"Die Kunst besteht darin, zum Lesen zu verlocken!"

Kinder- und JugendbuchautorInnen gibt es viele - doch eine, die als Deutsch-Lehrerin und Schulbibliothekarin mit jahrzehntelanger Erfahrung ganz genau über das Leseverhalten von Kindern und SchülerInnen Bescheid weiß, ist eher selten. Die Oberösterreicherin Juta Tanzer spricht mit uns über ihren ersten Kinderroman "Billie Bohne - Im Meer der Gefühle", der mit der Protagonistin Billie als Identifikationsfigur für Kinder zwischen 9 und 12 Jahren die Freude am Lesen wecken soll. Das Besondere an diesem Buch sind die Einblicke in die Eigenheiten und Fühlweisen der Nebenfiguren, in die auch oft Außenseiterthemen verwoben sind.

Die Kinderbuchautorin Juta Tanzer mit der Hauptfigur ihres Buches Billie Bohne

Frau Tanzer, Sie sind als Autorin Mitglied im Österreichischen Schriftstellerverband und haben bisher Lyrik und Kurzprosa, die sich an Erwachsene richtet, erfolgreich verfasst. Einige namhafte Preise wurden Ihnen bereits verliehen. Haben Sie nun Ihren literarischen Schwerpunkt auf Kinderliteratur verlegt?
Es stimmt, dass ich in den letzten Jahrzehnten Bücher für Erwachsene geschrieben habe, das behalte ich auch bei. Meine allererste Veröffentlichung im Alter von zwölf Jahren war allerdings eine Geschichte für damals Gleichaltrige, die dann tatsächlich in einer bekannten Kinderzeitschrift gegen Honorar erschienen ist. 
Vor einiger Zeit durfte ich wieder Kurzgeschichten für eine namhafte Jugendzeitschrift verfassen. Aber „Billie Bohne. Im Meer der Gefühle“ war eigentlich als „Lesungs- und Workshop-Projekt“ gedacht, damit ich meine Begeisterung für Geschichten, Bücher, Texte weiterhin (ich bin nun schulisch eigentlich im „Ruhestand“) mit den jungen Leserinnen und Lesern teilen kann.

Sie haben Deutsch unterrichtet, jahrzehntelang Erfahrungen als Schulbibliothekarin gesammelt und Sie haben Erziehungswissenschaft und Soziale Verhaltenswissenschaften studiert. Hindert oder beflügelt dieser berufliche Hintergrund Ihre Arbeit als Autorin von Kinderliteratur?
Ich bin an all diesen Aufgaben und Herausforderungen gewachsen und schreibe nun als die, die ich geworden bin. Natürlich fließen Erfahrungen, Eindrücke, erworbenes Wissen und Freude am geschriebenen Wort mit ein. Andererseits habe ich schon als Kind Bücher verschlungen und stapelweise Geschichten geschrieben, das fließt ebenso ein. Und ich konnte das Leseverhalten meiner eigenen beiden Kinder und der SchülerInnen in der Schulbibliothek recht genau beobachten. 

Wussten Sie bereits beim Schreiben des ersten Bandes von Billie Bohne, dass eine ganze Serie daraus entstehen würde?
Nein, ehrlich gesagt wusste ich das damals noch nicht. Aber ich bin in die Figur immer mehr „hineingewachsen“ und selbst immer wieder überrascht, wie sich die Handlung weiterentwickelt. Besonders freut mich, wenn die LeserInnen des ersten Bandes schon gespannt nach den Fortsetzungsbänden fragen.

Sie sehen die Protagonistin Billie Bohne als mögliche Identifikationsfigur für Kinder zwischen 9 und 12 Jahren. Ist es schwierig, die LeserInnen sprachlich und inhaltlich aus ihrer Lebenswelt abzuholen?
Eine gute Frage, denn darüber denke ich auch oft nach. Durch eigene Beobachtung, durch Gespräche und LeserInnen- Rückmeldungen weiß ich natürlich, dass das (soziale) Umfeld meiner Zielgruppe stark gefächert ist und damit unterschiedliche Lebensweisen, Wertvorstellungen und Interessen verbunden sind. Es ist wahrscheinlich niemals möglich, alle Kinder in gleicher Weise anzusprechen, aber diese Erkenntnis steht beim Prozess des Schreibens nicht ununterbrochen im Vordergrund.

Neben Ihrer pfiffigen und aufgeweckten Hauptfigur Billie spielen eine Lehrerin und Oma Berta wichtige Rollen.
Billie darf die Unbekümmertheit eines Kindes verkörpern, mit allen altersgemäßen Herausforderungen. Die erwähnten Erwachsenen bringen sich unaufdringlich mit ihrem Lebensweitblick ein und tragen liebevoll ein Stück Verantwortung für Billie. Kinder brauchen Menschen, denen sie bedingungslos vertrauen können.

