Digitale Schule: Geräte später, Fragen bleiben

Mit der geplanten Verschiebung der Geräteinitiative von der 5. in die 6. Schulstufe sorgt Bildungsminister Christoph Wiederkehr derzeit für Diskussionen an Österreichs Schulen. Auf Anfrage von schule.at bestätigt das Bildungsministerium zwar mehrere Details, lässt aber einige Fragen, etwa nach der praktischen Umsetzung der neuen Lehrpläne, offen.

Volksschüler beim Arbeiten an den Laptops

Dauerhafte Änderung statt Übergangslösung

War nach der Budgetrede des Finanzministers noch nicht klar, ob die spätere Geräteausgabe eine einmalige Maßnahme war, ist nun klargestellt: Die Verschiebung ist gekommen, um zu bleiben. Damit erhalten die ersten Schülerinnen und Schüler nach dem neuen Modell ihre Geräte erst im zweiten Semester der 6. Schulstufe, also im Februar 2029. Eine Rückkehr zur bisherigen Regelung sei derzeit nicht geplant.

Schulbereich nun doch von Einsparungen betroffen

Während die Bundesregierung im Zuge der Budgetdebatte wiederholt betont hat, dass im Bildungsbereich nicht gespart werden solle, verweist das Bildungsministerium nun darauf, dass die Verschiebung einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Budgetziele leiste. Im Budgetbericht werden Einsparungen von 30 Millionen Euro im Jahr 2027 und 50 Millionen Euro im Jahr 2028 genannt. Gleichzeitig verweist das Ressort auf pädagogische Gründe und internationale Studien, die für eine spätere Geräteausgabe sprechen würden.

Lehrpläne bleiben anspruchsvoll

Die wohl wichtigste Frage aus Sicht vieler Schulen betrifft die neuen Lehrpläne. Diese sehen bereits ab der 5. Schulstufe Kompetenzen in Bereichen wie Künstliche Intelligenz, Programmierung, Datenanalyse, Medienbildung und digitale Kreativität vor. Wie diese Inhalte künftig ohne persönliche Endgeräte vermittelt werden sollen, beantwortet das Ministerium mit dem Hinweis auf die pädagogische Freiheit der Lehrkräfte und die freie Wahl der Unterrichtsmittel. Konkrete Vorgaben für die Umsetzung nennt das Ressort nicht.

Infrastruktur als Schlüssel

Auch bei der technischen Ausstattung der Schulen bleibt das Ministerium eher allgemein. Die Digitale Grundbildung könne weiterhin umgesetzt werden – entweder durch vorhandene Infrastruktur oder durch schulautonome Lösungen. Auf konkrete Erhebungen zur tatsächlichen Ausstattung mit Computerräumen, Klassensätzen oder Leihgeräten verweist die Antwort jedoch nicht.

Unterstützung für Schulen angekündigt

Unterstützt werden sollen Schulen nun durch ein Servicepaket. Geplant sind Informationsveranstaltungen für Schulleitungen sowie Unterrichtsmaterialien, die ausdrücklich auch eine Umsetzung der Digitalen Grundbildung ohne persönliche Endgeräte ermöglichen sollen.

Bildungsdirektionen sehen Maßnahme positiv

Nach Angaben des Ministeriums wurden die Bildungsdirektorinnen und Bildungsdirektoren in die Überlegungen eingebunden. Die Maßnahme sei dort mehrheitlich klar begrüßt worden. Als Argumente nennt das Ressort unter anderem die Förderung sozialer Kompetenzen und ein leichteres Ankommen in der neuen Schulumgebung der 5. Schulstufe.

Evaluation erst in einigen Jahren

Ob die spätere Geräteausgabe tatsächlich die gewünschten Effekte bringt, soll erst langfristig untersucht werden. Das Ministerium plant eine entsprechende Studie im Schuljahr 2031/32, wenn die erste Schülergeneration die Unterstufe vollständig nach dem neuen Modell durchlaufen hat.

Offene Fragen bleiben

Ungeklärt bleibt weiterhin, wie die neuen digitalen Lehrpläne künftig konkret umgesetzt werden sollen und auf welcher Datengrundlage das Ministerium davon ausgeht, dass die vorhandene technische Infrastruktur an den Schulen dafür ausreicht. Diese Fragen dürften wohl viele Schulen in den kommenden Monaten intensiv beschäftigen.