  Nähmaschine zu vernähen,  auf eine Platine zu löten oder anstelle von Garn elektrisch leitfähige Lacke („Bare Paint“) einzusetzen.

Der Autor führt Schritt für Schritt an die Grundlagen der Hardware und deren Programmierung heran:  Er beginnt mit einfacheren Basics-Projekten wie LED-Blinklicht, Lauflicht und Lichtsensor. Dann werden die Beispiele etwas komplexer: Durch Befehle werden Töne erzeugt, die auf Sensorwerte reagieren, Temperaturen und Bewegungen werden gemessen, eine RGB-LED in bestimmten Farben zum Leuchten gebracht. Weitere  Materialien, wie  leitende Textilien und Gewebebänder werden in den Kapiteln 4 und 5 vorgestellt. Aus verschiedenen Stoffen, Reißverschlüssen, Metallperlen, Knöpfen usw. lassen sich recht kreativ eigene Sensoren herstellen.

Am Ende seines Buches stellt René Bohne zwei konkrete Nähprojekte vor: Eine Handtasche mit Innenbeleuchtung nach dem Öffnen und einen Rock mit kunstvoll gefertigter LED-Matrix. Einige erfahrene Experten/innen aus der Wearable-Computing Szene bieten Ausblicke auf ihre professionellen Projekte (mit aktuellen Links). Es sind keineswegs nur modische Gags und Spielereien, sondern auch viele sinnvolle Funktionen, unter anderem eine Radfahrer-Jacke, die das Abbiegen anzeigen kann, ein Kleidungsstück mit Ultraschall-Abstandsmessung für Sehbehinderte und ein Fiebermess-Teddy mit Temperatursensor.

René Bohne hat ein sehr übersichtliches,  praxistaugliches Anleitungsbuch geschaffen, das sowohl Anfänger/innen ebenso wie erfahrene Techniker/innen und Designer/innen anspricht. Das Buch macht Lust zum eigenen Erproben durch große Abbildungen, genaue Materiallisten und Einkaufshinweise. Die Komponenten sind aber nicht in Österreich, sondern z.B. bei Watterott electronic (www. watterott.com) erhältlich.

Obwohl Mikrocontroller längst Alltagstechnik und daher sehr preiswert sind, ist ihre Anwendung auf Kleidungsstücke und Modeaccessoires immer noch in der Entwicklungsphase. Gerade dies bietet große Freiräume für kreatives Experimentieren und Tüfteln mit der Steuerungstechnik. Sicher werden auch einmal die Probleme mit der Waschbarkeit und der Unempfindlichkeit gegenüber Regen gelöst sein.

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
01.01.2014
Link
https://www.schule.at/portale/werken-technisch/detail/rene-bohne-making-things-wearable.html
Kostenpflichtig
nein