Welche Intention verfolgen Sie mit den sogenannten „Scheinwerfergeschichten“, die zwischen der Rahmenhandlung auftauchen?
Ich wollte noch eine weitere Ebene, nämlich die der Reflexion, in meine Kinderromane einbringen. Wie im richtigen Leben erscheint es mir bedeutend, nicht beim vordergründigen Erscheinungsbild, beim ersten Eindruck von großen und kleinen Menschen und deren Verhalten hängen zu bleiben, sondern ein Stück weit in die Tiefe zu schauen, auf die Bedingungen und Umstände genauer hinzusehen und achtsam mit allen Gefühlen und Nöten umzugehen.
So werfen die Scheinwerfergeschichten, wie ich sie genannt habe, besondere Streiflichter auf Personen, die im Umfeld von Billie leben. Meist ist mit diesen Einblicken in die Eigenheiten, in die Fühlweise und Lebensart ein Außenseiterthema verbunden, wie etwa Hochsensibilität, Einsamkeit, Körpergefühl, Krankheit, Altsein, Verlust eines Elternteils…
Diese Geschichten eignen sich gut zum Einstieg in Gesprächsrunden mit SchülerInnen.

Finden Sie, dass es heute schwieriger ist als früher, Kinder zum Lesen zu bringen?
Meine Antwort kann bei dieser Frage nur ambivalent ausfallen.
Es ist einerseits richtig, dass die Neuen Medien so reizvoll sind, dass das Bücherlesen scheinbar in den Hintergrund tritt. Dennoch gibt es nach wie vor begeisterte „Lesemäuse“, die regelmäßig Bücher ausborgen oder kaufen. Und der Trost an die Eltern der „Leseverweigerer“: Das Lesen findet andauernd statt, denn das Fernsehprogramm, Zeitschriften, Comics, Rezepte, Anleitungen, Mails, Handynachrichten müssen auch „entschlüsselt“ werden!

Sie halten nichts davon, ein Kind zum Lesen zu zwingen…
Die Kunst besteht darin, zum Lesen zu verlocken! 
An meiner früheren Schule durfte ich den Gegenstand „Lesewerkstatt“ planen und umsetzen. Beim Spielen und Rätseln, beim Basteln und Reimen, beim Vorstellen und Suchen kam niemand auf den Gedanken, diese kurzweiligen Zugänge als Leseübung einzuordnen. Der Unterricht fand anfangs in Kleingruppen statt und KlassenlehrerInnen durften mir SchülerInnen empfehlen, die dann zum Lesetraining eingeladen wurden. In besonderen Fällen holte ich auch die Eltern mit ins Boot, die ja auch schon bei der Lese-Früherziehung wesentliche Fördermaßnahmen übernehmen (können). Mitunter war es auch nötig, therapeutischen Rat von speziellen Experten einzuholen. Die Kinder in ihrer Ganzheit wahrzunehmen, über den Tellerrand der eigenen Kompetenzen zu schauen, kann zu entscheidenden Veränderungen beitragen.

Wenn es Corona wieder zulässt, kommen Sie mit Billie Bohne in die Schulklassen und sorgen für eine abwechslungsreiche Schulstunde.
Auf jeden Fall versuche ich, die Billie-Bohne-Lesungen mit unterhaltsamen, informativen und kreativen Überraschungen attraktiv zu gestalten!
Auf der Homepage des Verlages stehen Unterrichtsmaterialien übrigens kostenfrei zum Download zur Verfügung, die ich (in Form von Rätseln, Schreibanregungen und Fragen zum Buchinhalt) erstellt habe. Zu den Lesungen bringe ich noch weitere Arbeitsanregungen mit.

Tina Tanzer, die Illustratorin ihrer Billie-Bohne-Reihe, übt eigentlich ganz andere Berufe aus?
Ja, meine Tochter arbeitet als Projektmanagerin im Gesundheitsbereich und hat eine eigene Shiatsu-Praxis in Wien. Sie zeichnet nicht nur gerne, sondern sie schreibt auch, wenn noch Zeit dafür ist. So hat sie beide Begabungen übernommen, das bildnerische Talent ihres Vaters (er hat „Bildnerische Erziehung“ studiert und unterrichtet) und meine Schreiblust.

