PISA 2025: Lesen und Mathe schwächer

Mehr als jeder Vierte leistungsschwach
Beim Lesen erreichen Österreichs Jugendliche im Schnitt 467 Punkte. Das sind 13 Punkte weniger als bei PISA 2022 und 18 Punkte weniger als vor zehn Jahren. Der Rückgang ist statistisch signifikant. Trotzdem liegt Österreich noch sechs Punkte über dem OECD-Schnitt und 16 Punkte über dem EU-Schnitt.
Deutlicher als der Mittelwert zeigt die Verteilung der Leistungen das Problem: 28 Prozent der Jugendlichen gehören beim Lesen zur leistungsschwachen Gruppe, nur fünf Prozent zur leistungsstarken. Vor zehn Jahren lag der Anteil der Leistungsschwachen noch bei 23 Prozent.
Bemerkenswert ist dabei, dass der Rückgang nicht vor allem auf ein weiteres Absinken der schwächsten Jugendlichen zurückzuführen ist. Die Leistungen der schwächsten fünf Prozent blieben im Vergleich relativ stabil. Deutlich verloren haben hingegen die stärksten fünf Prozent: Ihr Kompetenzwert sank gegenüber PISA 2022 um 20 Punkte.
Ähnliches Bild in Mathematik
Auch in Mathematik zeigt die Kurve nach unten. Österreich erreicht 477 Punkte und damit zehn Punkte weniger als 2022. Gegenüber 2015 beträgt der Rückgang bereits 20 Punkte. Mit einem Vorsprung von 14 Punkten gegenüber dem OECD-Schnitt und 17 Punkten gegenüber dem EU-Schnitt liegt Österreich international dennoch weiterhin vergleichsweise gut.
Doch auch hier wächst die Gruppe jener Jugendlichen, die nur geringe Kompetenzen erreichen. Ihr Anteil stieg innerhalb von zehn Jahren von 22 auf 28 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil der leistungsstarken Jugendlichen von zwölf auf acht Prozent. Anders als beim Lesen haben sich in Mathematik damit beide Enden der Leistungsverteilung ungünstig entwickelt.
Naturwissenschaften bleiben stabil
Deutlich besser fällt das Ergebnis in den Naturwissenschaften aus, die bei PISA 2025 den Schwerpunkt bildeten. Österreich erreicht hier 497 Punkte und liegt damit 15 Punkte über dem OECD- und 21 Punkte über dem EU-Schnitt. Neun Prozent der Jugendlichen gehören zur leistungsstarken, 21 Prozent zur leistungsschwachen Gruppe.
Auch der längerfristige Vergleich fällt wesentlich günstiger aus. Gegenüber 2015 beträgt die Veränderung lediglich plus zwei Punkte, gegenüber 2022 plus sechs Punkte. Beide Unterschiede sind statistisch nicht signifikant. Während also Lesen und Mathematik in den vergangenen zehn Jahren deutlich verloren haben, blieb das Kompetenzniveau in den Naturwissenschaften stabil.
Soziale Herkunft macht großen Unterschied
Eine der größten Baustellen des österreichischen Bildungssystems bleibt die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft. Jugendliche mit hohem Sozialstatus schneiden in allen untersuchten Bereichen deutlich besser ab als Jugendliche mit niedrigem Sozialstatus.
Besonders groß ist die Differenz in den Naturwissenschaften: Zwischen Jugendlichen mit hohem und niedrigem Sozialstatus liegen 98 PISA-Punkte – mehr als eine gesamte Kompetenzstufe. Unter den 43 untersuchten OECD- und EU-Ländern ist dieser Unterschied nur in Deutschland und Luxemburg noch deutlich größer.
Beim Lesen beträgt der Abstand 82 Punkte, in Mathematik 81 Punkte. Beim computergestützten Problemlösen fällt die Differenz mit 59 Punkten geringer aus.
