Kinder mit geistiger Behinderung kommen schwerer in Inklusionsklassen

Daten von 26.000 Schüler:innen
Sonderschule oder Inklusionsklasse? Welchen Unterricht Kinder oder Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) besuchen, hängt in Österreich von vielen Faktoren ab. Für die aktuelle Studie im “International Journal of Inclusive Education” wurden die Daten von rund 26.000 Schüler:innen mit SPF analysiert. Die drei Autor:innen, Sabrina Temel und Barbara Gasteiger-Klicpera von der Uni Graz und Mario Steiner vom Institut für Höhere Studien (IHS), kritisieren teils willkürliche Zuweisungen.
Nachteil mit Autismus und Verhaltensauffälligkeit
Rund 4,8 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Österreich haben SPF, davon werden im Durchschnitt 60 Prozent in inklusiven Klassen unterrichtet - allerdings mit teils starken Abweichungen: Bei Schüler:innen mit Verhaltensauffälligkeiten oder Autismus-Spektrum-Störung ist es nur die Hälfte, wobei für Mädchen bzw. Kinder mit einer anderen Umgangssprache als Deutsch die Wahrscheinlichkeit, eine Inklusionsklasse zu besuchen, noch einmal geringer ist.
Nur ein Fünftel in Inklusionsklassen
Die größte Kluft zeigt sich in der Studie bei verhaltensauffälligen bzw. autistischen Schüler:innen, denen zusätzlich eine geistige Behinderung diagnostiziert wurde. Nur etwas mehr als ein Fünftel der Kinder aus diesen beiden Gruppen werden in einer Inklusionsklasse beschult, unter SPF-Schüler:innen mit anderen Diagnosen sind es jeweils an die 70 Prozent.
Forderung nach Professionalisierung
Die Studienautor:innen plädieren dafür, die Diagnose und Zuteilung von SPF-Schüler:innen professioneller aufzustellen. Formell entscheiden zwar die Eltern, welche Schule die Kinder besuchen, aber in der Praxis hänge die Wahl stark vom Angebot und der Beratung ab. Von der inklusiven Beschulung profitieren laut der Studie nicht nur die Kinder und Jugendlichen mit SPF, sondern auch die anderen Schüler:innen.