Zwei Fragen zum Abschluss: Der erste Billie-Bohne-Band (Billie Bohne. Im Meer der Gefühle) ist ja bereits erschienen und kann bei Ihnen, beim Verlag und in Buchhandlungen erworben werden. Wie kann man Kontakt zu Ihnen aufnehmen? Wann bekommt man die weiteren Bände zu lesen?
Auf meiner Homepage findet man meine Kontaktdaten. Ich nehme gerne Buchbestellungen entgegen, die Kosten belaufen sich auf Euro 14,90 pro Buch plus Porto. Das Porto entfällt ab einer größeren Bestellmenge, da Billie Bohne gerne als Klassenlektüre eingesetzt wird. (Hinweis für Lehrkräfte aus OÖ: Übrigens unterstützt das Land Oberösterreich mit dem OÖ Bücherbonus den Ankauf von Kinderliteratur oberösterreichischer Autoren durch Schulen unbürokratisch und großzügig. Das Formular KGD- K/E- 33​​​​​​​ ist auf der Landeshomepage​​​​​​​ zu finden)
Ich bringe zu den Lesungen auf jeden Fall meinen Billie-Bücherkoffer mit. Die Kosten für die Lesungen werden individuell vereinbart, je nach Entfernung des Leseortes, der Anzahl der aufeinander folgenden Lesungen und der Gruppengrößen.
Zu Ihrer weiteren Frage: Der zweite Band „Billie Bohne. Auf der Insel des Glücks“ wartet bereits beim Verlag auf das Erscheinen, das sich durch Corona etwas verzögert hat. Spontane Vorbestellungen werden jederzeit gerne gesehen, da sich die Auflagenhöhe danach ausrichten könnte. Am dritten Band „Billie Bohne. Mitten im Leben“ arbeiten Tina und ich gerade. Er steht kurz vor der Fertigstellung. 

Gibt es dann noch einen vierten Band oder mehr?
Das kann durchaus sein, da lege ich mich derzeit noch nicht fest! Ich verrate nur eines: Großes Interesse beflügelt und motiviert mich natürlich sehr :-)

Wir verlosen 3 Exemplare von "Billie Bohne"!

Zum Inhalt: Billie, eigentlich Sybille, gehört zu den aufgeweckten Mädchen in der Klasse, lässt nichts über ihre Patchworkfamilie kommen und ist ziemlich sauer auf Max, den Klassenclown, der manchmal redet, ohne vorher groß nachzudenken. Aber in Frau Schröder, einer erfahrenen Lehrerin, findet sie eine Verbündete, wenn es um Gerechtigkeit, Weitsicht und ein bisschen Augenblinzelei geht.

Hier geht´s zum Gewinnspiel!​​​​​​​

Wichtiger Hinweis für Bibliothekarinnen und Bibliothekare: Förderung beim Ankauf von Büchern oö. Autorinnen und Autoren.

Hier können Sie die Arbeitsblätter kostenlos downloaden​​​​​​​ (PDF)!

Stimmen zum Buch "Billie Bohne"

„Billie Bohne ist eine patente kleine Persönlichkeit!
Es war ein Vergnügen, sie kennengelernt zu haben! Schnell ist mir die taffe Billie Bohne eine Tochter des Herzens geworden. Sie ist schlau und nur vordergründig „pflegeleicht“, denn an Regeln hält sie sich dann, wenn sie ihrer Meinung nach klug und richtig sind. Das Leben ist aufregend für Billie Bohne, sie ist neugierig und will die Dinge des Lebens verstehen. Eine entzückende Kinderbuch-Heldin, die für ihre jungen Leserinnen und Leser verspielte und dennoch praktikable Tipps und Lösungsmodelle für alle Lebenslagen aufzeigt, ohne besserwisserisch zu wirken. Entzückend und lesenswert!“

Monika Krautgartner, Autorin, Kolumnistin, Mutmacherin

„Das Buch der oberösterreichischen Kinderbuchautorin Juta Tanzer nimmt die Leserinnen auf eine gefühlvolle Reise in die Welt von Sybille (Billie) mit, die wie jedes Kind Höhen und Tiefen in ihrer Entwicklung erlebt und dabei lernt, sich Schwierigkeiten zu stellen und diese auch zu meistern. Das Buch ist für LeserInnen ab 10 Jahren verfasst. Es enthält viele lebendige Beschreibungen von Alltagssituationen, die es Kindern gut ermöglichen, in die Gefühlswelt der Protagonistin einzutauchen und mit ihr eine Runde „im Meer der Gefühle“ zu schwimmen.“

Birgit Heindler, BEd, Schulbibliothekarin

„Lebensnah, einfühlsam, humorvoll und ohne pädagogischen Zeigefinger finden Kinder ab 10 Jahren in den Geschichten um Billie Bohne Aufmunterung, Selbstbestätigung und Trost, wenn es in ihrem Leben anders läuft als geplant und die eigenen Gefühle Achterbahn fahren.“

Dr. Bärbl Gläser, Journalistin

Juta Tanzer
lebt in Oberösterreich, arbeitete viele Jahre als Pädagogin, Deutschlehrerin und Schulbibliothekarin und studierte Erziehungswissenschaft & Soziale Verhaltenswissenschaften. Sie schreibt gerne Geschichten und Gedichte für Kinder und Erwachsene, die in Anthologien, Literaturzeitschriften und in ihren Büchern zu finden sind.
Die erste Veröffentlichung gelang ihr bereits im Alter von zwölf Jahren und sie möchte am liebsten alle Kinder für das Lesen begeistern. 

Wer Fragen hat, Bücher bestellen oder Lesungen buchen möchte, schickt einfach eine Mail.

Bisher erschienen:
Billie Bohne. Im Meer der Gefühle (2020)
Billie Bohne. Auf der Insel des Glücks (erscheint 2021)
In Arbeit:
Billie Bohne. Mitten im Leben