Familiensprache ist nur ein Teil der Erklärung
Auch die Familiensprache hängt deutlich mit den Ergebnissen zusammen. 26 Prozent der getesteten Jugendlichen in Österreich sprechen zu Hause überwiegend eine andere Sprache als Deutsch. Sie erreichen in allen vier Bereichen geringere Kompetenzwerte als Jugendliche mit deutscher Familiensprache.
Die Unterschiede hängen allerdings zu einem beträchtlichen Teil mit der sozialen Herkunft zusammen. Beim Lesen beträgt der Abstand zunächst 68 Punkte. Wird der Sozialstatus statistisch berücksichtigt, reduziert er sich auf 43 Punkte. In Mathematik sinkt die Differenz von 60 auf 35 Punkte, in den Naturwissenschaften von 79 auf 50 Punkte. Beim computergestützten Problemlösen reduziert sie sich von 42 auf 23 Punkte.
Große Unterschiede zwischen Mädchen und Burschen
Weiterhin deutlich sind auch die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Mädchen erreichen beim Lesen im Schnitt 26 Punkte mehr als Burschen. In Mathematik liegen dagegen die Burschen um 23 Punkte vorne. Dieser Unterschied gehört laut IQS zu den größten innerhalb der OECD- und EU-Länder.
Auch beim computergestützten Problemlösen schneiden Burschen um 17 Punkte besser ab. In den Naturwissenschaften gibt es dagegen praktisch keinen Geschlechterunterschied mehr. Das war nicht immer so: 2015 lagen die Burschen dort noch 19 Punkte vor den Mädchen.
Stark beim digitalen Problemlösen
Einen positiven Befund liefert der erstmals getestete Bereich des computergestützten Problemlösens. Dabei müssen Jugendliche Problemstellungen mithilfe digitaler Technologien bearbeiten. Österreich erreicht 509 Punkte und liegt damit neun Punkte über dem OECD- und 18 Punkte über dem EU-Schnitt.
Noch deutlicher zeigt sich das bei den Kompetenzgruppen: 29 Prozent der österreichischen Jugendlichen gehören hier zur leistungsstarken Gruppe, 20 Prozent zur leistungsschwachen. Das computergestützte Problemlösen ist damit der einzige der vier untersuchten Bereiche, in dem es in Österreich mehr leistungsstarke als leistungsschwache Jugendliche gibt.
Wiederkehr sieht „Licht und Schatten“
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) sieht in den Ergebnissen laut APA „Licht und Schatten“. Positiv bewertet er das Abschneiden Österreichs im internationalen Vergleich und die Ergebnisse in den Naturwissenschaften. Den Rückgang in Lesen und Mathematik bezeichnet er dagegen als signifikanten Verlust von Grundkompetenzen.
Handlungsbedarf sieht Wiederkehr insbesondere beim starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und schulischer Leistung. Maßnahmen wie der Chancenbonus für Schulen, die Sommerschule und Änderungen bei der Deutschförderung sollen hier gegensteuern.
Auch bei der Digitalisierung kündigt der Bildungsminister Änderungen an. Diese müsse künftig „später und besser“ erfolgen. Wiederkehr verweist dabei auf negative Zusammenhänge zwischen früher beziehungsweise intensiver Bildschirmnutzung und Lernergebnissen. Die Ausgabe der vergünstigten oder kostenlosen digitalen Endgeräte soll deshalb künftig nicht mehr bereits in der fünften Schulstufe erfolgen, sondern erst gegen Ende der sechsten Schulstufe.
PISA 2025 im Überblick
PISA untersucht die Kompetenzen 15- beziehungsweise 16-jähriger Schülerinnen und Schüler. Bei der Erhebung 2025 stand die Naturwissenschaftskompetenz im Mittelpunkt, Lesen und Mathematik wurden als Nebendomänen getestet. Zusätzlich wurde mit dem computergestützten Problemlösen erstmals die neue Domäne „Lernen in der digitalen Welt“ erhoben.