Kritik an Qualitätssicherung bei Lernapps

Unterschiedliche Maßstäbe bei Schulbuch und App
Der Österreichische Bundesverlag Schulbuch begrüßt grundsätzlich, dass es künftig ein klares Finanzierungsmodell für digitale Bildungsmedien geben soll. Gleichzeitig warnt Geschäftsführer Philipp Nussböck vor zu niedrigen Qualitätsanforderungen. Gedruckte Schulbücher durchlaufen derzeit ein aufwendiges Approbationsverfahren, bei dem Inhalte über viele Monate hinweg fachlich und lehrplankonform geprüft werden. Für Lernapps seien diese inhaltlichen Kriterien hingegen nur ein Teil von mehreren gleich gewichteten Anforderungen.
Kritik an Punktevergabe im Zulassungsverfahren
Aus Sicht des ÖBV können Lernapps auch dann die notwendige Punktezahl erreichen, wenn sie inhaltliche Schwächen haben, solange sie etwa bei technischen oder gestalterischen Aspekten gut abschneiden. Merkmale wie Personalisierung oder Bewegungsintensität würden damit auf eine Stufe mit fachlicher Korrektheit gestellt. Das sei problematisch, wenn der Staat die Kosten für diese Angebote übernehme.
Ministerium weist Vorwürfe zurück
Im Bildungsministerium wird die Kritik zurückgewiesen. Apps müssen laut Ressort mindestens 65 Prozent der Gesamtpunkte sowie jeweils die Hälfte der Punkte in allen drei Hauptkategorien erreichen. Die fachliche Richtigkeit der Inhalte werde gezielt im Bereich pädagogische und didaktische Konzepte überprüft. Anwendungen mit gravierenden fachlichen Fehlern könnten das Zulassungsverfahren daher nicht erfolgreich abschließen.
Schulautonomie als zentrales Argument
Die Allianz Bildungsmedien, ein Zusammenschluss von Schulbuchverlagen und Anbietern digitaler Bildungsmedien, bewertet den Marktplatz Lernapps positiver. Die bewusst niederschwellige Qualitätssicherung stärke die Verantwortung von Schulen und Lehrkräften und damit die Schulautonomie. Zudem seien die Lernapps ausdrücklich als Ergänzung für Selbstlernphasen gedacht und nicht als Ersatz für Lehrwerke, die den gesamten Lehrplan abdecken.
Übergangslösung mit offenem Ausgang
Langfristig hält auch die Allianz vergleichbare Qualitätsanforderungen für gedruckte und digitale Bildungsmedien für sinnvoll. Diese müssten jedoch einfacher, transparenter und schneller gestaltet sein. Der Marktplatz Lernapps wird als Übergangslösung gesehen, bis digitale Bildungsmedien vollständig in die Schulbuchaktion integriert sind. Kritisch sieht der ÖBV die Gefahr, dass dadurch Mittel für klassische Schulbücher gekürzt werden könnten.
Fördermodell für digitale Lernprogramme
Mit dem neuen Marktplatz erhalten Schulen je nach Zahl der Lernenden ein fixes Budget, das für digitale Lernprogramme eingesetzt werden kann. Laut Bildungsministerium soll dies individualisiertes und KI-gestütztes Lernen fördern und langfristig auch den Bedarf an externer Nachhilfe reduzieren. Wie sich das Modell in der Praxis bewährt, wird sich im Probebetrieb ab den kommenden Wochen zeigen.