99 Prozent der Lehrkräfte stecken Privatgeld in Unterricht

Im Durchschnitt zahlen Lehrkräfte für diverse Materialien 550 Euro pro Schuljahr aus eigener Tasche, zeigt eine Online-Umfrage mit 2.000 Teilnehmenden im Auftrag der JKU und des Österreichischen Schulbuchverlags (öbv). Die Studienautoren warnen vor einem "strukturellen Ressourcenproblem".

Lehrkräfte zahlen Schulmaterialien aus eigener Tasche

Nur ein Prozent zahlt nie

Private Ausgaben für den Unterricht sind im österreichischen Schulwesen weit verbreitet. Das zeigt eine aktuelle Studie des öbv und der Johannes Kepler Universität (JKU), an der über 2.000 Lehrende aus unterschiedlichen Schultypen teilgenommen haben. Im Durchschnitt zahlen die Lehrkräfte 550 Euro aus eigener Tasche, um ihre Aufgaben wahrnehmen zu können - am meisten in den Volksschulen. Nur ein Prozent gab an, nie privates Geld für die Schule zu investieren.

Lern-, Büro- und Dekomaterialien

Dabei geht es entweder um Ausgaben, die im Schulsystem nicht vorgesehen sind, oder eine Vielzahl von Kleinstbeträgen, die nicht abgerechnet werden können. Am häufigsten investieren Lehrpersonen in Lernmaterialien wie Arbeitshefte und Kopiervorlagen (77 Prozent), gefolgt von digitalen Endgeräten (61). 44 Prozent investieren in Materialien zur Schularbeitsvorbereitung und zur Lernstandserhebung. Auch Schulbücher sowie berufliche Weiterbildungen (je 35 Prozent) werden teilweise privat bezahlt. In den naturwissenschaftlichen Fächern, Kunst, Werken oder Musik werden regelmäßig Materialien etwa für Versuche oder Projekte zugekauft. In den Freitextantworten wurden außerdem häufig Büromaterial wie Stifte, Kleber oder Papier, aber auch Klassendekoration, Adventskalender oder kleine Weihnachtsgeschenke genannt. Einige Lehrkräfte finanzieren sogar Material oder eine Jause für benachteiligte Schülerinnen und Schüler.

Die Daten zeigen klar, dass es sich nicht um vereinzelte Fälle handelt. Viele Lehrpersonen investieren wiederkehrend und über das gesamte Schuljahr hinweg in zentrale Bereiche ihres Unterrichts.

Christoph Helm , Leiter der Abteilung für Bildungsforschung an der Linz School of Education (JKU)

“Vom privaten Geldbörsl der Lehrperson abhängen”

Einige der genannten Ausgaben seien zwar nicht für den Unterricht zwingend nötig, betonte öbv-Geschäftsführer Philipp Nussböck in einer Aussendung, aber: "Wenn private Beiträge zur stillen Voraussetzung für guten Unterricht werden, braucht es eine ehrliche Diskussion über die Ausstattung unserer Schulen." Die Qualität von Bildung dürfe nicht “vom privaten Geldbörsl der Lehrperson” abhängen.