Demokratiebildung als Antwort auf Extremismus

Rechtsextreme Straftaten sind in Österreich von 2022 bis 2024 um 60 Prozent gestiegen und lagen zuletzt bei 1486 Fällen. Im ersten Halbjahr 2025 wurde ein weiterer Anstieg um 41 Prozent verzeichnet. 75 Festnahmen und 277 Hausdurchsuchungen im Bereich Rechtsextremismus zeigen die sicherheitspolitische Dimension. Bildungsminister Christoph Wiederkehr betonte beim Start des Nationalen Aktionsplans gegen Rechtsextremismus jedoch einen anderen Schwerpunkt: Prävention beginnt in der Schule.

Bildungsminister Christoph Wiederkehr

Extremismus erreicht junge Menschen

Neben dem Rechtsextremismus wurden auch islamistische und linksextreme Strömungen angesprochen. Im islamistischen Bereich gab es im Jahr 2025 40 Festnahmen und 129 Hausdurchsuchungen. Sicherheitsberichte zeigen, dass Radikalisierung zunehmend jüngere Altersgruppen betrifft und häufig über soziale Medien erfolgt. Teilweise setzen ideologische Beeinflussungen bereits im Alter von zehn oder elf Jahren ein. Für Schulen bedeutet das, Entwicklungen frühzeitig wahrzunehmen und pädagogisch einzuordnen.

Frauenhass als Radikalisierungsmuster

Besonders hervorgehoben wurde eine wachsende frauenfeindliche Szene, die sowohl im rechtsextremen als auch im islamistischen Umfeld verankert ist. Toxische Männlichkeitsbilder und offene Abwertung von Mädchen und Frauen gelten als Einstiegsformen in extremistische Ideologien. Solche Haltungen zeigen sich nicht selten in Sprache, Online-Kommunikation oder Rollenbildern im Schulalltag. Für Lehrkräfte ist das ein wichtiger Hinweis, demokratische Werte und Gleichstellung klar zu thematisieren.

Demokratiebildung stärken

Wiederkehr kündigte an, Demokratiebildung und Medienkompetenz in Lehrplänen stärker zu verankern. Schülerinnen und Schüler sollen demokratische Prozesse nicht nur theoretisch kennenlernen, sondern aktiv erleben. Kritisches Hinterfragen von Social-Media-Inhalten gilt als zentrale Schutzmaßnahme gegen Radikalisierung. Bereits im Rahmen bestehender Programme zur Extremismusprävention wurden mehr als 30000 Personen in Schulen und Bildungseinrichtungen erreicht.

Konsequenz für den Unterricht

Für Lehrkräfte bedeutet der Aktionsplan keine zusätzliche Einzelmaßnahme, sondern eine klare Schwerpunktsetzung. Demokratiebildung, Medienkompetenz und Wertevermittlung sind keine Randthemen, sondern zentrale Bausteine schulischer Prävention. Steigende Extremismuszahlen unterstreichen, dass diese Arbeit nicht abstrakt ist, sondern unmittelbare gesellschaftliche Relevanz hat. Schulen übernehmen damit eine zentrale Rolle bei der langfristigen Stärkung demokratischer Grundwerte.