Lehrerausbildung: Unis erhöhen den Druck

Die Universitätenkonferenz uniko hat ein Konzept vorgelegt, mit dem sie schrittweise die gesamte Lehrerausbildung an die Universitäten holen will. Konkret geht es um die Einrichtung von sogenannten “Schools of Education”. Der Vorstoß ist eine klare Interessenposition der Universitäten – in einem seit Jahren schwelenden Strukturkonflikt mit den Pädagogischen Hochschulen.

Ein Konflikt mit Geschichte

Der Streit begleitet das System spätestens seit der Reform der Pädagoginnenbildung NEU ab 2013. Seither wird die Ausbildung für die Sekundarstufe Allgemeinbildung in regionalen Verbünden organisiert. Universitäten und Pädagogische Hochschulen teilen sich Verantwortung und Lehre. Je nach Fach tragen die Universitäten einen Großteil der fachwissenschaftlichen Anteile, während die Pädagogischen Hochschulen stark in Bildungswissenschaften und schulpraktischer Ausbildung verankert sind. Für Volksschule und Berufsbildung sind bislang ausschließlich die Pädagogischen Hochschulen zuständig.

Unterschiedliche Selbstverständnisse

Hinter dem aktuellen Vorstoß stehen unterschiedliche institutionelle Logiken. Universitäten betonen ihre Forschungsorientierung und argumentieren, dass eine einheitliche Organisation unter ihrem Dach Effizienzgewinne bringe und neue wissenschaftliche Erkenntnisse rascher in die Schulen getragen werden könnten. Pädagogische Hochschulen verweisen hingegen auf ihre Praxisnähe, ihre enge Zusammenarbeit mit Schulen und ihre zentrale Rolle in der Fort- und Weiterbildung des Lehrpersonals.

Eine Machtfrage im Hintergrund

Eine vollständige Verlagerung der Lehrerausbildung an die Universitäten hätte auch strukturelle Folgen. Pädagogische Hochschulen sind dem Bildungsministerium nachgeordnet. Dieses kann dadurch direkt Einfluss auf Lehrerausbildung und insbesondere auf die Fort- und Weiterbildung nehmen. Universitäten unterliegen hingegen dem Wissenschaftsministerium und handeln im Rahmen ihrer Autonomie. Eine Verschiebung der Zuständigkeit würde daher die unmittelbaren Steuerungsmöglichkeiten des Bildungsressorts deutlich verändern.

Was die Universitäten konkret vorschlagen

Das Konzept sieht vor, an allen beteiligten Universitäten eigene Schools of Education einzurichten, in denen sämtliche Lehramtsagenden gebündelt werden. Zunächst soll die Ausbildung für die Sekundarstufe Allgemeinbildung vollständig an die Universitäten übergehen. In weiteren Schritten werden auch Fort- und Weiterbildung sowie perspektivisch die Ausbildung für Volksschule und Berufsbildung genannt.

Teile des Personals und der Infrastruktur der bisherigen Pädagogischen Hochschulen sollen dabei integriert werden. In Bundesländern ohne Volluniversität wären Zweigstellen oder Kooperationsmodelle vorgesehen – unter Führung der Universitäten.

Grundsatzfragen für das System

Der Vorstoß macht deutlich, dass zentrale Fragen der Lehrerbildung weiterhin offen sind. Es geht um das Verhältnis von Wissenschaftlichkeit und Praxisbezug, um organisatorische Zuständigkeiten und um die strategische Steuerung des Systems.