Modellregionen für sechsjährige Volksschule in Vorbereitung

Neuer Anlauf für spätere Selektion
Im jahrelangen Ringen für eine spätere Selektion gibt es nun einen neuen Anlauf: Im Bildungsministerium laufen Vorarbeiten für “Modellregionen für die Gemeinsame Schule der Zehn- bis 12- bzw. 14-Jährigen”, wie sie im Regierungsprogramm vorgesehen sind. Die Wiener Bildungsstadträtin Bettina Emmerling hat nun den Wunsch geäußert, Teil eines solchen Pilotprojekts zu sein. Bildungsminister Christoph Wiederkehr unterstützt das Anliegen: In seiner Zeit als Wiener Bildungsstadtrat hat er bereits eine verlängerte Volksschule als Alternative zur klassischen Gesamtschule bis 14 ins Spiel gebracht, dementsprechend sprach er von einem pädagogisch sinnvollen Modell.
Inhalte und Rolle der Lehrkräfte noch offen
Derzeit müssen Kinder sich mit zehn Jahren zwischen Mittelschule und AHS-Unterstufe entscheiden. Für das Gymnasium brauchen die Schülerinnen und Schülern in Deutsch und Mathematik ein "Sehr Gut" oder "Gut" im Volksschulzeugnis. Im Ministerium werde nun überlegt, wie eine verlängerte Volksschule pädagogisch aussehen könnte, erklärte Wiederkehr. Es gehe etwa darum, was in diesen zwei zusätzlichen Volksschuljahren gemacht werden könnte und ob dort Klassenlehrkräfte wie in der Volksschule oder Fachlehrer wie in Mittelschule und AHS den Unterricht gestalten.
Freiwillige Teilnahme an Pilotprojekt
Offen ist noch, welche Schulen und Standorte in Wien bei dem Pilotversuch mitmachen und wie der Wechsel an weiterführende Schulen aussehen kann. Außerdem brauchen teilnehmende Volksschulen mehr Klassenräume für die zusätzlichen Jahrgänge. Deshalb soll die Teilnahme am Pilotprojekt freiwillig sein, betonte Wiederkehr. Im Anschluss werde man sehen, ob eine weitere Ausrollung sinnvoll sei. Er sei aber optimistisch, dass innerhalb der aktuellen, bis 2029 laufenden Regierungsperiode klar sein wird, wie eine sechsjährige Volksschule aussehen könnte.
Lehrergewerkschaft zurückhaltend
Pflichtschullehrervertreter Paul Kimberger (FCG) reagierte zurückhaltend. Die Idee einer Verlängerung der Volksschulzeit kursiere schon seit Jahrzehnten, er habe allerdings noch nie ein Konzept gesehen, wie das pädagogisch und praktisch - etwa beim Schulraum - umgesetzt werden könnte.
Kimberger für Potenzialanalysen
Grundsätzlich sei er dafür, an der sensiblen Schnittstelle zwischen Volksschule und Sekundarstufe 1 etwas von dem Druck, der auf Kindern, Eltern und Lehrkräften lastet, herauszunehmen. Kimberger plädierte allerdings für die ebenfalls schon länger diskutierte Möglichkeit, den Übergang zwischen den Schulen zu verbessern. Als Beispiel nannte er Potenzialanalysen, also dass Lehrkräfte der weiterführenden Schulen bei der Frage einbezogen werden, in welche Schulform ein Kind mit zehn Jahren am besten wechseln sollte.
APA Science