Minister Wiederkehr präsentiert Neuerungen fürs kommende Schuljahr

Mit dem Schuljahr 2026/27 starten an Österreichs Schulen mehrere neue Maßnahmen. Das Bildungsministerium nennt insgesamt zehn Projekte, die von zusätzlichen Personalressourcen über Änderungen bei der Deutschförderung bis zu neuen Unterstützungsangeboten bei Suspendierungen reichen. Auch Schulleitungen sollen durch ein neues Mittleres Management und weniger Bürokratie entlastet werden.

Chancenbonus startet an 400 Schulen

400 Volks- und Mittelschulen mit besonders herausfordernden sozialen Rahmenbedingungen erhalten ab dem neuen Schuljahr zusätzliche Personalressourcen. Insgesamt können dabei zehn unterschiedliche Berufsgruppen eingesetzt werden – von Lehrpersonen über Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter sowie Schulpsychologinnen und Schulpsychologen bis hin zu Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Legasthenie- und Dyskalkietrainerinnen und -trainern sowie Musik- und Tanzpädagoginnen und -pädagogen.

Insgesamt sollen rund 800 Vollzeitäquivalente zur Verfügung stehen. Welche zusätzlichen Fachkräfte an einem Standort eingesetzt werden, entscheiden die Schulleitungen entsprechend dem konkreten Bedarf. Die zusätzlichen Ressourcen werden an Schulentwicklungsmaßnahmen gekoppelt.

Mehr Autonomie bei der Deutschförderung

Die Deutschförderung wird mit dem neuen Schuljahr neu aufgestellt. 686 Pflichtschulen, die bisher eine Deutschförderklasse geführt haben, konnten sich für ein autonomes Modell entscheiden. 52 Prozent dieser Schulen haben davon Gebrauch gemacht.

Damit können Schulen die Deutschförderung stärker an die Bedürfnisse ihrer Schülerinnen und Schüler sowie an die jeweiligen Rahmenbedingungen am Standort anpassen. Rund 23.340 außerordentliche Schülerinnen und Schüler sollen im kommenden Schuljahr von dem neuen Modell profitieren.

Gleichzeitig steht ab 2026/27 MIKA-D in einer weiterentwickelten Form zur Verfügung. Das standardisierte Instrument zur Feststellung des Sprachstands in der Unterrichtssprache Deutsch soll künftig flexibler eingesetzt werden und unterschiedliche sprachliche Voraussetzungen gezielter berücksichtigen.

620 Planstellen für Mittleres Management

Eine wesentliche Neuerung betrifft die Organisation an Schulen. Mit dem neuen Schuljahr werden 620 Planstellen für ein Mittleres Management zur Verfügung gestellt. Bis zu vier Lehrkräfte pro Standort können administrative und pädagogische Aufgaben sowie Koordinationsfunktionen übernehmen.

Die Schulleitungen erhalten dabei weitgehende Autonomie bei der Auswahl der Lehrpersonen, der Aufgabenverteilung und der konkreten Ausgestaltung. Voraussetzung ist ein Organisationsplan, in dem Zuständigkeiten und Managementaufgaben festgelegt werden.

Die 620 Planstellen werden teilweise aus neuen Mitteln in Höhe von rund 20 Millionen Euro und teilweise durch die Überleitung der bisherigen Pädagogisch-Administrativen Fachkräfte finanziert. Für das Schuljahr 2027/28 ist der Vollausbau mit rund 800 Planstellen vorgesehen.

Weniger Rundschreiben, neue Plattform

Unter dem Titel „Freiraum Schule“ will das Bildungsministerium bürokratische Belastungen reduzieren. Nach einem Beteiligungsprozess mit mehr als 19.000 Personen aus Schulpraxis und Bildungsverwaltung wurden laut Ministerium bereits 80 Prozent der Rundschreiben gestrichen oder neu geordnet.

Mit dem Schuljahr 2026/27 soll außerdem die Plattform „Teachers.Direct“ starten. Sie soll als zentrales Kommunikationstool zwischen Lehrpersonal und Bildungsdirektionen dienen. Formulare sollen künftig digital übermittelt werden können, anstatt sie auszudrucken, händisch auszufüllen und anschließend wieder einzuscannen.

