Meteorologe Ohms: Wie uns unsere Sinne beim Klimawandel trügen
Junge Generation besonders betroffen
Der Klimawandel betrifft vor allem die junge Generation: Das unterstreicht der Meteorologe Alexander Ohms von der Geosphere Austria gleich zu Beginn seines Vortrags im Rahmen der Fachtagung GW aktuell 2026. Denn viele Veränderungen - seien es Rekordtemperaturen, Extremwetterereignisse oder der Anstieg des Meeresspiegels - werden in Zukunft noch deutlicher spürbar. Und erst in Jahrzehnten werden die Folgen eines konsequenten (oder weniger konsequenten) Klimaschutzes sichtbar.
Ein Winter, der täuscht
Zunächst geht Ohms auf den Unterschied zwischen Wetter und Klima ein: Der vergangene Winter wurde von vielen als “richtiger” Winter wahrgenommen, doch langfristige Messreihen zeigen deutlich, dass einzelne kalte Phasen nur einen kurzen Gegentrend zur langfristigen Erwärmung darstellen. Klima beziehe sich auf Zeiträume von mehreren Jahrzehnten und nicht - wie das Wetter - auf wenige Tage.
Österreich erwärmt sich besonders stark
Die Daten der vergangenen Jahrzehnte belegen, dass Österreich sich deutlich stärker erwärmt als der globale Durchschnitt - und das nicht nur in den Städten, sondern vor allem im alpinen Bereich. Ohms rechnet damit, dass die Erwärmung noch zumindest bis zum Ende des 21. Jahrhunderts voranschreiten wird. Diese Entwicklung beeinflusst auch die Häufigkeit und Intensität extremer Wetterereignisse: So werden stehende Gewitter mit extremen Niederschlagsmengen zunehmen, die Schneedecke in allen Lagen hingegen stark abnehmen.
Mehr Hitze, veränderte Niederschläge
Mit steigenden Temperaturen nimmt auch die Zahl der Hitzetage zu, also Tage mit Temperaturen über 30 °C. Gleichzeitig verändern sich Niederschlagsmuster: In manchen Jahren treten ausgeprägte Trockenperioden auf, die sich etwa in niedrigen Grundwasserständen bemerkbar machen, dann wieder Starkniederschläge.
Szenarien bis zum Jahr 2100
In welche Richtung sich das Klima entwickelt, ist nicht 100-prozentig vorhersehbar, aber die Klimaszenarien werden immer treffsicherer. Auch die Frage, wie ambitioniert Klimaschutz auf einer globalen Ebene betrieben wird, kann die Temperaturentwicklung deutlich beeinflussen. Für Oberösterreich bedeutet das bis zum Ende des Jahrhunderts einen Temperaturanstieg zwischen 2,3 oder 3,9 °C, also eine gehöriger Spielraum je nach Erfolg der Klimamaßnahmen. Diese Differenz hat große Auswirkungen auf Hitzeperioden, Wasserhaushalt, Landwirtschaft und Lebensbedingungen in Städten.
Spürbarer Klimawandel
Bereits jetzt bedingt der Klimawandel vielfältige Veränderungen in Oberösterreich, so etwa die Entwässerung des Alpenvorlands, Änderungen der Tier- und Pflanzenwelt mit Auswirkungen auf Land- und Forstwirtschaft, einen geänderten Heiz- und Kühlbedarf sowie die Energiewirtschaft, da die Flüsse im Frühjahr weniger Schmelzwasser bringen. Zu den Gewinnern des Klimawandels zählen laut Ohms der Obst- und Weinbau sowie der Sommertourismus, der von besseren Badebedingungen in heimischen Seen profitiert.
Bedeutung für den Unterricht
Der Vortrag macht deutlich, dass Klimawandel ein zentrales Thema für den Unterricht an österreichischen Schulen ist. Schülerinnen und Schüler sind die Generation, die viele der prognostizierten Veränderungen unmittelbar erleben wird. Die im Vortrag präsentierten Daten und Szenarien bieten eine wichtige Grundlage, um im Unterricht naturwissenschaftliche Zusammenhänge, regionale Auswirkungen und gesellschaftliche Handlungsoptionen zu diskutieren. Gleichzeitig kann die Beschäftigung mit realen Messdaten und regionalen Beispielen dazu beitragen, Klimawandel verständlich zu machen und Kompetenzen für eine reflektierte Auseinandersetzung mit zukünftigen Herausforderungen zu fördern.