Neue Sonderform: Vier AHS für Hochbegabte

Bildungsminister Christoph Wiederkehr plant eine neue Sonderform des Gymnasiums: An vier Standorten in ganz Österreich sollen Kinder und Jugendliche mit "besonderem Begabungs- und Leistungspotenzial" gezielt gefördert werden und die Unterstufe in nur drei Jahren abschließen können. 

Schulklasse

Test vor Aufnahme

Motivation, Leistungsbereitschaft und ein entsprechendes Ergebnis bei einem Intelligenztest: Das sollten Kinder und Jugendliche, die die neue AHS für Hochbegabte besuchen möchten, für das Aufnahmeverfahren mitbringen. Bis 4. November ist ein aktueller Gesetzesentwurf in Begutachtung, mit dem Schuljahr 2027/28 soll die Sonderform starten. Bis 2030 sind vier AHS für Hochbegabte geplant - als einzelne Klassen an einem bestehenden Gymnasium. 

Mehr Wissen in kürzerer Zeit

Vorgesehen ist dabei eine Verkürzung der Unterstufe von vier auf drei Jahre und ein angepasstes pädagogisches Angebot bis zur Matura, um die Begabungen der Schülerinnen und Schüler gezielt zu fördern. Möglich sind zum Beispiel das Vorziehen von Inhalten oder Abschlüssen, die Erweiterung des Lehrplans, das Belegen von Hochschulkursen schon in der Schulzeit, Anpassungen beim Stoff, individuelle Lernziele, Coaching und Mentoring. 

Klassenwiederholung nicht möglich

Der Lehrplan der Sonderform muss so gestaltet sein, dass am Schluss die Matura des Gymnasiums oder Realgymnasiums abgelegt werden kann. Kommen Schülerinnen und Schüler mit den erhöhten Anforderungen nicht zurecht oder wollen nicht in der Sonderform bleiben, können sie in eine reguläre Klasse ihrer gewohnten Schule wechseln. Eine Klassenwiederholung ist bis auf wenige Ausnahmen wie längere Erkrankung, Unfall oder höhere Gewalt nicht möglich.

Flexiblere Anwesenheitsregeln

Bisher gab es zur Förderung von Hochbegabung nur Schulversuche. Einige Erkenntnisse sollen in Zukunft in allen Schulen in den Unterricht einfließen, etwa das selbstständige Erledigen von Arbeitsaufträgen oder das Modell "Flipped Classroom", wo Schülerinnen und Schüler sich im eigenen Tempo außerhalb des Unterrichts in ein Thema einarbeiten und dann gemeinsam in der Klasse das Gelernte vertiefen. Auch das Vorziehen von Teilen der Reifeprüfung, sobald das entsprechende Fach positiv abgeschlossen ist, soll schulautonom an allen Standorten möglich werden. Ab der 10. Schulstufe sollen mittlere und höhere Schulen außerdem die Anwesenheitsregeln flexibler regeln dürfen, damit Jugendliche einzeln oder in Gruppen an einem längerfristigen Projekt arbeiten können.

Vierte AHS-Sonderform

Die AHS für Hochbegabte ist die vierte Sonderform an Gymnasien. Derzeit gibt es welche für Berufstätige, als (Real)Gymnasium mit Musik-, Sport- oder Englischschwerpunkt oder als Werkschulheim, wo man zusätzlich ein Handwerk erlernt.