Mehr Wahlfreiheit: Neuer Anlauf für modulare Oberstufe

Die Bundesregierung plant, dass bis März 2027 die Bürokratie abgebaut wird und die Schulen flexibler agieren können. Das aktuelle Modell der “semestrierten Oberstufe” wird kaum genutzt.

Mehr Wahlfreiheit in der Oberstufe

Mehr schulautonome Freiräume

“Modulare Oberstufe”, “Neue Oberstufe”, nun “semestrierte Oberstufe”: Seit mehr als 20 Jahren laufen in Österreich Versuche, mehr Wahlfreiheit in der Oberstufe an AHS und BMHS zu etablieren. Diesmal will die Regierung das Modulsystem über mehr schulautonome Freiräume in die Breite bringen. Neben neuen rechtlichen Rahmenbedingungen hat sie dafür bis März 2027 auch Begleitmaßnahmen wie pädagogische Konzepte, Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften und Unterstützungsangebote für die Standorte angekündigt. Bisherige Erfahrungen mit der modularen Oberstufe sollen "berücksichtigt und in die Weiterentwicklung integriert" werden.

Semestermodule ab 10. Schulstufe

Aktuell können Schulen zwischen der klassischen ganzjährigen Form und der “semestrierten Oberstufe” wählen: Bei ihr wird ab der 6. Klasse AHS und der 2. Klasse der Berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) der Stoff in Semestermodule unterteilt, bei einem Fünfer muss nur das negative Modul wiederholt werden. Bei Bedarf bekommen die Schülerinnen und Schüler Beratung durch eine individuelle Lernbegleitung. Schulautonom kann außerdem auf ein Kurssystem umgestellt werden, bei dem die Jugendlichen sich in alternativen Pflichtgegenständen vertiefen oder Module aus höheren Semestern vorziehen können.

Weniger als 100 Schulen lehren modular

Das modulare System wird allerdings kaum genutzt: Laut der aktuellen Schulformensystematik des Bildungsministeriums haben sich gerade einmal 24 AHS für eine "Semestrierte Oberstufe" entschieden, unter den BMHS sind es 72. Ein echtes Modulsystem, bei dem die Jugendlichen die Fächer zum Großteil nach ihren Begabungen und Interessen wählen können, gebe es in der Praxis nur an sehr wenigen Schulen, sagte Heinrich Himmer, SPÖ-Bildungssprecher und ehemaliger Lehrergewerkschafter.

“Flexible Schwerpunktsetzung”

Künftig sollen vor allem die AHS-Oberstufen mehr Freiräume bekommen, um den Jugendlichen eine "flexible Schwerpunktbildung im Rahmen eines Kurs-Modulsystems" zu ermöglichen, heißt es im Ministerratsbeschluss der Regierung. Geht es nach der SPÖ, sollen Schülerinnen und Schüler nicht nur mehr Unterrichtsstunden als bisher nach den eigenen Interessen aussuchen können. Im Idealfall sollen sie auch bei allen Pflichtgegenständen die Wahl haben zwischen einem Basismodul und einem Modul zur Vertiefung oder zusätzlichen Förderung. Ein komplettes Abwählen von Pflichtfächern wie Mathematik sollte aus Himmers Sicht auch in Zukunft nicht möglich sein. "Es gibt einen etablierten Fächerkanon, der sollte auch grundsätzlich erhalten bleiben."

Neue Regeln zum Sitzenbleiben

Himmer möchte auch die Regeln zum Sitzenbleiben ändern. Bei der "semestrierten Oberstufe" kann man nur noch mit maximal einem bzw. einmalig mit zwei negativen Modulen ins nächste Semester oder die nächste Klasse aufsteigen und die Semesterprüfung nur einmal wiederholen. "Damit ist das Aufsteigen nicht wesentlich anders als in einer Ganzjahresschule geworden", so Himmer. 

Pflicht zur Mindeststandard

Durch die neuen Module solle die Schule nicht einfacher, sondern individueller werden. Wie die Umsetzung an den einzelnen Standorten konkret aussieht, will Himmer den Schulen überlassen. Eine Mindestmaß - Module wenigstens zur Vertiefung oder Förderung und Maßnahmen gegen Semester- bzw. Jahresverluste - sollte aus seiner Sicht allerdings für alle Oberstufen Pflicht sein.

Quelle: APA Science