Neue Begleitung bei Suspendierungen

Für suspendierte Schülerinnen und Schüler werden einheitliche Standards für eine Suspendierungsbegleitung eingeführt. Die maximale Dauer einer Suspendierung beträgt vier Wochen, bei einem Antrag auf Ausschluss ist eine einmalige Verlängerung um zwei Wochen möglich.

Ab einer Suspendierungsdauer von vier Tagen ist eine verpflichtende Begleitung vorgesehen. Während der Suspendierung sollen Schülerinnen und Schüler mindestens acht bis 20 Stunden pro Woche pädagogisch und psychosozial betreut werden. Die Bildungsdirektionen können die Begleitung am Schulstandort, ortsungebunden, in schulartenübergreifenden Gruppen oder gemeinsam mit externen Organisationen organisieren.

Nach der Suspendierung erhalten die Schülerinnen und Schüler einen individuellen Förderplan. Auch die Erziehungsberechtigten sollen in den Veränderungsprozess einbezogen werden.

Schulpsychologie wird weiter ausgebaut

Parallel dazu wird das psychosoziale Unterstützungspersonal ausgebaut. Im kommenden Schuljahr werden 70 zusätzliche Planstellen für die Schulpsychologie geschaffen. Bereits im vergangenen Schuljahr kamen 70 Stellen hinzu.

Bis 2027 soll der Ausbau abgeschlossen sein. Dann sollen insgesamt 200 zusätzliche Schulpsychologinnen und Schulpsychologen zur Verfügung stehen. Auch die Schulsozialarbeit soll weiter ausgebaut werden.

Schuldaten werden erstmals veröffentlicht

Ab Oktober sollen erstmals ausgewählte standortbezogene Daten österreichischer Volksschulen öffentlich zugänglich sein. Dafür wird eine neue Informationsplattform des Bildungsministeriums eingerichtet.

Ziel ist nach Angaben des Ministeriums mehr Transparenz und eine stärker datenbasierte Schul- und Unterrichtsentwicklung. Seit Juni können die Schulleitungen die für ihren Standort vorgesehenen Daten bereits einsehen. Für Schulen der Sekundarstufe soll die Veröffentlichung zum Semesterwechsel vorbereitet werden.

Perspektivengespräche bei Schulabbrüchen

Neu sind verpflichtende Perspektivengespräche, wenn sich Schülerinnen und Schüler ab der 9. Schulstufe an einer AHS oder berufsbildenden mittleren bzw. höheren Schule abmelden oder ausgeschlossen werden. Dabei sollen unter anderem die Gründe für den Abbruch, mögliche weitere Bildungswege und die Ausbildungspflicht besprochen werden.

Die Organisation übernimmt die Schulleitung. Neben der Schülerin oder dem Schüler können unter anderem Erziehungsberechtigte, eine Vertrauenslehrperson sowie externe Fachkräfte aus Schulpsychologie, Schulsozialarbeit oder Jugendcoaching teilnehmen.

Kopftuchverbot ab dem neuen Schuljahr

Mit dem Schuljahr 2026/27 tritt außerdem das Kopftuchverbot für unmündige Schülerinnen in Kraft. Lehrkräfte sind laut den Vorgaben nicht für Sanktionen zuständig. Sie sollen Verstöße erkennen und der Schulleitung melden.

Bei einem erstmaligen Verstoß ist zunächst ein Gespräch mit Schülerin und Erziehungsberechtigten vorgesehen. Bei weiteren Verstößen werden Bildungsdirektion und gegebenenfalls Bezirksverwaltungsbehörde eingebunden. Nach dem vorgesehenen mehrstufigen Verfahren können Verwaltungsstrafen zwischen 150 und 800 Euro verhängt werden.

Sommerschule mit Rekordbeteiligung

Bereits vor dem eigentlichen Schulstart läuft die Sommerschule. Rund 58.600 Schülerinnen und Schüler haben sich heuer angemeldet. Davon nehmen rund 15.800 verpflichtend und 42.800 freiwillig teil. Im Vorjahr waren es rund 41.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Die Sommerschule findet an rund 900 Standorten statt. Knapp 7.000 Lehrkräfte und inklusive Studierende haben sich für einen Einsatz registriert, rund 4.700 kommen tatsächlich zum Einsatz.