Mehr als nur Lateinkürzung: Was der neue AHS-Lehrplan bringt

Das Ministerium hat die Änderungen für die AHS-Oberstufenlehrpläne jetzt in Begutachtung gegeben. Neben den Kürzungen bei Latein und der zweiten lebenden Fremdsprache sowie den neuen Fächern gibt es einige Änderungen. Schulautonom sind viele Varianten möglich. 

Schüler in einer Schule

Frist endet am 11. August

Die Reform der Lehrpläne für die Oberstufe der Allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) ist nun in Begutachtung gegangen, am 11. August endet die Begutachtungsfrist. Neben den groß angekündigten und diskutierten Änderungen, etwa bei Latein und KI, gibt es viele weitere Verschiebungen und Anpassungen, die ab Herbst 2027 schrittweise in den Gymnasien umgesetzt werden. In welcher Form, das hängt allerdings stark von den jeweiligen Schulen ab: Denn nur zehn Prozent aller AHS verwenden die vom Ministerium vorgegebenen Stundentafeln. Im Rahmen der Schulautonomie gibt es also viel Spielraum. 

Die Änderungen im Detail

  • Neu ist das Fach “Medien und Demokratie” mit zwei Wochenstunden, das ein theoretisches Fundament mit praktischen Projekten verknüpfen soll.
  • Der Informatikunterricht wird um das Thema KI ergänzt, erhält den Namen "Informatik und Künstliche Intelligenz" und von zwei auf drei Wochenstunden aufgestockt.
  • Dafür fallen zwei Stunden Latein oder zweite lebende Fremdsprache sowie eine Stunde Wahlpflichtfach weg. Die Gesamtstundenzahl in der AHS-Oberstufe bleibt also gleich.
  • Chemie wird (sofern nicht schulautonom anders geregelt) von der 7. und 8. Klasse in die 6. und 7. Klasse verschoben.
  • "Bildungs-, Berufsorientierung und Lebensgestaltung", "Medien und Gestaltung" , "Projektmanagement" sowie "Technik und Design" werden in den Kanon der Wahlpflichtgegenstände aufgenommen.
  • Im Wirtschaftskundlichen Realgymnasium wird der neue Pflichtgegenstand "Wirtschaft, Innovation und Nachhaltigkeit" (in Unter- wie Oberstufe) eingeführt, in dem unter anderem Grundlagen der Betriebswirtschaft (wie Preisgestaltung und Umsatzberechnung) und Entrepreneurship, Ressourcenmanagement oder Kreislaufwirtschaft am Stundenplan stehen. Im Gegenzug wird bei Geografie gekürzt, wobei auch hier anderweitige schulautonome Lösungen möglich sind.
  • In Geografie und Wirtschaftskunde gibt es einen stärkeren Fokus auf Wirtschafts- und Finanzbildung, rein naturwissenschaftliche Fragestellungen fallen weg. Themen wie Migration, Regionalentwicklung oder natürliche Bevölkerungsentwicklung bleiben zwar am Lehrplan, allerdings nicht mehr wiederkehrend in unterschiedlichen Klassen.

Viel Spielraum

Generell schließen die Oberstufen-Lehrpläne an die 2023 geänderten Unterstufen-Lehrpläne an und bringen eine stärkere Kompetenzorientierung. Im Detail gibt es viele Sonderregeln: So existiert nicht ein einziger AHS-Oberstufenlehrplan, sondern je nach Schulform (Gymnasium, Realgymnasium, Wirtschaftskundliches Realgymnasium etc.) verschiedene. Manche Schulen wie das Theresianum haben sogar einen eigenen Lehrplan. 

Bündeln, koppeln, unterschreiten

Auch die Schulautonomie erlaubt weitere Variationen: Schulen können für Medien und Demokratie auch bei anderen Fächern statt Latein oder Sprachen kürzen, dürfen aber nicht unter die für die Fächer vorgegebene Mindeststundenzahl fallen. Ebenfalls möglich wäre es, Medien und Demokratie mit anderen Gegenständen zu koppeln und integriert zu unterrichten. Ganz generell werden mit den neuen Lehrplänen schulautonome Gestaltungsmöglichkeiten ausgebaut: So können etwa Pflichtgegenstände (mit Ausnahme von Religion und Ethik) leichter gebündelt werden. Konkret wird auch die Möglichkeit erweitert, die Mindestwochenstundenzahl der einzelnen Fächern zu unterschreiten (künftig in bis zu fünf Fächern um je eine Wochenstunde möglich).

Schrittweise ab Herbst 2027 in Kraft

In Kraft treten sollen die Lehrpläne für die fünften Klassen mit 1. September 2027, für die sechsten Klassen dann am 1. September 2028, für die siebenten Klassen am 1. September 2029 und für die achten Klassen am 1. September 2030. 

Quelle: APA Science