Lebenswelten 2025: Jugend zwischen Optimismus und Druck

Große Beteiligung und breite Datengrundlage
Die Studie wurde von allen 14 Pädagogischen Hochschulen Österreichs gemeinsam durchgeführt und umfasst rund 270 Fragestellungen. Ziel war es, ein möglichst umfassendes Bild der Lebenswelten von Jugendlichen zu zeichnen. Ein zentrales Ergebnis betrifft die Werte junger Menschen. Besonders wichtig sind stabile Beziehungen, eine gute Ausbildung und Lebensfreude. Gleichzeitig zeigt sich eine Verschiebung hin zu stärker materialistisch geprägten Zielen wie einem hohen Lebensstandard oder beruflichem Aufstieg. Diese Entwicklung wird im Kontext gesellschaftlicher Unsicherheiten interpretiert. Jugendliche streben verstärkt nach Stabilität und Absicherung, während idealistische Werte wie Umweltschutz oder gesellschaftliches Engagement an Bedeutung verlieren.
Gesundheitliche Belastungen nehmen zu
Deutlich sichtbar ist eine Verschlechterung des gesundheitlichen Wohlbefindens seit 2020. Rund ein Drittel der Jugendlichen berichtet von häufigen Beschwerden wie schlechter Stimmung, Schlafproblemen oder Kopfschmerzen. Besonders betroffen sind junge Frauen sowie Jugendliche aus sozial benachteiligten Verhältnissen. Auch schulbezogene Belastungen spielen eine große Rolle: Ein Viertel der Jugendlichen gibt an, regelmäßig unter durch Schule verursachten körperlichen Beschwerden zu leiden.
Schule zwischen Zufriedenheit und Stress
Die Ergebnisse zeigen ein ambivalentes Bild der Schule. Einerseits geben rund 80 Prozent der Jugendlichen an, im Unterricht gut arbeiten zu können, und viele erleben unterstützendes Feedback durch Lehrpersonen. Andererseits berichten 59 Prozent von Sorgen im schulischen Kontext. Besonders auffällig ist der Zusammenhang zwischen wahrgenommener Unterstützung durch Lehrkräfte und dem Wohlbefinden der Jugendlichen. Defizite zeigen sich vor allem bei der Differenzierung im Unterricht.
Demokratie unter Druck
Ein besonders markanter Befund betrifft die Einstellung zur Demokratie. Die Zufriedenheit ist seit 2020 deutlich gesunken und liegt nur mehr bei 42 Prozent. Gleichzeitig bleibt die grundsätzliche Zustimmung zu demokratischen Werten hoch. Viele Jugendliche fühlen sich jedoch nicht ausreichend gehört. Bildungsminister Wiederkehr betonte in diesem Zusammenhang die zentrale Rolle der Schule als Ort gelebter Demokratie und kündigte eine weitere Stärkung der politischen Bildung an.
Persönlicher Optimismus trifft gesellschaftliche Skepsis
Trotz der Herausforderungen blickt eine große Mehrheit der Jugendlichen positiv in die eigene Zukunft. Gleichzeitig zeigt sich eine deutlich geringere Zuversicht in Bezug auf die gesellschaftliche Entwicklung. Diese Diskrepanz zieht sich durch viele Bereiche der Studie. Sie verweist auf eine Generation, die einerseits zuversichtlich in ihr eigenes Leben blickt, andererseits aber Unsicherheiten im gesellschaftlichen Umfeld wahrnimmt.
Ausblick für Schule und Bildung
Die Studie liefert wichtige Hinweise für Schule und Bildungspolitik. Neben der Stärkung der psychischen Gesundheit und der Demokratiebildung wird auch die Rolle der Schule als unterstützender Lebensraum betont. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass Jugendliche Orientierung, Stabilität und verlässliche Beziehungen brauchen. Schule kommt dabei eine zentrale Rolle zu – nicht nur als Lernort, sondern als sozialer Raum, der Sicherheit und Mitgestaltung ermöglicht.